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VIELFÄLTIGE LANDSCHAFTEN
(Wolfgang Amadeus Mozart, Wynton Marsalis, Edvard Grieg)
Besuch am
8. Juni 2025
(Einmalige Aufführung)
Der Blick aus dem Fenster am Sonntagmorgen sagt klipp und klar: Bleib liegen. Strömender Regen, Temperaturen, die mit Frühling herzlich wenig zu tun haben – da bleibt man im Bett und fährt nirgendwo hin, um ein Konzert zu erleben. Diejenigen, die dem ungemütlichen Wetter trotzen, werden zumindest beim Sonntagmorgenkonzert des 20. Inselfestivals auf der Insel Hombroich in Neuss belohnt. Mit der Anreise endet der Regen, sogar ein wenig Sonnenschein gibt es. Zu Recht, möchte man aus Sicht der Veranstalter sagen. Bereits seit Freitagabend läuft das zweijährlich stattfindende Festival. Julian Prégardien und Anna Gebhard eröffneten mit einem Liederabend, am Samstag glänzte Matan Porat mit einem Klavierkonzert in der Veranstaltungshalle der Raketenstation. Jetzt ist das Simply Quartet aus Wien zu Gast im Haus für Musiker. Wenn auch nicht in der Originalbesetzung, denn Violinist Danfeng Shen fällt aus. Sueye Park, die soeben den Sibelius-Wettbewerb in Helsinki gewonnen hat, springt ein und sorgt für formidablen Ersatz. So geben sich auch Geigerin Antonia Rankersberger, Bratschist Xiang Lyu und Cellist Ivan Valentin Hollup Roald bestens gelaunt.

Das Simply Quartet wurde 2018 als rein chinesisches Ensemble in Shangheit gegründet. 2012 übersiedelte es nach Wien, um sich am Joseph-Haydn-Institut der Universität für Musik und darstellende Kunst „intensiv mit der Essenz und dem Ursprung des Quartettspiels auseinanderzusetzen“. In der Folge erspielte das Quartett vier erste Preise bei Kammermusikwettbewerben und entfaltete eine rege Konzerttätigkeit, die bis heute anhält. Die Wiener haben ein vielversprechendes Programm mitgebracht, so dass der Konzertsaal im Untergeschoss des Hauses für Musiker, aufgrund seiner architektonischen Gestalt liebevoll „UFO“ genannt, bis auf den nahezu letzten Platz besetzt ist.
Eröffnet wird das Konzert mit dem Streichquartett Nr. 17 B‑Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Es trägt den irritierenden Titel Die Jagd. Klanglich passte eher ein An die Liebste, wenn es nach den süßlichen bis zärtlichen Stellen geht. Allerdings ist auch nicht gesagt, wer da gejagt wird … Dem Quartett jedenfalls gelingt es, die Anweisung Mozarts exzellent umzusetzen: „So lange feilen, bis das Schwere nicht mehr spürbar ist“. Das gilt auch für den folgenden Komponisten. Wynton Marsalis erlangte als Jazz-Trompeter einige Berühmtheit, geriet aber als Direktor der Jazz-Abteilung am Lincoln Center zunehmend in die Kritik. Verdienste erwarb er sich im Bereich der klassischen Musik unter anderem mit seinem ersten Streichquartett At the Octoroon Balls. Daraus tragen die Wiener Gäste den sechsten Satz Blue Lights on the Bayou, was man freundlich als eher meditativ bezeichnen könnte, und den fünften Satz Hellbound Highball vor. Mit dem Streichquartett beabsichtigte Marsalis, das Leben der Menschen in New Orleans zu beschreiben, insbesondere die Gegensätze und Kompromisse des amerikanisch-kreolischen Zusammenlebens in kultureller, sozialer und politischer Hinsicht. Und offenbar spielt darin auch die Eisenbahn eine wichtige Rolle. Es gelingt ihm, sie in Hellbound Highball durchdringend und variantenreich zu charakterisieren. Das bereitet nicht nur den Musikern trotz – oder gerade wegen – hoher virtuoser Anforderungen einen ziemlichen Spaß.

Dass Edvard Grieg im deutschen Konzertbetrieb immer noch viel zu sehr unterschätzt wird, beweist das Simply Quartett mit der wunderbaren Aufführung seines Streichquartetts Nr. 1 in g‑Moll. Da will nicht nur eine Besucherin einige Trolle im bisweilen programmatisch klingenden Spiel bemerkt haben. So geht das Konzert in bester Laune zu Ende, und das Publikum feiert die Streicher begeistert. Dass es nicht einmal ein Blümchen als Dankeschön gibt, ist nur ein kleiner Wermutstropfen.
Unglücklicher ist der Zeitplan des Festivals. Zwischen dem Konzert am Morgen und dem nächsten Konzert bleibt bis 16 Uhr ein zu großes Zeitfenster, um auf der Raketenstation zu bleiben. Also entweder eine zweimalige, wenn nicht gleich dreimalige Anfahrt an einem Tag – oder man belässt es bei dem einen Konzert. Das ist schade, weil am Nachmittag der Geiger Roi Shiloah zusammen mit dem Pianisten Matan Porat auftritt. Wiederum drei Stunden später gibt es noch einen A‑cappella-Auftritt von The Gesualdo Six.
Ähnlich verhält es sich am Pfingstmontag. Um elf Uhr tritt der Pianist Joseph Moog auf. Erst um 15 Uhr findet die beliebte Klangwanderung mit der Saxofonistin Asya Fateyeva und der Akkordeonistin Evelina Petrova statt. Um 17 Uhr trägt Magdalena Cerezo Falces Werke von Rolf Riehm und Georg Kröll vor, ehe ein erwartbar grandioses Finale mit dem neuerlichen Auftritt von Cuarteto Casals den Abschied vom diesjährigen Festival einläutet.
Michael S. Zerban