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Vom 7. Juni bis zum 7. Juli fand zum 28. Mal das Shakespeare-Festival im Globe-Theater in Neuss statt. Veranstalter, Akteure und Besucher sind in höchstem Maß zufrieden. Mit 15.300 Besuchern und einer Auslastung von 90 Prozent wurde eines der besten Ergebnisse überhaupt in der Geschichte des Festivals erreicht. Und zu meckern gibt es ja immer was.

Das diesjährige Festival war von den bisher 28 vergangenen eines der besten“, zieht Rainer Wiertz, Künstlerischer Leiter des Shakespeare-Festivals im Neusser Globe-Theater, erfreut seine Bilanz, nachdem das Fest am vergangenen Samstag mit einem letzten Höhepunkt, dem 75-minütigen Parforce-Ritt der beiden Q Brothers aus Chicago in mehr als 20 Rollen, zu Ende gegangen ist. Es gab vieles zu bestaunen im vergangenen Monat, der wieder einmal programmatisch prall gefüllt war. „Die beiden fremdsprachigen Aufführungen – die Romeo-y-Juliet-Inszenierung des katalanischen Projecte Ingenu und der Widerspenstigen Zähmung vom Teatre Papahema aus Polen – haben mir persönlich am meisten Spaß gemacht“, nennt Wiertz seine persönlichen Favoriten.
Auch das Publikum stimmte ab. 15.300 Besucherinnen und Besucher in einem Monat, das muss man erst mal schaffen. Und mit einer daraus resultierenden Auslastung von 90 Prozent kommt das Festival damit an seine Grenzen. Dass es die noch nicht gesprengt hat, liegt für den Künstlerischen Leiter am fehlenden Gestaltungsrahmen. Ein Monat ist ein Monat. Mehr Zeit gibt es nicht. Zwar wurden mehr Veranstaltungen angeboten als in den Vorjahren, aber die mussten am Nachmittag stattfinden. „Und das wurde nicht so gut angenommen wie die Abendveranstaltungen“, analysiert Wiertz. Aber daran lag es sicher nicht allein. Begonnen hatte das Festival im Gewitter und auch in den ersten Tagen mochte sich das Wetter nicht so wirklich sommerlich gerieren. Aber was ist dieses Fest ohne seine sehr spezielle Atmosphäre im Freien vor dem Globe-Theater? Da fehlt einem was. Schließlich suchen die Besucher das Gesamterlebnis. Die eigentliche Aufführung ist nur ein Teil des Vergnügens.
Das haben auch die aufführenden Ensembles begriffen, die fallweise, wie etwa bei King Charles III, das Bühnengeschehen gleich in die Pause hineintrugen und damit für einen großen Erfolg sorgten. Und immer wieder war auch von den Darstellern zu hören, wie viel Spaß sie daran hatten, in Neuss auftreten zu dürfen. Wenn man es ihnen nicht ohnehin schon in den Aufführungen anmerkte. Da schienen auch die Sprachgrenzen zweitrangig. Aber es gibt sie. In Kombination mit allzu mageren Abendzetteln, die in diesem Jahr allzu lieblos wirkten, gibt es da sicher noch Verbesserungsmöglichkeiten, auch wenn sie vom Veranstalter derzeit noch nicht so gesehen werden.
Einen Künstlerischen Leiter, der mit einer Auslastung von 90 Prozent zufrieden ist, hat es noch nicht gegeben. Also mindestens keinen, der das nächste Festivaljahr erlebt hat. Und so ist Rainer Wiertz schon wieder unterwegs, um für das kommende Jahr die ausgefallenen, überragenden, überraschenden Gruppen zu finden, die das Festival im kommenden Jahr bevölkern werden. Um das Shakespeare-Universum einmal mehr neu zu erfinden.
Michael S. Zerban