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DIE VERKAUFTE BRAUT
(Bedřich Smetana)
Besuch am
22. Dezember 2018
(Premiere)
Ein mächtiger Misthaufen dominiert das Bühnenbild. Er dampft ständig vor sich hin. Allerlei landwirtschaftliches Gerät wie ein fahrbarer Traktor, Förderbänder, Schubkarren, aber auch ein dreckiges Dixie-Klohäusel vervollständigen die Szenerie, die von Patrick Bannwart stammt. Und er bietet allerlei vulgären Spießgesellen, Mädchen in Hotpants aber auch Dorfrockern, die zu Smetanas Tanzrhythmen headbangen, in verschiedenen Etagen viele vitale Auftrittsmöglichkeiten: Voll prallem, volkstümlichem, manchmal überdrehtem Realismus, bäuerlich derb, aber auch ungemein ideenreich und voller kleinster Details auch auf den Nebenschauplätzen ist die Inszenierung von David Bösch bei Bedřich Smetanas Die Verkaufte Braut an der Bayrischen Staatsoper in München. Und der Regisseur, der am Nationaltheater schon mehrfach inszeniert hat, ist auch als Pointen-Lieferant versiert. Das geht vom Pseudo-Spektakel der Zirkustruppe, die einem Halloween-Albtraum entsprungen ist, bis zum ständig einbezogenen Souffleur. Einen tieferen, dramaturgischen Bogen bleibt er allerdings schuldig.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Seine Inszenierung wirkt fast wie eine Persiflage auf das heutige Landleben zwischen Machos, Suff, Güllewagen, Hochzeitskleidern von der Leine im Angebot. Es wird in heutigen Kostümen von Falko Herold mächtig viel gesoffen, getanzt geprügelt, geliebt, heftig geschachert und auch um die Wette gepinkelt.
Durch diese extreme Überdrehtheit scheinbar animiert, eilt Dirigent Tomáš Hanus am Pult des Bayerischen Staatsorchesters im schneidigen Ritt durch die Partitur. Das klingt in der Ouvertüre noch vielversprechend, zwischendurch haben aber selbst die hoch flexiblen Staatsopernmusiker ihre Not, in der Spur zu bleiben, und der an sich gut singende Chor wird auch manchmal abgehängt. Doch besonders die lyrischen, oft von Erinnerungsmotiven bestimmten Passagen, die schwelgenden Streicher und das melancholische Holz könnten mehr Raum zur Entfaltung vertragen. Einen rhythmischen Brillanten wie den Furiant hat man schon kantiger und fetziger gehört.

Eine Urgewalt auf der Bühne ist Günther Groissböck, derzeit hauptsächlich im Wagner- und Strauss-Fach gebucht, als ungemein präsenter, geschwätziger Heiratsvermittler Kezal mit exakt fokussiertem, profundem Bass, selbst bei seinen Klimmzügen und beim Armdrücken. Er ist ein schmieriger, überheblicher Macho im weißen Strizzi-Anzug, mit Goldkettchen, goldener Armbanduhr, Klapphandy und rotem, bis zum Gürtel aufgeknöpften Hemd. Und er wirbt schon während der Ouvertüre und auch später immer wieder mit projizierten Inserts in mehreren Sprachen für „Bräute und Versicherungen – mit einer Erfolgsquote von 99,97 Prozent“. Bei seiner Diktion bräuchte es denn auch keine Übertitel, zumal sich Dirigent Hanus für Max Kalbecks deutsche Fassung der 1866 in Prag uraufgeführten Nationaloper entschieden hat.
Wolfgang Ablinger-Sperrhacke ist ein großer Charakterdarsteller, der seinen Wenzel herrlich stotternd, aber nie vertrottelt verkörpert und eine starke Tenor-Leistung liefert. Und der Willi, der ein echtes Schwein im Schlepptau hat, das sogar eine eigene Biografie im Programmheft bekommen hat. Selene Zanetti, eine blutjunge, italienische Sängerin, die erst seit dieser Saison Ensemblemitglied des Hauses ist und früher hier im Opernstudio engagiert war, eingesprungen für die hochschwangere Christiane Karg, brilliert als selbstbewusste, teils resche, gefühlswarme Marie mit derben Gummistiefeln und Kaugummiblasen. Pavol Breslik fasziniert als ihr Geliebter Hans mit schlankem, herrlich lyrischem, berührendem Tenor. Auch die kleineren Partien sind mit Oliver Zwarg als Bauer Kruschina, Helena Zubanovich als dessen Frau Kathinka und Eltern von Marie, Kristof Klorek als Mícha und Irmgard Vilsmaier als dessen Frau Agnes und Eltern von Wenzel, Anna El-Khashem als Tänzerin Esmeralda und Ulrich Reß als Direktor der Zirkustruppe ideal besetzt. Farbige und homogene Wirkung erzeugt der ausgezeichnete Chor der Bayrische Staatsoper, dessen Einstudierung Sören Eckhoff besorgte.
Großer Jubel und einige wenige Buhs für die Regie.
Helmut Christian Mayer