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Foto © Christoph Krey

Abwechslungsreich und kurzweilig

SHAKESPEARE AT THE OPERA
(Ville Enckelmann, Eva Hölter)

Besuch am
23. Juni 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Shake­speare-Festival, Globe-Theater Neuss

Das Opern­studio der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg bietet jungen Sängern im Anschluss an das Studium eine in der Regel zweijährige Aus- und Fortbildung, um ihr Reper­toire zu erweitern und den prakti­schen Bühnen­be­trieb kennen­zu­lernen. Nach Angaben der Rheinoper sind die aktuellen acht Teilnehmer aus einem Auswahl­ver­fahren mit knapp 400 Mitbe­werbern hervor­ge­gangen und stammen aus sieben Ländern. Bis vor einigen Jahren entwi­ckelte das Opern­studio noch vielbe­achtete Eigen­pro­duk­tionen. Jetzt ist es – abgesehen von Meister­klassen- oder Sponso­ren­kon­zerten – erstmals wieder als geschlossene Formation beim Neusser Shake­speare-Festival zu erleben.

Das Interesse am Nachwuchs ist groß. Das Globe-Theater ist am Sonntag­abend ausver­kauft. Und das, obwohl kein Best-of-Arien­abend, sondern Shake­speare at the Opera auf dem Programm steht. Auch hier hätte es die Möglichkeit gegeben, sich auf eine Hitparade einzu­lassen, um sich einem nicht so opern­erfah­renen Publikum anzubiedern. Das Opern­studio verzichtet auch darauf weitest­gehend. Ville Enckelmann, Korre­pe­titor und Musika­li­scher Leiter des Opern­studios, und Eva Hölter, zuständig für die Organi­sation, haben mit Hilfe von Anna Grund­meier ein Programm entwi­ckelt, das auch durchaus Unbekanntes mitbe­rück­sichtigt. Und siehe da: Das Publikum zeigt sich begeistert, obwohl es nicht einmal irgend­welche Überset­zungs­hilfen gibt.

Es mag durchaus sein, dass schon die gelungene Eröffnung für das richtige Klima sorgt. Denn für diesen Abend hat das Opern­studio den Schau­spieler Moritz Führmann verpflichtet. Schon mit dem Vortrag von Sonett Nummer acht und dem Monolog Die ganze Welt ist Bühne fesselt Führmann die Besucher, ehe Maria Boiko und Andrés Sulbarán ihr erstes Duett aus der selten gezeigten Oper Béatrice et Bénédict von Hector Berlioz vortragen. Beide wie die anderen Opern­studio-Teilnehmer auch in luftiger Leinen­be­kleidung, die an Shake­speare erinnern soll. Stefanie C. Salm hat die Kostüme ausge­wählt, von denen auch gleich noch einige an einer Garde­ro­ben­stange im Hinter­grund der Bühne hängen. Davor ist ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen platziert. Auf der anderen Bühnen­seite ist der Flügel und ein weiterer Stuhl unter­ge­bracht. Das muss an Requi­siten reichen. Boiko und Sulbarán zeigen gleich mit Comment le dédain pourrait-il mourir? auch, wie schön das funktio­niert. Mit ausge­wo­gener Bewegung und gegen­sei­tigem Blick­kontakt entsteht ein ausge­gli­chener Gesamt­ein­druck, der fast über den gesamten Abend beibe­halten wird. Dazu tragen auch die wenigen Licht­ef­fekte von Volker Weinhart bei, der stimmungsvoll, aber zurück­haltend leuchtet.

Foto © Christoph Krey

Nach einem weiteren Inter­mezzo von Führmann, das wieder mit kleinen Klavier­ein­sprengseln begleitet wird, tragen Sulbarán und seine beiden Kollegen Sebastià Peris und Andrei Nicoara das Terzett Me marier? Dieu me pardonne! vor. Vom ersten Balkon aus erschallt das Duett von Karina Repova und Daria Murom­skaia Vous soupirez, madame! – Le bonheur oppresse mon âme!, ehe sich das Ensemble zum Trinklied des Somarone Le vin de Syracuse, hier inter­pre­tiert von Andrei Nicoara, wieder im Erdge­schoss versammelt. Das Duett L’amour est un flambeau, ebenfalls von Boiko und Sulbarán vorge­tragen, beschließt den kleinen Reigen um Béatrice und Bénédict.

