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Foto © Christoph Krey

Britischer Humor in voller Länge

MUCH ADO ABOUT NOTHING
(William Shakespeare)

Besuch am
14. Juni 2019
(Premiere)

 

Shake­speare-Festival, Globe-Theater Neuss

Jetzt geht es also wieder los. In den nächsten vier Wochen herrscht im Nachbau des Globe-Theaters an der Rennbahn in Neuss Hochbe­trieb. Das Shake­speare-Festival bietet Drama, Komödie, Konzert und vieles mehr am laufenden Band. Kompanien aus der ganzen Welt reisen an, um ihre neuesten Produk­tionen zu präsen­tieren. Und sämtliche Veran­stal­tungen sind bereits so gut wie ausver­kauft. Aller­dings weist Rainer Wiertz, Künst­le­ri­scher Leiter des Festivals, ausdrücklich darauf hin, dass es sich immer noch lohnt, vor allem kurzfristig nach Karten zu fragen. Bislang habe man noch keinen Besucher unver­rich­teter Dinge wieder nach Hause schicken müssen.

Auch zur Eröff­nungs­ver­an­staltung sind noch einige wenige Plätze frei. Trotzdem herrscht bereits um 18 Uhr im Festi­val­zentrum reger Betrieb. Auch die Einfüh­rungs­ver­an­staltung, die, wie man es am liebsten beim Festival sieht, im Freien statt­finden kann, ist bestens besucht. Pünktlich um 20 Uhr beginnt dann Much Ado About Nothing – auf Deutsch Viel Lärm um nichts – eine Kopro­duktion von Northern Broadsides und New Vic Theatre. 1986 wurde das New Vic Theatre als Theater in der Runde in Stafford­shire eröffnet. Die Northern Broadsides Theatre Company ist eine Theater­ge­sell­schaft, die 1992 gegründet wurde und in einer ehema­ligen Mühle im engli­schen Halifax ansässig ist. Conrad Nelson, neuer Künst­le­ri­scher Leiter der Company, führt Regie.

Nelson verlegt die Handlung in das Jahr 1945. Die zurück­keh­renden Soldaten wollen die Gräuel der zurück­lie­genden sechs Jahre vergessen. Spaß haben und geordnete Verhält­nisse schaffen. Schnell steht die Hochzeit von Hero und Claudio im Raum. Beatrice und Benedick müssen sich erst noch finden. Darum entwi­ckelt sich eine langatmige und wortreiche Handlung, die nach drei Stunden zu einem guten Ende kommt. Dass Nelson versucht, das Geschehen mit musika­li­schen Einlagen und A‑Cap­pella-Einlagen aufzu­peppen, ist aller Ehren wert, aber da hätte mehr kommen können. Statt­dessen wird jeder noch so redun­dante Dialog auf die Bühne gebracht. Aber alle arbeiten daran, dass die Origi­nal­version die Besucher auf den Sitzen hält, nicht zuletzt mit ein paar flotten Tanzein­lagen, die Beverly Norris-Edmunds choreo­gra­fiert hat. Daniella Beattie ist für das Licht­design verant­wortlich. Sie beschränkt sich auf grund­sätz­liche Licht­wechsel von Szene zu Szene und zum Pausen­beginn. Das ist wenig, aber ausrei­chend. Lis Evans hat das Bühnen­design übernommen. Da stehen an den Bühnen­rändern jede Menge Wegweiser, die auf Orte in England hinweisen. Im Hinter­grund sind zwei Paravents aufgebaut, auf denen zu lesen ist, dass der ganzjährige, private Gemüse­anbau zum Sieg führt, niemanden etwas zu verraten ist, insbe­sondere nicht ihr, der Sieg im Ackerbau liegt, das Sammeln von Küchen­ab­fällen hilft, die Schweine zu ernähren. Und so beginnt auch die Aufführung mit Frauen, die sich um die Landwirt­schaft kümmern. Die Gegen­stände bleiben stehen, Requi­siten wie Stühle, Tische und so weiter wechseln und beleben so die Szene. Rhian Beavis hat ganz wunder­volle Kostüme geschaffen. In das 20. Jahrhundert fanta­siert, zeichnen sich die Kostüme durch eine außer­ge­wöhn­liche Qualität aus. Hier stammt der Gummi­stiefel nicht aus dem Super­markt, sondern aus dem Home-and-Garden-Shop, und der Anzug ist maßge­schneidert. In dieser Umgebung findet Nelson zu einer passge­nauen Perso­nen­führung, in der selbst der – meist überflüssige – Monolog zur überra­genden Leistung gerät.

Foto © Christoph Krey

Letzt­endlich müssen natürlich die Schau­spieler überzeugen. Das gelingt ihnen einer­seits in der musika­li­schen Leistung, anderer­seits aber vor allem in einer unglaub­lichen Textsi­cherheit, bei der nicht ein Versprecher bemerkbar ist. Nelson bedient sich aller komödi­an­ti­schen Elemente. Da dürfen die 15 Darsteller ins Falsett abweichen, falsche Abgänge ohne Ende zeigen und auch mal Spökes in der ersten Reihe treiben. Vor allem für die männliche Besetzung hat Anji Carroll echt britische Charak­ter­köpfe ausge­wählt, bei denen allein schon das Aussehen mächtig Spaß macht. Bei den Damen sticht unter ausnahmslos guten Leistungen Sarah Kameela Impey als Hero mit ihrer Ausstrahlung hervor, die neben ihrer freund­lichen Art auch mal Tränen ziemlich echt weinen kann und ziemlich gut das Bewusstsein verliert.

Die wenige Musik, die zu hören ist, wird live und instru­mental von den Darstellern unter der Leitung von Rebekah Hughes vorge­tragen. Damit ergibt sich insgesamt ein rundes, erhei­terndes Bild, das ohne Schen­kel­klopfer, dafür mit viel Text auskommt. Der Besuch lohnt allemal, auch wenn man des Engli­schen nicht so mächtig ist. Man versteht dann vielleicht den einen oder anderen gespro­chenen Scherz nicht, kann aber den Stereo­typien der Handlung gut folgen. Hilfen vom Haus gibt es kaum. Der Abend­zettel kommt genauso marginal, aber mit einer ganzen Seite Sponsoren daher, wie er schon in den vergan­genen Jahren bemängelt wurde. Und so darf der Besucher sich wohl auch in diesem Jahr darauf freuen, dass – auf hohem Niveau – alles so sein wird wie in den vergan­genen Jahren. Oder sich auch mal Gedanken darüber machen, wie lange diese Konti­nuität, um nicht von Still­stand zu sprechen, noch gut geht, ehe Ermüdungs­er­schei­nungen auftreten. Von denen kann bei viel Lärm um nichts jeden­falls keine Rede sein. Die Zuschauer geraten beim Schluss­ap­plaus schier aus dem Häuschen, und da kann auch das bisschen Regen auf dem Nachhau­seweg die Freude nicht versauern.

Michael S. Zerban

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