O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

17. trifft 20. Jahrhundert

WEIHNACHTSKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
11. Dezember 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Deutsche Kammer­aka­demie Neuss in der Chris­tus­kirche, Neuss

Was ein Weihnachts­konzert ist, steht glück­li­cher­weise nirgendwo festge­schrieben. Und so veran­staltet jeder, was er will, immer besten­falls in dem Bestreben, den Besuchern ein vergnüg­liches, vielleicht besinn­liches Erlebnis zu bereiten. Um das zu erreichen, lädt die Deutsche Kammer­aka­demie Neuss ihre Besucher in die Chris­tus­kirche ein. Mit Auffüh­rungen in der Kirche ist das ja in der aktuellen Jahreszeit so eine Sache. Während es im Kirchen­schiff bei einem kalten Luftzug im Gesicht bleibt, werden die Besucher auf den Seiten­em­poren ihren Platz am Ende ziemlich durch­ge­froren verlassen.

Die Kirche ist ein Schmuck­stück. Seit 1906 steht sie auf einem ehema­ligen Friedhof, der 1880 aufge­lassen wurde. Entworfen hat sie im neoro­ma­ni­schen Stil Moritz Korn. Der Innenraum wird von einem Stern­ge­wölbe überspannt und ist durch gedrungene Arkaden gegliedert, auf denen die auf drei Seiten umlau­fende Empore ruht. Das verschafft der Kirche einen inter­es­santen und anhei­melnden Eindruck. Der Altarraum bietet ausrei­chend Platz für das dreizehn­köpfige Orchester, ein Cembalo und ein kleines Schlagwerk.

Luca Quinta­valle – Foto © O‑Ton

Seit vergan­genem Montag halten sich die Musiker in der Kirche auf. Vier Proben und eine General­probe müssen für ein spiele­risch durchaus anspruchs­volles Programm reichen. Damit das reibungslos vonstat­tengeht, hat die Deutsche Kammer­aka­demie Neuss den Dirigenten und Cemba­listen Luca Quinta­valle einge­laden. Gebürtig im italie­ni­schen Como, studierte er Klavier in seiner Heimat­stadt, absol­vierte dort auch seinen Master für Cembalo, ehe er sein Konzert­examen an der Folkwang-Univer­sität in Essen ablegte. Seither führt ihn seine Karriere quer durch die Welt, wenn er nicht gerade an der Folkwang oder an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf unter­richtet. Er lebt in Köln. Nun gelingt es ihm, das Orchester bestens vorzubereiten.

Das Programm entspricht nicht den gängigen Vorstel­lungen eines Weihnachts­kon­zerts. Statt­dessen steht eine Mischung von Musik aus dem 17. und dem 20. Jahrhundert auf dem Zettel. Vielleicht macht gerade das den Reiz aus, der dafür sorgt, dass kaum ein Platz heute Abend in der Kirche frei bleibt. Immerhin trägt schon mal das Eröff­nungswerk von Giuseppe Sammartini, das Concerto grosso in g‑Moll, den Titel Weihnachts­konzert. Das liegt am letzten Satz, der Pastorale. Eine Pastorale ist ein Hirten­gesang, meist in wiegendem Rhythmus und in Dur, denn die Engel berichten zunächst den Hirten von der Geburt Jesu Christi, die auf dem Feld wachen. Jedes barocke Musik­stück, das sich für Weihnachten eignen soll, beinhaltet eine Pastorale. Mit solcher Eröffnung verdient sich das Orchester erste Lorbeeren. Erstaunlich Quinta­valle, der vom Cembalo aus im Stehen dirigiert. Das erlebt man nicht alle Tage, wirkt aber sehr souverän.

Moritz Ter-Nedden – Foto © O‑Ton

Arvo Pärt gehört zu den beliebten Kompo­nisten der Deutschen Kammer­aka­demie Neuss. Man könnte böse sagen, dass Pärt wunderbar ist, weil er unter dem Etikett neuer Musik einge­ordnet werden kann, ohne jemandem wehzutun. 1977 kompo­nierte der Komponist aus Tallinn das Stück Fratres, also Brüder, das das Orchester in einem vom Kompo­nisten selbst verfassten Arran­gement aus dem Jahr 1991 spielt. Eine großartige Version, die durch den Einsatz des Schlag­werks ihre eigene Würze erhält. Da könnte man durchaus mehr als die zehn Minuten hören. Statt­dessen geht es zurück ins 17. Jahrhundert.

Angelo Ragazzi studierte Geige in Neapel und landete schließlich in Wien als Hofmu­siker Karls VI. Von ihm stammt die Sonata a quattro in G‑Dur, die als Streich­konzert den Vorteil der belie­bigen Besetzung bietet. Auch hier erklingt in den Sätzen Adora­zione und Canzona eine Pastrorale, die den Einsatz als Weihnachts­konzert recht­fertigt. Konzert­meister Moritz Ter-Nedden darf mit Soli glänzen.

Eher unstet verlief das Leben des zu seiner Zeit berühmten Kompo­nisten Georg Muffat. Als Schüler Arcangelo Correllis, dem eigent­lichen Begründer des Concerto grosso, sorgte Muffat dafür, dass die Konzert­gattung in Salzburg bekannt wurde. Auch heute Abend wird ein Concerto grosso aufge­führt. Es trägt den schönen Beinamen Propitia sydera, was günstige Sterne bedeutet. Für manchen Geschmack viel zu kurz fällt der Beitrag von Philip Glass aus. Echorus für zwei Solovio­linen und Streicher wurde 1994 als Bestandteil eines größeren Gesamt­pro­jekts über das Thema Mitgefühl kompo­niert, und Glass selbst sagte über seine Chaconne, sie verströme „Gefühle der Gelas­senheit und des Friedens“.

Zum Abschluss erklingt das Weihnachts­konzert Fatto per la notte di natale von Arcangelo Correlli selbst. Mit diesem Gruß der Weihnachts­bot­schaft geht ein ungewöhn­liches Weihnachts­konzert zu Ende, das die Vertreter der Kammer­aka­demie in wunder­barer Weise zu Gehör bringen. Ob das Orchester die Schwer­punkte in der Musik­auswahl richtig getroffen hat, mag man disku­tieren. Ebenfalls kann man darüber nachdenken, ob Quinta­valle es sich mit der Wieder­holung eines Satzes aus dem Muffat-Konzert als Zugabe nicht ein wenig zu einfach macht. Nein, es ist nichts vorge­schrieben bei einem Weihnachts­konzert. Aber der schöne Brauch, zum Abschluss gemeinsam ein Lied zu singen, entfaltet in einer Kirche noch einmal eine ganz besondere Wirkung. Da ist das Sahne­häubchen wohl im 17. Jahrhundert steckengeblieben.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: