O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
MUCH ADO ABOUT NOTHING
(William Shakespeare)
Besuch am
14. Juni 2019
(Premiere)
Jetzt geht es also wieder los. In den nächsten vier Wochen herrscht im Nachbau des Globe-Theaters an der Rennbahn in Neuss Hochbetrieb. Das Shakespeare-Festival bietet Drama, Komödie, Konzert und vieles mehr am laufenden Band. Kompanien aus der ganzen Welt reisen an, um ihre neuesten Produktionen zu präsentieren. Und sämtliche Veranstaltungen sind bereits so gut wie ausverkauft. Allerdings weist Rainer Wiertz, Künstlerischer Leiter des Festivals, ausdrücklich darauf hin, dass es sich immer noch lohnt, vor allem kurzfristig nach Karten zu fragen. Bislang habe man noch keinen Besucher unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken müssen.
Auch zur Eröffnungsveranstaltung sind noch einige wenige Plätze frei. Trotzdem herrscht bereits um 18 Uhr im Festivalzentrum reger Betrieb. Auch die Einführungsveranstaltung, die, wie man es am liebsten beim Festival sieht, im Freien stattfinden kann, ist bestens besucht. Pünktlich um 20 Uhr beginnt dann Much Ado About Nothing – auf Deutsch Viel Lärm um nichts – eine Koproduktion von Northern Broadsides und New Vic Theatre. 1986 wurde das New Vic Theatre als Theater in der Runde in Staffordshire eröffnet. Die Northern Broadsides Theatre Company ist eine Theatergesellschaft, die 1992 gegründet wurde und in einer ehemaligen Mühle im englischen Halifax ansässig ist. Conrad Nelson, neuer Künstlerischer Leiter der Company, führt Regie.
Nelson verlegt die Handlung in das Jahr 1945. Die zurückkehrenden Soldaten wollen die Gräuel der zurückliegenden sechs Jahre vergessen. Spaß haben und geordnete Verhältnisse schaffen. Schnell steht die Hochzeit von Hero und Claudio im Raum. Beatrice und Benedick müssen sich erst noch finden. Darum entwickelt sich eine langatmige und wortreiche Handlung, die nach drei Stunden zu einem guten Ende kommt. Dass Nelson versucht, das Geschehen mit musikalischen Einlagen und A‑Cappella-Einlagen aufzupeppen, ist aller Ehren wert, aber da hätte mehr kommen können. Stattdessen wird jeder noch so redundante Dialog auf die Bühne gebracht. Aber alle arbeiten daran, dass die Originalversion die Besucher auf den Sitzen hält, nicht zuletzt mit ein paar flotten Tanzeinlagen, die Beverly Norris-Edmunds choreografiert hat. Daniella Beattie ist für das Lichtdesign verantwortlich. Sie beschränkt sich auf grundsätzliche Lichtwechsel von Szene zu Szene und zum Pausenbeginn. Das ist wenig, aber ausreichend. Lis Evans hat das Bühnendesign übernommen. Da stehen an den Bühnenrändern jede Menge Wegweiser, die auf Orte in England hinweisen. Im Hintergrund sind zwei Paravents aufgebaut, auf denen zu lesen ist, dass der ganzjährige, private Gemüseanbau zum Sieg führt, niemanden etwas zu verraten ist, insbesondere nicht ihr, der Sieg im Ackerbau liegt, das Sammeln von Küchenabfällen hilft, die Schweine zu ernähren. Und so beginnt auch die Aufführung mit Frauen, die sich um die Landwirtschaft kümmern. Die Gegenstände bleiben stehen, Requisiten wie Stühle, Tische und so weiter wechseln und beleben so die Szene. Rhian Beavis hat ganz wundervolle Kostüme geschaffen. In das 20. Jahrhundert fantasiert, zeichnen sich die Kostüme durch eine außergewöhnliche Qualität aus. Hier stammt der Gummistiefel nicht aus dem Supermarkt, sondern aus dem Home-and-Garden-Shop, und der Anzug ist maßgeschneidert. In dieser Umgebung findet Nelson zu einer passgenauen Personenführung, in der selbst der – meist überflüssige – Monolog zur überragenden Leistung gerät.

Letztendlich müssen natürlich die Schauspieler überzeugen. Das gelingt ihnen einerseits in der musikalischen Leistung, andererseits aber vor allem in einer unglaublichen Textsicherheit, bei der nicht ein Versprecher bemerkbar ist. Nelson bedient sich aller komödiantischen Elemente. Da dürfen die 15 Darsteller ins Falsett abweichen, falsche Abgänge ohne Ende zeigen und auch mal Spökes in der ersten Reihe treiben. Vor allem für die männliche Besetzung hat Anji Carroll echt britische Charakterköpfe ausgewählt, bei denen allein schon das Aussehen mächtig Spaß macht. Bei den Damen sticht unter ausnahmslos guten Leistungen Sarah Kameela Impey als Hero mit ihrer Ausstrahlung hervor, die neben ihrer freundlichen Art auch mal Tränen ziemlich echt weinen kann und ziemlich gut das Bewusstsein verliert.
Die wenige Musik, die zu hören ist, wird live und instrumental von den Darstellern unter der Leitung von Rebekah Hughes vorgetragen. Damit ergibt sich insgesamt ein rundes, erheiterndes Bild, das ohne Schenkelklopfer, dafür mit viel Text auskommt. Der Besuch lohnt allemal, auch wenn man des Englischen nicht so mächtig ist. Man versteht dann vielleicht den einen oder anderen gesprochenen Scherz nicht, kann aber den Stereotypien der Handlung gut folgen. Hilfen vom Haus gibt es kaum. Der Abendzettel kommt genauso marginal, aber mit einer ganzen Seite Sponsoren daher, wie er schon in den vergangenen Jahren bemängelt wurde. Und so darf der Besucher sich wohl auch in diesem Jahr darauf freuen, dass – auf hohem Niveau – alles so sein wird wie in den vergangenen Jahren. Oder sich auch mal Gedanken darüber machen, wie lange diese Kontinuität, um nicht von Stillstand zu sprechen, noch gut geht, ehe Ermüdungserscheinungen auftreten. Von denen kann bei viel Lärm um nichts jedenfalls keine Rede sein. Die Zuschauer geraten beim Schlussapplaus schier aus dem Häuschen, und da kann auch das bisschen Regen auf dem Nachhauseweg die Freude nicht versauern.
Michael S. Zerban