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Der Handschlag des Mörders

UN BALLO IN MASCHERA
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
5. Januar 2020
(Premiere am 7. Dezember 2019)

 

Olden­bur­gi­sches Staatstheater

Liebe, Hass, Eifer­sucht und Macht­ge­lüste sind die wichtigsten Zutaten, aus denen sich die Handlung vieler roman­ti­scher Opern speist. Wenn dann noch passende reale Ereig­nisse wie z.B. die Ermordung des schwe­di­schen Königs Gustav III. im März 1792 hinzu­kommen und ein verquaster Ehrbe­griff die Gehirne vernebelt, dann  ist „tödlicher Hass oft schneller als die Liebe“ und das Stilett oder die Pistole schneller zur Hand als das kühle, klärende Argument.

Die intri­gen­reichen Stoffe aus dem Leben der adeligen Höfe in Europa bieten Antonio Somma für sein Libretto und Guiseppe Verdi für eine gefühl­volle und kontrast­reiche Musik reichlich Stoff und Emotionen, die sie zu einem Melodrama, zu der Oper Un Ballo in Maschera – Ein Maskenball – motivieren, zu einem Singspiel voller Intrigen und Emotionen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Ein lebens­froher Empfang bei dem fiktiven Herrscher Riccardo gerät zu einem Gemisch von Liebes­spielen, Eifer­süch­te­leien, Rache­ge­lüsten und Intrigen, bei dessen Ende der Herrscher Opfer seiner undurch­sich­tigen Gäste wird – er wird ermordet. Ausge­rechnet der langjährige Freund Renato des Herrschers muss in Riccardo einen Neben­buhler erkennen, der seiner Frau Amelia nachstellt, er drückt ab. Damit erfüllt sich entgegen aller Erwar­tungen eine Prophe­zeiung der Wahrsa­gerin Ulrica, die Riccardos baldiges Ende durch die Hand eines Freundes voraussagt.

Dieses Liebes- und Eifer­suchts­drama haben Rodula Gaitanou und der Bühnen­bildner Simon Corder mit einem mehrfach genutzten Bühnenbild zeitnah insze­niert. Goje Rostrup hat die Kostüme ebenfalls angepasst, kann jedoch vor allem beim Maskenball mit Farben und Glitzer­ef­fekten aus dem Vollen schöpfen. Wallend-bunte Kleider geben der Wahrsa­gerin Ulrica ein schemen­haftes Erscheinen, das durch die Kontrast­stimme im Alt verstärkt wird. Die Ganoven­gruppe, Teil des Chores, erscheint meist schwarz und mit Baseball-Kappen, die Figuren des Masken­balls bei Riccardo treten auf wie bei einer fürst­lichen Modenschau.

Foto © Stephan Walzl

Verdis Musik prägt die Oper mit zarten, weichen Melodie­bögen ebenso wie durch überra­schende Schlag­werk­in­ter­mezzi, die mit ihren „fff“-Passagen manchen Zuhörer aufschrecken. Die Rollen sind stimmlich bestens besetzt, wobei vor allem Lada Kyssy mit hohem, leuch­tendem Sopran und Martyna Cymerman kolora­tur­sicher hohe Lagen meistern und die Wahrsa­gerin Ulrica von Maiju Vaahto­luoto sympha­tisch verwischt und mit sonorer Stimme über die Bühne weht. Daneben bleiben die Herren­rollen des Riccardo, Tenor, und des Renato, Bariton, obwohl technisch sauber in ihrem musika­li­schen wie darstel­le­ri­schen Ausdruck eher blass. Der Opern- und Extrachor des Olden­bur­gi­schen Staats­theaters ist ein zuver­läs­siger Hinter­grund, und das Staats­or­chester folgt Hendrik Vestmanns Inter­pre­tation mit großer Aufmerk­samkeit. Vestmann setzt die vor allem mit Schlagzeug und Blech­bläsern kompo­nierten Akzente mit großer Wucht und gibt den leiden­schaft­lichen Wendungen der Handlung das gewünschte musika­lische Gewicht. Hervor­ge­hoben zu werden verdienen mehrere Duett- und Terzett-Szenen, die durch melodische Harmonie und gute rhyth­mische Abstimmung Höhepunkte setzen.

Die inzwi­schen inter­na­tional arbei­tende Regis­seurin Rodula Gaitanou sieht in Verdis Maskenball „ein politi­sches Stück“, das in der Figur des Riccardo die ständigen Konflikte zwischen „privaten Leiden­schaften und öffent­lichen, gesell­schaft­lichen Verpflich­tungen“ textlich und musika­lisch akzen­tuiert. Verdis Oper wird häufig, vor allem mit Bezug auf den als exzen­trisch geltenden König Gustav III. als politi­sches Stück gesehen. Wer sich in der gegen­wär­tigen Politik­szene umschaut, wird ohne Mühe nicht nur einen „exzen­tri­schen“ Macht­haber finden, um den herum sich Intri­gen­netze spinnen und die sich gegen­seitig bedrohen. Ob das reicht, aus Verdis melodra­ma­ti­schem und kontrast­reichem Werk ein „politi­sches“ Stück zu machen, sei dahin­ge­stellt. Mit der Insze­nierung des Ballo in Maschera hat das Olden­bur­gische Staats­theater eine sehens­werte Aufführung präsen­tiert, der – nach einem etwas müden Anlauf an einem Sonntag­nach­mittag – das Publikum den verdienten, langan­hal­tenden Schluss­beifall zollt.

Horst Dichanz

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