O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
SUTRA
(Alonzo King)
Besuch am
21. Februar 2019
(Einmaliges Gastspiel)
Eine neue Erfahrung bei den Internationalen Tanzwochen Neuss: Auch hier gibt es Mittelmaß. Einige Besucher haben es vorausgesehen, und so dürfen viele Menschen auf die leergebliebenen Plätze nach vorn rücken, wovon sie auch reichlich Gebrauch machen. Trotzdem ist die Stadthalle gut besucht, wenn sich in der vorletzten Vorstellung der aktuellen Saison das Alonzo King Lines Ballet ankündigt. Dass der Abendzettel einen englischen Text anbietet, trägt sicher nicht zum Verständnis des Abends bei, ist aber keine Sparmaßnahme der Stadt Neuss, sondern einem unglücklichen Zufall geschuldet. Also Schwamm drüber.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Muss das Publikum an diesem Abend seinen eigenen Zugang zum Tanz finden. Der präsentiert sich zunächst gefällig. Unter dem Titel Sutra – darunter versteht man einen möglichst kurzen Merksatz im Hinduismus in Versform – lässt Alonzo King elf Tänzerinnen und Tänzer auf einer leeren Bühne antreten, die durch verschiedene Weißtöne im Licht von Dylan Phillips punktuell erhellt wird. Ausgehend vom Motiv des Kranichsprungs entwickelt der Choreograf allerlei Variationen, kombiniert sie mit Drehungen und Sprüngen, erlaubt nur gelegentliche Berührungen der Tänzer und erschafft so eine esoterisch wirkende Welt, die es dem Zuschauer gestattet, scheinbar unstrukturiert die Musik zu durchtanzen. Dazu hat Robert Rosenwasser die Tänzer in unspektakuläre, aber praktische, paillettenbesetzte Kostüme gesteckt. Wenn ein Choreograf sich so viel Minimalismus erlaubt, muss der Tanz schon eine besondere Ausdruckskraft bieten. Und in der Tat sind die Figuren und Bewegungen schön anzuschauen. Den Höhepunkt bildet eine Tanzrunde, in der Tücher wild in die Luft geworfen werden. Aber nach einer Dreiviertelstunde ist die Bewegungssprache dann auch ausgeschöpft, ist alles gezeigt, was zu zeigen war. Den Tänzern ist die Anstrengung anzusehen, im letzten Drittel tritt die eine oder andere Ungenauigkeit zutage. Und in der letzten Viertelstunde scheinen dem Choreografen die Ideen dann vollends auszugehen. Da stehen die Tänzer im Rund wie zum Ende einer Trainingseinheit, der eine oder andere schwingt sich noch einmal zu einer Wiederholung des eben Gezeigten auf. Wer darin tänzerische Meditation zu entdecken vermag, wird sich auch daran noch freuen können. Alle anderen lassen sich begeistert auf den Wellen der Musik weitertragen.

Aus den Lautsprechern erklingt das, was Zakir Hussain und Sabir Khan eigens für diese Choreografie komponiert haben. Die Klänge erinnern an das, was man dutzendfach in den 1980-er Jahren in den damals neu entstandenen Esoterik-Shops der Republik erwerben konnte, angereichert mit zeitgenössischen Klängen. Exotisch, eingängig und mit der typischen Monotonie durchtränkt, die diese Form der Musik so geeignet für Meditationen erscheinen lässt. Die Zuschauer, die zu diesem Klangerlebnis lieber die Augen schließen, erleben den Abend mit großer Freude.
Die große visionäre Kraft des Choreografen, die Alonzo King als Ruf vorauseilt, erschöpft sich bei dieser Aufführung relativ schnell, und so ist es wohl die Musik, die das Publikum nach eineinviertel Stunden zu wahrer und langanhaltender Begeisterung veranlasst. Und damit geht auch die Spielzeit der Internationalen Tanzwochen Neuss ihrem Ende entgegen. Mitte März soll sie dann mit einem Höhepunkt schließen. Dann steht die Paul Taylor Dance Company aus New York auf dem Programmzettel.
Die Kompagnie wurde 1954 von dem damals 24-jährigen Tänzer und Choreografen Paul Taylor gegründet und bis zu seinem Tod im Herbst vergangenen Jahres geleitet. Der Tänzer, bei Antony Tudor, Martha Graham und anderen Tanzikonen ausgebildet, war einer der charismatischsten Solisten bei Cunningham, Graham und Balanchine. Michael Novak, der die Nachfolge angetreten ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Erbe Taylors in einem rund 150 Stücke umfassenden Repertoire weiterzutragen. In Neuss können die Zuschauer das mit seinen Stücken Scudorama zur Musik von Clarence Jackson und Piazzolla Caldera zur Musik von Astor Piazzolla und Jerzy Peterburshsky in Kombination mit der neuen Choreografie Half Life von Doug Varone erleben.
Michael S. Zerban