O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DER STURM
(William Shakespeare)
Besuch am
16. Juni 2018
(Premiere)
Einen Monat dauert das Shakespeare-Festival in Neuss. In vier Wochen muss man sich schon eine Menge einfallen lassen, um das Publikum bei Laune zu halten. Eines der bewährten Mittel von Rainer Wiertz, dem Künstlerischen Leiter des Festivals, ist der Wechsel. Gab es am Freitagabend noch ein außergewöhnliches Konzert, ist es am Samstagabend schon das ganz große Theater. Na ja, oder zumindest Theater. Jedenfalls wird der Spannungsbogen wohldosiert aufrechterhalten. Und wer den Sturm von William Shakespeare auf das Programm setzt, geht immer ein Risiko ein. Es hat viele Versuche gegeben, dieses Fantasie-Spektakel auf die Bühne zu heben, bis hin zum Ballett in Gelsenkirchen. Zu reizvoll scheint der Gedanke, all die Magie, Liebe und Staatsräson von The tempest, so der Titel im Original, theatralisch zu verwirklichen.
Wiertz hat in diesem Jahr Die Theaterachse eingeladen, nach eigenen Angaben eine professionelle, freie Theatergruppe aus Salzburg, die Regisseur, Musiker und Autor Matthias Schuh je nach Bedarf besetzt. Mit fünf Schauspielern und der eigenen Tochter will Schuh das Publikum in den Bann ziehen, für den Shakespeare alle möglichen Fantasie-Rollen erfunden hat. Neben der Rollenverteilung liegt die Kunst bei diesem Stück wohl vor allem im Strich. Man kann eine dreistündige Fassung ebenso auf die Bühne bringen wie eine zweistündige. Die Theaterachse will es in deutlich weniger als zwei Stunden schaffen. Mit 100 Minuten ist die Aufführungsdauer angegeben. Das führt immer scharf an die Grenze der Verständlichkeit der Handlung. Aber das ist nicht das Problem der Inszenierung. Sie hat aber ein Problem. Und es dauert eine Weile, bis man versteht, wo es liegt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Schauspiel | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Im Tournee-Theater ist wenig Platz für Bühne. Schuh beschränkt sich deshalb auf einen großen Block, der in der Bühnenmitte Platz findet, davor eine überdimensionale Kiste, ein paar Requisiten. Das ist wenig, ein bisschen nüchtern, aber es reicht, um die Handlung darzustellen. Umso fantasievoller sind die Kostüme von Rafaela Wenzel. Von bezaubernder Leichtigkeit das Kleid, das Ariel trägt. Gekonnt typisierend die übrigen Gewänder. Und wirklich einfallsreich das Ganzkörperkondom von Caliban, das schnelle Rollenwechsel ermöglicht, ohne dem „Mondkalb“ von seiner Hässlichkeit zu nehmen. Insgesamt versucht das Stück, sich modern und zeitgemäß zu präsentieren, ohne die zahlreichen Zauber zu verderben. Im merkwürdigen Gegensatz dazu stehen die altertümlichen Redewendungen, die in den Shakespeare-Übersetzungen begründet liegen. Da hat Schuh der Mut zur Modernisierung der Sprache gefehlt. So bleibt das Werk in Antiquität, Langatmigkeit und Langeweile verhaftet, so sehr sich die Schauspieler auch um eine moderne Fassung bemühen.

Trotz einiger Haspler überzeugt das Ensemble auf ganzer Linie, sofern es der Text und die Striche zulassen. Victoria Morawetz ist der Stern des Abends. Bezaubernd im Wortsinn als Luftgeist Ariel, rollenbedingt ein wenig blass als Königin von Neapel. Ute Hamm spielt beherzt die vor allem hintenraus inkonsistente Rolle des Caliban und gefällt als Antonia, Prosperos Schwester. Prospero selbst, recht gewichtig von Peter Malzer vorgetragen, der nebenbei noch den Bootsmann spielt, verliert angesichts der überflüssig antiquierten Sprache. Wolfgang Kandler hat die schwierigen Rollen vom Sohn der neapolitanischen Königin und Stephano zu vergegenwärtigen. Und schließlich muss Larissa Enzi mit viel Engagement gleich drei Rollen übernehmen: Die unglaubwürdige Miranda, Trincula und einen Geist. Uneingeschränkt begeistert Tamina Schuh, die Tochter des Regisseurs, mit ihrem Trompetenspiel.
Zwischendurch werden neben ein paar gesungenen Liedern auch Töne und Erzählstimmen vom Band eingespielt.
All das ist so ordentlich gemacht, dass das Publikum im ausverkauften Haus begeistert applaudiert. Das bislang gezeigte Niveau erreicht die Aufführung trotz der großartigen Schauspielerinnen nicht.
Michael S. Zerban