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Das Märchen Aschenputtel ist ein würdiger Opernstoff mit einem wunderbaren Happy End. Die italienische Belcanto-Vertonung La Cenerentola von Rossini ist bekannter und weltlicher als Massenets französisch-romantische Interpretation namens Cendrillon, die so unbekannt ist, dass sie in den meisten Opernführern gar nicht erst aufgelistet wird. Es ist unter anderem der Mezzosopranistin Joyce DiDonato zu verdanken, dass in den letzten Jahren das Werk auf dem Spielplan einiger berühmter Häuser aufgetaucht ist. Das Theater Münster wagt sich zeitgleich mit der Metropolitan Opera an Cendrillon, und nicht nur die Westfalen können stolz auf das Ergebnis sein, das es in Münster zu sehen gibt.
Bei Regisseur Roman Hovenblitzer setzt die Handlung bei einer Filmpremiere von Cinderella an. Der Star des Films ist natürlich der heiß begehrte Märchenprinz, der im Kino, wo die Filmpremiere stattfindet, das erste Mal auf Lucette, die Tochter des Kinobesitzers – Pandolphe – sowie auf deren schrullige Stiefschwestern nebst Stiefmutter trifft, die Lucette Cendrillon rufen. Bühnenbildner Bernhard Niechotz lässt dabei die Herzen der Lokalpatrioten höherschlagen. Das Kino erinnert an das schöne Schlosstheater, eines der letzten alten Lichtspielhäuser in Münster. In den Videos von Oliver Berg taucht immer wieder der Erbdrostenhof auf. Immer wieder vermischen sich Film und Bühnenhandlung, perfekt abgestimmt. Das optische Vergnügen wird noch zusätzlich gesteigert durch die wunderbaren Kostüme, ebenfalls von Niechotz. Er verbindet geschickt Klassik und Moderne, Schrilles und Schlichtes. Am Theater Münster wird beim Bühnenzauber endlich mal wieder nicht gekleckert, sondern auf höchstem Niveau geklotzt.
| Musik | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Dazu kommt eine ganz wunderbare Personenführung, mit der Hovenblitzer unter der choreografischen Mitarbeit von Tomasz Zwozniak den Figuren echtes Leben einhaucht. Mit vielen, kleinen Details erzählt er die Handlung, weiß sein Publikum zum Lachen bringen, nimmt aber auch den märchenhaften Charakter ernst. Ein perfektes Beispiel dafür, wie sich die Regie mit der Musik zu einer Einheit verbindet, und auch der Erste Kapellmeister Stefan Veselka mit dem Sinfonieorchester Münster leisten ihre nötige Arbeit dazu. Dass Massenets Partitur ein echter Ohrwurm fehlt, kompensieren Dirigent und Musiker mit einem wunderbaren Fluss dieser schwebenden Musik. Den melancholischen Melodien Cendrillons und des Prinzen stehen der festlich-pompöse Ton des Prinzengefolges sowie das glitzernde Schillern der guten Fee gegenüber. Das Sinfonieorchester fügt diese Elemente bruchlos ineinander und spielt sich beinahe in einen französischen Rausch, ohne je in übertriebenen Kitsch zu verfallen.

Der hauseigenen Besetzung gelingt es nicht ganz, auf diesem Niveau mitzuhalten, sie schlägt sich aber sehr achtbar. Da fehlt oft die letzte technische Sicherheit, um die geforderte Agilität mit einer auf dem Körper sitzenden Stimme zu verbinden. Das fällt beispielsweise bei Kathrin Filips Fee auf, deren Spitzentöne oft isoliert und farblos wirken. Ansonsten trifft sie mit ihrem schönen Sopran und auch ihrer federleichten Bühnenerscheinung den Nerv der guten Strippenzieherin, die immer wieder den melancholischen Grundton mit Glitzer überzieht. Suzanne McLeods schüttelt die arrogante Stiefmutter, die auf den schönen Namen Madame de la Haltière hört, quasi mit Bravour aus ihrem kleinen Finger heraus und überspielt damit manchen stumpfen Ton. Ihre beiden Töchter Noémie und Dorothée finden in Kristi Anna Isene und Christina Holzinger quirlige Sängerinnen. Gregor Dalal, sonst oft der Oberschurke in Münster, darf als liebenswerter Vater Pandolphe einmal zeigen, wie sensibel er singen kann.
Schon oft standen Henrike Jacob und Youn-Seong Shim als verliebtes Paar auf Münsters Bühne und sind daher aufeinander eingespielt. Henrike Jacob klingt dabei ausgeruhter und in sich ruhender als in manchen Produktionen zuvor. Ihre Cendrillon wirkt nie aufgesetzt, klingt abgerundet und wunderbar natürlich. Ihre Bühnenpräsenz überzeugt wie eh und je. Daran mangelt es dem Tenor Shim, von dem man sich eine Prise mehr Leidenschaft gewünscht hätte, der aber ansonsten mit großem Legato dem Prinzen das passende Charisma einhaucht. Zuletzt müssen Chor und Extrachor des Theaters Münster genannt werden, die, vorbereitet durch Inna Batyuk, nicht nur großartig singen, sondern auch zeigen, wie hervorragend sie spielen, wenn ein Regisseur sie nur vernünftig einbindet.
In der dritten Vorstellung kommt vom Publikum trotz einigen Zwischenapplauses kaum nennenswerte Unterstützung. Die Leistung der Akteure wird sicherlich anerkannt und gewürdigt, aber man merkt, dass diese Opernrarität eben nicht so ein ohrwurmreicher Blockbuster ist wie andere Werke, die man dafür fast auf jedem Spielplan findet. Umso mehr muss man dem Theater Münster danken, dass es dieses Märchen so funkelnd und detailliert in Szene gesetzt hat.
Rebecca Hoffmann