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Foto © Christoph Krey

Zu viel gewollt

DIE WIDERSPENSTIGE
(nach William Shakespeare)

Besuch am
17. Juni 2019
(Einma­liges Gastspiel)

 

Shake­speare-Festival, Globe-Theater Neuss

Im Programmheft des Shake­speare-Festivals im Globe-Theater Neuss ist für diesen Tag Die Zähmung der Wider­spens­tigen mit einer kurzen Inhalts­angabe des Shake­speare-Stücks aufge­führt. „Wir wollen sehen, was die Bremer daraus machen“, schließt der kurze Text. Was die Company daraus macht, kündigt sie in ihrem Programmheft an. Regisseur Ralf Siebelt verwebt den Roman Die störrische Braut von Anne Taylor mit der Zähmung der Wider­spens­tigen.  „Dem sind wir nachge­gangen und haben eine zeitge­nös­sische Komödie formu­liert, eine Famili­en­ge­schichte, ein Frauen­schicksal. Shake­speares Original taucht darin als surreale Fanta­siewelt auf, als Alptraum, als verzerrte Welt. Aber auch als Möglichkeit, aus der realen Geschichte auszu­steigen, mit den Verhält­nissen, die einfach nicht mehr so sein dürfen wie vor 400 Jahren, zu spielen, sie zu überprüfen, sie auszu­stellen und anzuprangern“, sagt Simone Sterr, die gemeinsam mit Siebelt den Text für das neue Stück Die Wider­spenstige erarbeitet hat.

Die Bühne ist eine Mischung aus Privat­haushalt und Labor, die in die Bühnen­ver­hält­nisse des Globe-Theaters hinein­ge­presst wird. Am linken Bühnenrand ein Labor­tisch, ein Kühlschrank mit Mikro­welle obenauf, davor ein Schreib­tisch, über dem verschiedene Geräte, Infusi­ons­fla­schen, Leitungen und so weiter hängen. Rechts ist eine Kommu­ni­ka­ti­ons­station aufge­stellt, von der aus eine Art „Alexa“ angesprochen werden kann, Video­te­le­fonie möglich ist und nicht genau definierte Lichter blinken. Darüber hängt noch ein Sack, der sich später als Aufbe­wah­rungsort für ein Hochzeits­kleid entpuppen wird. Im Mittel­punkt ist ein Tisch aufgebaut, der eine Art Oberbühne darstellt. Hier findet also kein Theater im Globe statt, sondern der Bühnen­aufbau von der Premiere am 12. April im Theater am Leibniz­platz in Bremen wird in die Spiel­fläche einge­passt. Das kann man so machen, andere Ensembles bemühen mehr Fantasie, was die Anpassung an das Neusser Kleinod angeht. Heike Neuge­bauer ist für diese Bühne wie für die Kostüme verant­wortlich. Sie entscheidet sich für zeitge­nös­sische Kostüme – schließlich soll es ja eine zeitge­nös­sische Komödie werden – und findet raffi­nierte Lösungen für Käthchen, die zunächst im unför­migen Overall auftritt, um sich später in rotem T‑Shirt und noch später im Braut­kleid zu präsen­tieren. Und damit geht es in die neue Geschichte, die sich die Bremer ausge­dacht haben.

Foto © Christoph Krey

Käthchen ist eine frustrierte Studi­en­ab­bre­cherin ohne Beziehung Mitte 30, die sich für Paläo-Geografie inter­es­siert und sich um den Haushalt ihres Vaters kümmert, der als Professor die Immun­si­tuation von Mäusen erforscht. Mit im Haushalt lebt die 15-jährige Schwester Bibi, die ihren Freund und Nachhil­fe­lehrer Eddie mit durch­füttert. Dem russi­schen Assis­tenten des Vaters, Pjotr, droht die Ausweisung aus Deutschland. Deshalb soll Käthchen mit ihm eine Scheinehe eingehen. Als sie schließlich einwilligt, gerät alles vollends aus dem Ruder. Aber am Ende steht ein Ja. Siebert durch­mischt die Story mit Zitaten aus Der Wider­spens­tigen Zähmung, die durch das Licht von Torsten Ehlen, Kai Henkhus und Thomas Rechler, die auch für die Ton-Einspie­lungen zuständig sind – sehr unscharf aller­dings – abgegrenzt werden. Videos von Iris Holstein unter­stützen die Handlung eher marginal. Und so entsteht eine Szene, die zwischen Klamauk und Unver­ständnis schwankt. Albernes Boule­vard­theater wechselt mit Shake­speare-Theater, die Grenzen verwi­schen, Klamotte von Vegeta­riern, Übelkeit erregendem Essen und Klischees von Weltver­bes­serern verwässern die Botschaft, die eigentlich den Rollen­wechsel von Käthchen in der Jetzt-Zeit zeigen will. Das Lachen der Zuschauer versiegt allmählich, einige verlassen die Vorstellung vorzeitig.

Das liegt auch an der Leistung der Darsteller, die in all der Verwirrung selbst nicht mehr zurecht zu kommen scheinen. An die Haspler gewöhnt man sich, an die Vermi­schung der Szenen kaum. Den Persön­lich­keiten, die da auf der Bühne agieren, ist zu verdanken, dass man dem Abend zumindest auf Boulevard-Ebene etwas abgewinnen kann. Svea Meiken Auerbach überzeugt als Käthchen. Tim Lee muss mit dem Regie-Einfall leben, aus allen ü ein u zu machen, was er immerhin konse­quent verfolgt. Erik Rossbander mimt ordentlich den Vater. Simon Elias spielt ebenso engagiert wie Nora Rebecca Wolf den Revoluzzer.

Aus einem ernsten Thema eine Komödie entstehen zu lassen, hat immer schon zum Schwie­rigsten gehört, was ein Theater leisten kann. Hier ist es gründlich schief­ge­gangen. Slapstick, Kopula­ti­ons­auf­dring­lich­keiten, selbst wenn sie in Geschlechter-Rollen­wechseln statt­finden, und flache Dialoge tragen sicher nicht dazu bei, Shake­speare und sein Frauenbild kritisch zu hinter­fragen, auch wenn der Anspruch löblich ist. Und so bleibt der Applaus an diesem Abend auf höflichem Niveau.

Am kommenden Mittwoch steht King Lear von der Bremer Shake­speare Company auf dem Programm. Da ist zu hoffen, dass die Schau­spieler mehr Tiefgang geboten bekommen. Dass die Bremer das leisten können, steht außer Frage.

Michael S. Zerban

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