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Bildschirmfoto

Farbklänge aus der schottischen Volksmusik

SCHOTTISCHE FANTASIE OP. 46
(Max Bruch)

Gesehen am
25. Januar 2021
(Livestream)

 

Theater Münster

Das Münstersche Konzert­pu­blikum, anspruchsvoll und zuver­lässig, sollte nicht länger warten: Trotz der Corona-Einschrän­kungen bietet das Sinfo­nie­or­chester Münster mehrere Konzerte an, die als Streaming gleich ins Wohnzimmer geliefert werden. GMD Golo Berg hat hierzu Programm­punkte ausge­wählt, die nicht häufig auf heutigen Konzert­pro­grammen zu finden sind:  Max Bruch mit seiner Schot­ti­schen Fantasie op. 46. Bruch hat sich gerne von volks­tüm­lichen Melodien – ob schot­ti­schen, hebräi­schen, schwe­di­schen oder deutschen – inspi­rieren lassen und damit  seine roman­tische Kunst­auf­fassung dokumen­tiert. Die eingängige, bunte Klang­pa­lette seiner Schot­ti­schen Fantasie hat schon nach ihrer Entstehung die Aufmerk­samkeit der Zuhörer geweckt. Doch ist Bruch die öffent­liche Wahrnehmung seiner Person und die fachlich-musika­lische Anerkennung seiner Werke versagt geblieben, das hat sich bis heute wenig geändert. Schon im ersten Satz der Schot­ti­schen Fantasie aus dem Jahr 1880 kontras­tieren stark zurück­ge­nommene, weiche Bläser­pas­sagen mit hellen, freund­lichen Strei­cher­ele­menten und machen die Zuhörer zu Beginn des Konzertes mit der Klang­fülle und Virtuo­sität des Münster­schen Sinfo­nie­or­chesters bekannt. Bei der Kompo­sition seiner Fantasie greift Bruch auf roman­tische Stimmungs­bilder schot­ti­scher Volks­lieder zurück und setzt dazu die in Schottland sehr beliebten Instru­mente Violine und Harfe ein. In „roman­ti­schen Stimmungs­bildern“ führt Bruch den Zuhörer in die wilden Landschaften Schottland oder tief in die Sagenwelt volks­tüm­licher Mythen.

Bildschirmfoto

Midori Goto, mehrfach ausge­zeichnete Solistin des Abends und inzwi­schen als Erste Konzert­meis­terin tätig, überrascht mit ihrem virtuosen, ausdrucks­starken Violin­spiel. Aller­dings hat sie mehrfach Probleme, die zarten Violin­k­länge gegenüber dem großen Orchester hörbar zu machen. In den vier Sätzen der Fantasie nutzt Bruch die ganze Klang­weite eines etwa fünfzig­köp­figen Orchesters, in dem Solovioline und Harfe im Vorder­grund stehen. Sie setzen melodische Farbtupfer in die eher flächigen, breiten Orches­ter­pas­sagen, die Golo Berg mit weiträu­migem Dirigat führt. Im Schlusssatz Allegro guerriero zieht Golo Berg das Tempo an, lebhafte Hörnerrufe leiten schließlich das Finale ein, die Solovioline erhält Raum für eine gefühl­volle Passage, bevor das Gesamtor­chester zu einem fulmi­nanten Schluss ansetzt. Die Kamera­führung der Aufzeichnung wählt die üblichen Einstel­lungen vom Nahaus­schnitt bis zur Raumto­talen. Bedau­erlich ist, dass die Kamera der Solistin zwar immer wieder über die Schulter schaut und  die unglaub­liche Finge­r­akro­batik von Midori Goto in Großauf­nahme zeigt, dabei aber oft vergisst, dass auch ihr Gesicht mitspielt,  dessen Ausdrucks­stärke der Zuhörer gern häufiger gesehen hätte.

Auch wenn wir in den Zeiten von Corona dankbar dafür sind, Kunst­er­leb­nisse wie ein großes Konzert wenigstens in der digitalen Form von streaming zur Verfügung zu haben, so bleibt doch die Differenz zum Realer­lebnis erhalten. Zwar ist abzusehen, dass die Substitute medialer Produktion sich immer weiter einander annähern und die Grenzen zwischen analog und digital produ­zierten Klängen immer mehr verschwimmen: Der wirkliche Musik­freund wird weiterhin ein Konzert lieber real besuchen als sich mit digita­li­sierten Formen gleich welcher Art zufrieden zu geben. Das gilt schon bei der Verstärkung realer Klänge. Höre ich die Töne einer Violine, einer Flöte – oder sind es elektro­nisch aufge­blasene Klanggeräusche?

In Corona-Zeiten ist das keine relevante Frage, der Zuspruch zu den streaming-Angeboten verschie­denster Häuser gibt beredte Antwort und zeigt auch beim Münster­schen Theater, wie dankbar Publikum und Künstler sind, wenn sich Orchester und Theater auf dieses neue Feld der Kunst­pro­duktion wagen. Das gilt erst recht für die Künstler, die solche Angebote unter erschwerten Bedin­gungen möglich machen und gleich­zeitig von ihnen abhängig sind.

Der geänderte Spielplan des Theaters Münster zeigt bis in den Februar hinein weitere streaming-Angebote, auf die sich viele Münste­raner schon freuen. Auch wenn sie den Klangraum des Großen Hauses und die Atmosphäre im Foyer nicht ersetzen können – Theater­schaf­fende und Besucher sind dankbar, dass es die Möglichkeit überhaupt gibt.

Horst Dichanz

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