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Foto © N.N.

Mit leichtfüßigem Esprit und ritueller Strenge

DREAMERS/​PROCESS DAY
(Anton Lachky, Sharon Eyal)

Besuch am
24. Januar 2019
(Einma­liges Gastspiel)

 

Inter­na­tionale Tanzwochen Neuss, Stadt­halle Neuss

Seit 32 Jahren gehört das Scottish Dance Theatre zu den experi­men­tier­freu­digsten Tanzensembles der europäi­schen Szene. Dass es sich dabei extrem unter­schied­licher künst­le­ri­scher Ausdrucks­formen bedienen kann, beweist die Compagnie jetzt mit einem Gastspiel im Rahmen der Neusser Tanzwochen in der sehr gut besuchten Stadthalle.

Zwei Arbeiten aus den Jahren 2015 und 2016 stehen auf dem Programm, die sich zwar in diame­traler Gegen­sätz­lichkeit präsen­tieren, die dennoch beide ihre zentralen Bewegungs­muster aus einfachen, unspek­ta­ku­lären, geradezu alltäg­lichen Grund­formen entwi­ckeln. Der Slowake Anton Lachky entfaltet in Dreamers ein 30-minütiges Kalei­doskop mensch­licher Bezie­hungs-Verwick­lungen voller Spielwitz, Anmut und Lebens­freude. Sechs Tänzer und drei Tänze­rinnen binden zum Auftakt zu virtuos sprudelnden Klängen aus einer Violin-Partita von Johann Sebastian Bach in neun kurzen Solo-Episoden einen bunten Strauß an skurrilen Bewegungs­mustern, die trotz hoher techni­scher Ansprüche niemals ihre Leich­tigkeit verlieren. Dem Sturmlauf folgt zu Verdis Requiem ein zeitlu­penhaft langsamer und inten­siver Pas de Deux, der den Blick der Kreation allmählich auf gruppen­dy­na­mische Prozesse lenkt. Denn hinter der spiele­ri­schen Fassade entwi­ckelt sich ein abwechs­lungs­reiches, teils clownesk leicht­fü­ßiges, teils leicht bedrohlich anmutendes Spiel, in dem es um Dominanz und Unter­werfung, Nähe und Distanz, Macht und Ohnmacht geht. All das bewahrt zu den wunder­schönen Klängen von Haydn, Chopin und Vanhal einen hohen ästhe­ti­schen Reiz und behält durch augen­zwin­kernde ironische Brechungen seinen Optimismus.

Foto © Brian Hartley

Schwerere Kost bietet das israe­lische Team um die Choreo­grafin Sharon Eyal und den Techno-DJ Gaj Behar mit der 40-minütigen Studie Process Day. Noch konse­quenter als ihr slowa­ki­scher Kollege bezieht Sharon Eyal ihr Bewegungs­po­tenzial aus einfachsten Grund­mustern, in vielen Fällen sogar aus einem regungs­losen Still­stand. In extremer Langsamkeit bilden sich Forma­tionen, die immer wieder in Tänze von ritueller Strenge münden. Die Beharr­lichkeit, mit der die Choreo­grafin dieses Konzept durchhält, beein­druckt ebenso wie die immense Kondition des Ensembles, die die statische Bewegungs­armut den Tänzern abverlangt.

Auch die Geduld des Publikums wird auf eine harte Probe gestellt, so dass mancher Besucher voreilig das Weite suchte. Das Verständnis wird dabei weniger durch die Choreo­grafie erschwert, sondern vielmehr durch die Licht­regie und den akusti­schen Dauer­be­schuss. Auf der stark abgedun­kelten, oft zusätzlich einge­ne­belten Bühne sind die schwarz geklei­deten Tänzer meist nur schemenhaft zu erkennen, mitunter sogar nur zu erahnen, was auf Dauer anstrengend wirkt. Zudem lenken die lautstarken und sehr mecha­ni­schen Techno-Mixturen von Gaj Behar mit ihrer aufdring­lichen Präsenz nicht nur zusätzlich vom Bühnen­ge­schehen ab, sondern üben in ihrer Monotonie eine geradezu sinnes­dämp­fende Narko­ti­sierung aus.

Trotz der hohen Ansprüche beider Arbeiten reagiert das Neusser Publikum mit großem Beifall auf die exzel­lente Tanzkunst aus dem briti­schen Norden.

Pedro Obiera

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