O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Süßlich, lustig, trollig

VIELFÄLTIGE LANDSCHAFTEN
(Wolfgang Amadeus Mozart, Wynton Marsalis, Edvard Grieg)

Besuch am
8. Juni 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Insel­fes­tival, Raketen­station, Haus der Musiker, Neuss

Der Blick aus dem Fenster am Sonntag­morgen sagt klipp und klar: Bleib liegen. Strömender Regen, Tempe­ra­turen, die mit Frühling herzlich wenig zu tun haben – da bleibt man im Bett und fährt nirgendwo hin, um ein Konzert zu erleben. Dieje­nigen, die dem ungemüt­lichen Wetter trotzen, werden zumindest beim Sonntag­mor­gen­konzert des 20. Insel­fes­tivals auf der Insel Hombroich in Neuss belohnt. Mit der Anreise endet der Regen, sogar ein wenig Sonnen­schein gibt es. Zu Recht, möchte man aus Sicht der Veran­stalter sagen. Bereits seit Freitag­abend läuft das zweijährlich statt­fin­dende Festival. Julian Prégardien und Anna Gebhard eröff­neten mit einem Lieder­abend, am Samstag glänzte Matan Porat mit einem Klavier­konzert in der Veran­stal­tungs­halle der Raketen­station. Jetzt ist das Simply Quartet aus Wien zu Gast im Haus für Musiker. Wenn auch nicht in der Origi­nal­be­setzung, denn Violinist Danfeng Shen fällt aus. Sueye Park, die soeben den Sibelius-Wettbewerb in Helsinki gewonnen hat, springt ein und sorgt für formi­dablen Ersatz. So geben sich auch Geigerin Antonia Rankers­berger, Bratschist Xiang Lyu und Cellist Ivan Valentin Hollup Roald bestens gelaunt.

Antonia Rankers­berger – Foto © Michael Zerban

Das Simply Quartet wurde 2018 als rein chine­si­sches Ensemble in Shangheit gegründet. 2012 übersie­delte es nach Wien, um sich am Joseph-Haydn-Institut der Univer­sität für Musik und darstel­lende Kunst „intensiv mit der Essenz und dem Ursprung des Quartett­spiels ausein­an­der­zu­setzen“. In der Folge erspielte das Quartett vier erste Preise bei Kammer­mu­sik­wett­be­werben und entfaltete eine rege Konzert­tä­tigkeit, die bis heute anhält. Die Wiener haben ein vielver­spre­chendes Programm mitge­bracht, so dass der Konzertsaal im Unter­ge­schoss des Hauses für Musiker, aufgrund seiner archi­tek­to­ni­schen Gestalt liebevoll „UFO“ genannt, bis auf den nahezu letzten Platz besetzt ist.

Eröffnet wird das Konzert mit dem Streich­quartett Nr. 17 B‑Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Es trägt den irritie­renden Titel Die Jagd. Klanglich passte eher ein An die Liebste, wenn es nach den süßlichen bis zärtlichen Stellen geht. Aller­dings ist auch nicht gesagt, wer da gejagt wird … Dem Quartett jeden­falls gelingt es, die Anweisung Mozarts exzellent umzusetzen: „So lange feilen, bis das Schwere nicht mehr spürbar ist“. Das gilt auch für den folgenden Kompo­nisten. Wynton Marsalis erlangte als Jazz-Trompeter einige Berühmtheit, geriet aber als Direktor der Jazz-Abteilung am Lincoln Center zunehmend in die Kritik. Verdienste erwarb er sich im Bereich der klassi­schen Musik unter anderem mit seinem ersten Streich­quartett At the Octoroon Balls. Daraus tragen die Wiener Gäste den sechsten Satz Blue Lights on the Bayou, was man freundlich als eher meditativ bezeichnen könnte, und den fünften Satz Hellbound Highball vor. Mit dem Streich­quartett beabsich­tigte Marsalis, das Leben der Menschen in New Orleans zu beschreiben, insbe­sondere die Gegen­sätze und Kompro­misse des ameri­ka­nisch-kreoli­schen Zusam­men­lebens in kultu­reller, sozialer und politi­scher Hinsicht. Und offenbar spielt darin auch die Eisenbahn eine wichtige Rolle. Es gelingt ihm, sie in Hellbound Highball durch­dringend und varian­ten­reich zu charak­te­ri­sieren. Das bereitet nicht nur den Musikern trotz – oder gerade wegen – hoher virtuoser Anfor­de­rungen einen ziemlichen Spaß.

Sueye Park – Foto © Michael Zerban

Dass Edvard Grieg im deutschen Konzert­be­trieb immer noch viel zu sehr unter­schätzt wird, beweist das Simply Quartett mit der wunder­baren Aufführung seines Streich­quar­tetts Nr. 1 in g‑Moll. Da will nicht nur eine Besucherin einige Trolle im bisweilen program­ma­tisch klingenden Spiel bemerkt haben. So geht das Konzert in bester Laune zu Ende, und das Publikum feiert die Streicher begeistert. Dass es nicht einmal ein Blümchen als Danke­schön gibt, ist nur ein kleiner Wermutstropfen.

Unglück­licher ist der Zeitplan des Festivals. Zwischen dem Konzert am Morgen und dem nächsten Konzert bleibt bis 16 Uhr ein zu großes Zeitfenster, um auf der Raketen­station zu bleiben. Also entweder eine zweimalige, wenn nicht gleich dreimalige Anfahrt an einem Tag – oder man belässt es bei dem einen Konzert. Das ist schade, weil am Nachmittag der Geiger Roi Shiloah zusammen mit dem Pianisten Matan Porat auftritt. Wiederum drei Stunden später gibt es noch einen A‑cap­pella-Auftritt von The Gesualdo Six.

Ähnlich verhält es sich am Pfingst­montag. Um elf Uhr tritt der Pianist Joseph Moog auf. Erst um 15 Uhr findet die beliebte Klang­wan­derung mit der Saxofo­nistin Asya Fateyeva und der Akkor­deo­nistin Evelina Petrova statt. Um 17 Uhr trägt Magdalena Cerezo Falces Werke von Rolf Riehm und Georg Kröll vor, ehe ein erwartbar grandioses Finale mit dem neuer­lichen Auftritt von Cuarteto Casals den Abschied vom diesjäh­rigen Festival einläutet.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: