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Alles Gefoppte – alle Gewinner

FALSTAFF
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
22. Oktober 2019
(Premiere)

 

Theater Osnabrück

Ein Engländer, ein Franzose, ein Deutscher und ein Schotte befinden sich in einem abstür­zenden Flugzeug. Es gibt nur einen Fallschirm. Lobes­hymnen auf ihre Vater­länder ausrufend, springen der Deutsche und der Franzose freiwillig ohne den rettenden Schirm aus dem Flugzeug. Der Engländer und der Schotte blicken ihnen gerührt nach. Ersterer ruft: „Zum Wohle Englands“ und schmeißt den Schotten raus.

Dieser uralte Witz drängt sich unwill­kürlich auf, wenn am Theater Osnabrück der alte Sir John Falstaff – in einen hinreißend schot­ti­schen Kilt gekleidet – in die Themse geworfen wird. Sie sind – wie man so schön sagt – „not amused“  über die plumpen Annähe­rungs­ver­suche des korpu­lenten Falstaff. Die Geschichte von den lustigen Weibern von Windsor in der Version von Verdi und Boito ist bekannt, und Regis­seurin Adriana Altaras verändert auch nichts daran, außer sie durch Bühnenbild und Kostüme ein wenig näher an die Gegenwart heran­zu­rücken. Der leicht variable Einheits­büh­nenraum von Etienne Pluss und Sibylle Pfeiffer stellt das Gasthaus „Zum Hosen­bande“ mit einer gräss­lichen Tapete dar. Hier herrscht ein Kommen und Gehen und mit Requi­siten wird nicht gegeizt.  Hier wird sich in Nischen und Ecken versteckt, gegessen, getrunken und geflirtet, und dabei sehen die Darsteller in den unter­schied­lichsten Kostümen von Nina Lepilina großartig aus, die sich wirklich in alle Stilrich­tungen der modernen Mode austobt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Altaras wiederum bedient alle Formen des Humors. Da wird der britische Slapstick auch schon mal richtig albern einge­setzt – aber im Rahmen des guten Geschmacks. Das wichtigste dabei ist, dass sie immer mit der Musik zusam­men­ar­beitet, ohne je in das Klischee zu verfallen, dass jede Pointe auf einen bestimmten Ton fallen muss. Auf diese Art und Weise entsteht ein unglaublich unter­halt­samer, leben­diger und kurzwei­liger Abend, in dem auch dieser Hauch von Melan­cholie durch­blitzt, den ein Falstaff haben muss.

Die Sänger wiederum setzen ihre tempo­reiche Perso­nen­führung mit Elan um, und wenn der Eindruck nicht täuscht, haben sie selbst noch knapp einen Monat nach der Premiere einen Riesenspaß dabei. Die Besetzung kommt ohne einen Ausfall daher, und selbst wenn mal der eine Ton oder die andere Phrase nicht ganz gelingt, muss man doch attes­tieren, dass alle Sänger ihren Rollen gewachsen sind. Mit prallen Stimmen verkörpern Yohan Kim und José Gallisa Bardolfo und Pistola. Mark Hamman gibt dem Dr. Cajus die passende grelle Farbe. Mit hell timbriertem Bariton, der zu wutschnau­benden Eifer­suchts­an­fällen fähig ist, begeistert Jan Friedrich Eggers als Ford. Daniel Jenz springt als Fenton ein und zaubert eine klare und feinsinnige Legato-Linie über das wild durch­ein­ander plappernde Männerquartett.

Foto © Jörg Landsberg

Er und die Nanetta von Erika Simons sind der lyrische Ruhepunkt der Produktion. Die Sopra­nistin setzt ihren eigenen kleinen Höhepunkt in ihrer Arie im vierten Akt. Auch die drei anderen lustigen Weiber lassen keine Wünsche offen. Olga Privalova macht neugierig auf weitere Aufgaben am Theater Osnabrück. Dem Spielwitz der Alice Ford wird Jessica Rose Cambio mit einem frei ausschwin­genden Sopran gerecht. Ihre unfor­cierte Stimme gibt ebenfalls eine schöne Oberstimme in den Ensembles. Mit wunder­barer Mimik und einem satten Mezzo­sopran ist Nana Dzidziguri als Mrs. Quickly eine echte Entdeckung.

Bleibt noch Rhys Jenkins, dem die Titel­partie geradezu auf dem Leib geschneidert zu sein scheint. Sein agiler und kräftiger Bariton verströmt genau diesen spezi­ellen Charme, den ein Falstaff versprühen muss und passt zu seinem schel­mi­schen Grinsen. In Andreas Schön hat er einen fast stummen, aber darstel­le­risch begeis­ternden Begleiter auf Augenhöhe neben sich auf der Bühne. Denn das hochge­wachsene Chormit­glied legt den Wirt des Gasthauses mit der richtigen Mischung aus britisch-steifer Attitüde und entglei­sender Mimik an. Der Chor, von Sierd Quarré einstu­diert, könnte an den entschei­denden Stellen noch etwas an Kraft zulegen. Denn auch das Osnabrücker Sympho­nie­or­chester darf zu seinem 100. Geburtstag unter der Leitung von Andreas Hotz auch mal richtig aufge­bläht den Falstaff raushängen lassen. Das ist schon ein gehöriges Pfund Musik, das die Musiker mit Begeis­terung stemmen. Im nächsten Augen­blick zwitschern die Instru­mente wie eine italie­nische Belcanto-Nachtigall. Das macht richtig Freude, hier zuzuhören und zuzusehen.

So sieht es auch das Publikum, das durch die zahlreichen Pointen und die Unter­titel bestens unter­halten wird. Die gute Stimmung nimmt dann nach der Pause etwas überhand, denn viele Gespräche werden gutge­launt weiter­ge­führt. Leider verschlägt es dann zum Schluss­ap­plaus den meisten die Stimme. So gut wie keine Bravorufe sind in einem sonst sehr kräftigen Schluss­ap­plaus zu hören. Da sind selbst die Sänger etwas überrascht. Sie mögen zwar am Ende die Feststellung getroffen haben Tutto gabbati – Alle sind gefoppt. Aber letzt­endlich gibt es an diesem Opern­abend nur Gewinner.

Rebecca Hoffmann

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