O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Theater für die Stadt

FROM HORROR TILL OBERHAUSEN
(Falk Rößler, Nele Stuhler)

Gesehen am
11. Dezember 2020
(Premiere)

 

Theater Oberhausen

Derzeit ist viel in Bewegung im „Online-Theater“. Während Solo-Künstler immer noch zweifeln und zaudern, kommen die Insti­tu­tionen allmählich in Schwung. Vor allem Musik­theater-Liebhaber kommen auf ihre Kosten. Ob sie in histo­ri­schen Auffüh­rungen schwelgen oder sich einen Überblick über aktuelle Arbeiten der Opern­häuser machen wollen – sie haben ziemlich freie Auswahl. Und das meist kostenfrei, obwohl es inzwi­schen auch hier erste Versuche gibt, Erlöse zu erzielen. Dann gibt es mehr und mehr Häuser, die tatsächlich ihre Produk­tionen für den Online-Auftritt einrichten.

Einen Schritt weiter sind jetzt die Theater­gruppe Fux und das Theater Oberhausen gegangen, indem sie aus einer geplanten Theater­pro­duktion kurzerhand einen „Dokumen­tarfilm“ gemacht haben. Fux, das sind Falk Rößler und Nele Stuhler, die für Regie und Text zuständig sind. Ihre Ausgangsidee ist ja der Traum – fast – eines jeden Inten­danten: Theater für die Stadt zu machen. Aber woher kann man eigentlich wissen, was die Bürger einer Stadt wollen? Na ja, man muss sie fragen. Und zwar gründlich. In Einzel­be­fra­gungen. Anschließend kann man das Ergebnis in öffent­lichen Sitzungen zu einem idealen Theater­stoff verdichten, dem die Bürger zustimmen, um das Publikum „zu packen“. Immer wieder klingt dieser innige Wunsch durch. Spätestens, wenn man einen ganzen Spielplan erstellen muss, wird ein solcher Vorgang Illusion, aber im Film will das Kollektiv Panorama, so nennt sich die Schau­spiel­truppe, ja nur den einen Hit landen.

Bildschirmfoto

In zwei Stunden bekommt der Zuschauer Gelegenheit, die Produktion von der Befragung bis zum Schluss­vorhang zu verfolgen. Da in Oberhausen, Leipzig und Dresden gedreht wurde, wurde vielfach auf Origi­nal­schau­plätze verzichtet. Statt­dessen gibt es Hinter­grund­bilder aus der Green Box. Die Texte, die die Darsteller in der ersten Hälfte aufsagen, spielen – bisweilen klischeehaft – mit Fremd- und Selbst­wahr­nehmung der Theater­leute. Trotzdem kommt man hier und da nicht um ein Schmunzeln herum, etwa, wenn es darum geht, wer bei der Produktion das Sagen hat. Da ringt in so manchem die Idee des Kollektivs mit der eigenen Eitelkeit. Auch bei der Einschätzung der eigenen Fähig­keiten und des eigenen beruf­lichen Erfolgs gewinnt die Selbst­wahr­nehmung sehr stark die Oberhand. Aber es zieht sich etwas. Immerhin ist dem Zuschauer ja eine Aufführung der Geschichte von From Dusk Till Dawn im Gewand der Rocky Horror Show versprochen. Da sind anderthalb Stunden, bis man ans „Einge­machte“ kommt, schon recht lang. Auch wenn der Einfall, einen Kommissar Sommers zu instal­lieren, der dem „fahrenden Volk“ mit krimi­na­lis­ti­schem Ehrgeiz nachspürt, für heiteren Kurzweil sorgt.

Jost von Harleßem hat als Bühne verschiedene Räume ausge­macht. Die Werkstatt mit einem schrott­reifen Wohnwagen, die Bühne sowie die Maske bieten wunderbare Hinter­gründe für eine exzel­lente Kamera­führung, bei der von Harleßem von Nazgol Emami unter­stützt wird. Da gibt es abwechs­lungs­reich wirklich nahezu alles, was der Filmenthu­siast sich von einem solchen Werk wünscht. Natürlich sind die Kostüme, schon budget­be­dingt, weit von einer Rocky Horror Picture Show entfernt, aber vor allem im Auffüh­rungsteil lässt Kathi Sendfeld sich einiges Buntes einfallen.

Bildschirmfoto

Überhaupt ist mit dem Monolog Was ihr wollt, den Anna Polke brillant serviert, der Durch­bruch geschafft. Ab jetzt gibt es die verspro­chene Mischung der beiden Kultwerke. Hier kann die großartige Besetzung, die schon im ersten Teil außer­or­dentlich gut gefiel, noch einmal drauf­legen. Ob Torsten Bauer als Bernd respektive Jacob, Sharri Asha Crosson als Jeannette und später Seth oder Ronja Oppelt als Maren und Santanico, die das Kollektiv bilden – sie alle zeigen sich wunderbar authen­tisch, spiel­freudig und textsicher. Das gilt auch für Christian Bayer, Henry Morales und Florian Fiedler. Von letzterem als Intendant hätte man sich vielleicht eine Spur mehr Enthu­si­asmus gewünscht, aber dass es auch luschige Inten­danten gibt, ist keine neue Erfahrung. Als das Ensemble beim Blutbad-Boogie und damit endlich bei der Rocky Horror Show angekommen ist, nimmt auch die Musik Fahrt auf.

Jan Arlt, Tino Kühn, Nils Michael Weishaupt und Domenik Grabert müssen sich als Band Nasse Asche ebenfalls in der ersten Hälfte zurück­halten, um bei der Aufführung so richtig aufzu­trumpfen. Sie punkten mit deutschen Texten, schließlich soll ja ein Musical gezeigt werden, und musika­li­scher Vielfalt, die nicht mit Zitaten aus beiden Filmen spart, aber das Geschehen auch mit eigenen Einfällen abrundet.

Insgesamt ist hier eine großartige Produktion gelungen, die zeigt, dass Theater­leute sehr wohl in der Lage sind, ihr Publikum auch online zu begeistern. Und auch, wenn die Zuschauer nichts für den Genuss ein zweites Mal bezahlen müssen, haben doch alle Betei­ligten ihr Honorar dank öffent­licher Förderung erhalten. Dass sie auf die Anerkennung, zwar nicht in Form direkten Applauses vor der Bühne, aber doch nicht verzichten müssen, wird auch daran liegen, dass der Film noch bis Jahresende zu sehen sein wird. Wenn aller­dings die Kommen­tar­funktion zum Film deakti­viert wird, wird es auch mit dem virtu­ellen Applaus schwierig.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: