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OPERA MELANCHOLICA
(Phil Glass)
Besuch am
4. Februar 2020
(Premiere am 19. Januar 2020)
Vor sechs Jahren startete in Den Haag das junge Musiktheater Opera2day, das seitdem etliche holländische und belgische Provinzen wie ein hiesiges Landestheater mit mehr oder weniger vergessenen älteren und möglichst innovativen zeitgenössischen Stücken versorgt. Dass man sich damit in Konkurrenz zur Nationalen Reisopera in Enschede begibt, vom Nederlands Muziektheater in Amsterdam ganz zu schweigen, schreckt die ehrgeizigen und wagemutigen Organisatoren nicht ab. Man bereist Städte, die sonst kaum in den Genuss einer professionellen Opernaufführung gelangen würden, hebt sich in der Programmgestaltung von den ohnehin wenigen etablierten Bühnen des Landes ab und versucht mit besonderem Engagement, junge Leute ins Theater zu locken.
Bereits im ersten Jahr errang man mit Luigi Cherubinis Médée in der französischen Originalsprache einen so großen Erfolg, dass man die Produktion auch in der darauffolgenden Saison in acht Städten zwischen Den Haag und Zwolle zeigen konnte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 2018 hob sich in Den Haag der Premierenvorhang zu Ambroise Thomas‘ erst in letzter Zeit wieder stärker beachteter Shakespeare-Oper Hamlet, die 25 Mal in diversen niederländischen und belgischen Städten gezeigt wurde.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Mit ihrem neuesten Projekt, der Opera Melancholica, tourt die Truppe derzeit ebenso häufig und intensiv durch die Niederlande von Den Haag bis Kerkrade. Das instrumentale Niveau des New European Ensembles hat internationales Format, das exzellente Gesangsensemble agiert auf gleicher Höhe und auch die szenische Realisierung zeugt von Fantasie und perfektem Handwerk. Den Kern des zweistündigen Projekts bildet Phil Glass‘ Oper The Fall of the House of Usher aus dem Jahre 1987 nach der Erzählung von Edgar Allan Poe. An sich hätte die glänzende Produktion des 70-minütigen Werks vollauf gereicht.
Diesmal wollte man aber offenbar mehr, wenn nicht zu viel. Denn bis zum Beginn des Schauermärchens muss man sich noch 45 Minuten gedulden und den niederländischen Redeschwall eines „ärztlichen Direktors“ über sich ergehen lassen. Soweit für einen deutschen Gast verständlich, erfuhr man etwas über Symbole wie Schlange und Drachen, die bei der Aufführung allerdings nicht mehr zu sehen waren, und etliche Schwätzchen mit ausgewählten Zuschauern sorgten für Heiterkeit. Warum auch immer.

Die Rolle des Arztes bereitete auf das Konzept der Inszenierung vor. Die Handlung siedelt Regisseur Serge van Veggel in einem beklemmend unheimlichen Anatomiesaal an, der von einem überdimensionalen Schädel beherrscht wird. In der Opera Melancholica geht es darum, in das Innere eines Hirns zu steigen, um die Ängste zu verstehen, die die Figuren Poes erschüttern. Die Handlung in Kürze: Der vereinsamte Roderick Usher bittet seinen ehemaligen Jugendfreund William, ihn in seinem unheimlichen Schloss zu besuchen. William erfasst angesichts der bedrohlichen Stimmung selbst Angstgefühle, die sich dramatisch steigern, als er den Wahnsinn Rodericks erkennt und erfahren muss, dass Rodericks Geliebte längst tot ist und lediglich noch im Hirn und der überdimensionalen Hornattrappe Rodericks herumgeistert.
Das alles ist in der großartigen, sogar mit einem dunkel schimmernden See ausgestatteten Kulisse von Herbert Janse eindringlich zu spüren, wozu die Lichtregie von Uri Rapaport ihr übriges beiträgt. Es wird so eindringlich gespielt, dass die an sich kühle Musik von Phil Glass in diesem Umfeld die Spannung sogar noch erhöht. Erstaunlich, drängen die minimalistischen Endlosschlaufen seiner Musik den Zuschauer doch sonst eher in eine distanzierte Perspektive.
Dabei entlocken die Instrumentalisten unter Leitung von Carlo Boccadoro den rotierenden Motiven so delikate Farbmischungen und Stimmungsnuancen, wie man sie von Glass nicht erwartet hätte. Und die drei Protagonisten wachsen geradezu über sich hinaus. So der Bariton Drew Santini als William und der Tenor Santiago Burgi als Roderick. Und Lucie Chartin lässt die Stimme der toten Madeline geradezu ätherisch schön erklingen. Auf der Bühne wird sie gestisch gedoubelt von der Tänzerin Ellen Landa vom Scapino Ballett Rotterdam.
Insgesamt eine so gelungene Inszenierung, dass man sich das ellenlange Vorspiel schenken könnte. Es stimmt fast alles, so dass zu detaillierte Verständnishilfen den Eindruck nur verwässern.
Pedro Obiera