Einen kleinen Ausflug in die Oper Hamlet von Ambroise Thomas eröffnet Führmann mit der Rede Hamlets an die Schau­spieler. Wunderbar, wie er auch hier auf jede Dekla­mation verzichtet und so die Rede in die Gegenwart verlegt. Sehr zum Vergnügen des Publikums wird sein nächster Auftritt als Ophelia in Frauen­kleidern erfolgen, nachdem Maria Carla Pino Cury und Sebastià Peris das Duett von Ophelia und Hamlet Doute de la lumière … mais ne doute jamais de mon amour absol­viert haben. Abschließend erklingt die Wahnsinn­sarie der Ophélie A vos jeux, mes amis … Pâle et blonde dort sous l’eau profonde.

Selbst­ver­ständlich darf bei aller Exotik eines Programms über Shake­speare ein Ausflug zu Roméo et Juliette von Charles Gounod nicht fehlen. Schließlich gibt es da den Walzer der Juliette Je veux vivre, den man ja gar nicht oft genug hören kann. Wenn er denn vibra­t­ofrei vorge­tragen wird. Dass Daria Murom­skaia sich dabei am Geländer des ersten Balkons festhält, mag ihrer Aufregung geschuldet sein, verschenkt aber die Gelegenheit, der Arie noch mehr Schwung zu verleihen. Auch Sulbarán kann mit seiner Arie des Roméo Ah, leve-toi soleil nicht ganz zufrieden sein, wenn er hier viel Volumen, aber weniger Ausdruck zeigt.

Nach so viel Gefühl ist es dann Zeit für Unter­halt­sa­meres. Und so geht es nach einem Ausflug in Form des Duetts Reverenza! – Buon giorno buona donna mit Nicoara und Repova zu Giuseppe Verdis Falstaff weiter zu den Lustigen Weibern von Windsor, der Verar­beitung des Falstaff-Stoffs von Otto Nicolai. Hier gilt es, den wunderbar dunklen Bass von Sargis Bazhbeuk-Melikyan in Falstaffs Lied Als Büblein klein zu bewundern, um schließlich noch die Arie des Fenton Horch, die Lerche singt im Hain vom ersten Balkon zu hören, die Sulbarán mit Gefühl und Körper­be­wegung intoniert. Mit der Musical-Fassung von Cole Porter, in der der Wider­spens­tigen Zähmung erzählt wird, nämlich in dem Stück Kiss me Kate, ist der Abend dann endgültig bei der leichten Muse angekommen, was Karina Repova und Sebastià Peris kaum anzuhören ist. Ob Wunderbar, Kampf dem Mann oder Dein für alle Zeit klingt doch alles eher so, als trügen Opern­sänger Musical-Songs vor. Die schönen Stimmen entschä­digen aber voll und ganz für die fehlende Leich­tigkeit. Die letzten beiden Stücke muss man dann schon gedanklich als Zugabe nehmen, denn die wird es nicht geben. Für den Gassen­hauer Schlag nach bei Shake­speare hat sich das Opern­studio zwei weitere Gäste einge­laden. Cornel Frey und Florian Simson besitzen die nötige Souve­rä­nität und den Humor, diesen Schlager locker-flockig vorzu­tragen. Die beiden Sänger bleiben dann auch gleich auf der Bühne, um das Ensemble bei seinem letzten Ausflug zu Giuseppe Verdis Falstaff zu unter­stützen, wenn es denn im Kanon heißt: Tutto nel mundo è burla – Alles ist Spaß auf Erden.

Dem Opern­studio ist es gelungen, einen abwechs­lungs­reichen und kurzwei­ligen Abend mit durchaus ein paar großen Momenten auf die Bühne zu bringen, mit dem die Sänger zeigen konnten, dass es heute neben stimm­licher Technik auch auf Textver­ständ­lichkeit und Spiel­freude ankommt. Und obwohl es auch im ansonsten schön gemachten Programmheft – mit einigen Abwei­chungen im Programm – keinen Zugang zu den gesun­genen Texten gibt, bedankt sich das Publikum erst mit Zwischen­ap­plausen, am Ende dann mit Trampeln und langan­hal­tendem Beifall. Da darf man den Nachwuchs­sängern gratulieren.

Michael S. Zerban

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