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Foto © Stefan Brion

Schön, aber selten

ARMIDE
(Christoph Willibald Gluck)

Besuch am
5. November 2022
(Premiere)

 

Opéra Comique, Paris

Die Oper Armide ist die fünfte jener „Reform­opern“ Glucks, in denen er durch einen neuen musika­li­schen Stil die überlebte Form der Opera seria à la Metastasio durch ein neues, leben­di­geres Musik­drama zu ersetzen trachtet. Oder wie Hans Renner es ausdrückt, „er reinigte sie von modischen Zutaten und suchte sie in schlichter Sprache zu erneuern. Seine Gestalten sind Menschen, verstrickt in echte Konflikte, getrieben von echten Leiden­schaften.“ Doch je erfolg­reicher seine Opern sind, desto mehr schaffen sie ihm auch leiden­schaft­liche Wider­sacher. Mit der Oper Armide, die 1777 in Paris zur Aufführung gelangt, erlebt der eigen­artige Zwist der Piccin­nisten um den Opern­kom­po­nisten Nicola Piccinni, der die tradi­tio­nelle italie­nische Oper vertritt, gegen die Gluckisten der Reformoper seinen Höhepunkt, bis er schließlich im Sande versi­ckert, weil keine Partei wirklich als Sieger hervorgeht. Parado­xer­weise wählt Gluck diesmal nicht ein neues, modernes Libretto, sondern greift auf das alte Textbuch nach Torquato Tasso zurück, das Philippe Quinault fast ein Jahrhundert zuvor für Jean Baptiste Lullys gleich­namige Oper geschrieben hatte. Es ist die mythische Geschichte der Zauberin Armide, die zur Zeit der Kreuzzüge den gefürch­teten Kreuz­ritter Renaud bezwingen will, dann jedoch in Liebe zu ihm entbrennt. Trotzdem sie alle Dämonen der Hölle, darunter den Geist des Hasses, zu Hilfe ruft, ist sie unfähig, ihren Feind zu töten. Renaud hingegen, als seine Mitstreiter ihn finden und ihm den Spiegel vorhalten, gelingt es, sich von ihrem Liebes-Zauber zu befreien.

Foto © Stefan Brion

Regis­seurin Lilo Baur hat es sich zur Aufgabe gemacht, den inneren Konflikt der Titel­heldin, aber auch die besondere Macht­fülle Armides hervor­zu­heben. Die Macht nicht nur einer Zauberin, sondern auch einer herri­schen Kriegerin. Die Macht einer Frau, die das Leben erfahren, eine Vielzahl von Männern kennen­ge­lernt und unter­worfen hat. Die auch die Ehe zurück­ge­wiesen hat. Bis sie sich zum ersten Mal verliebt und diese Liebe sie ohnmächtig macht.

Und Baur hält Wort. Ihre Perso­nen­regie ist wirksam – ihre Darsteller sind lebendig und glaubhaft in all ihren Freuden und Leiden. Darüber hinaus beschert sie uns eine Zauber-Märchen­at­mo­sphäre, in der sich Moderne, Romantik und Orien­ta­lismus unbekümmert und erfolg­reich mischen. Bruno de Lavenères Bühnen­bilder beschränken sich weitgehend auf einen uralten, knorrigen Baum, der je nach Szene kahl oder belaubt ist, vor einer roman­ti­schen Abend­licht-Landschaft, die der Stimmung entspre­chend von Laurent Castaingt mehr oder minder drama­tisch oder heimelig beleuchtet ist. Die Kostüme sind teils orien­ta­lisch, teils ritterhaft nachemp­funden, teils Fantasie-Verklei­dungen für Natur-Geister oder Dämonen und farblich gut aufein­ander und auf den Hinter­grund abgestimmt. Mit einer guten Choreo­grafie ist die Bühne in fast stetiger Bewegung, wobei die Tänzerin Mai Ishiwata und die Tänzer Fabien Almakiewicz und Nicolas Diguet eine wichtige Rolle spielen.

Foto © Stefan Brion

Der unumschränkte Stern des Abends ist zweifellos Véronique Gens, die souverän mit kräftigem, klang­vollem Sopran als Armide großartig die Szene beherrscht, wie am Anfang des dritten Akts, hin und herge­rissen zwischen ihrer Liebe und ihrer Bestimmung: Ah! si la liberté me doit être ravie. Und dann wieder ohnmächtig-wütend und hochdra­ma­tisch in der Schluss­szene der Oper: Le perfide Renaud me fuit! Ihr gegenüber singt Ian Bostridge, edel und etwas steif, den Ritter Renaud mit sehr inten­sivem, sorgfältig artiku­liertem Tenor. Er steht mit seiner lyrischen Arie Plus j’observe ces lieux et plus je les admire im Mittel­punkt des musika­lisch wie auch szenisch sehr stimmungs­vollen bukoli­schen zweiten Akts der Oper, umgeben von Dämonen in Gestalt von Schäfern und Nymphen. Edwin Crossley-Mercer erscheint würdevoll und mit Komman­do­stimme gleich zu Beginn des ersten Akts als Armides Onkel Hidroat, der König von Damaskus, und fordert sie auf, sich zu verhei­raten Armide, que le sang qui m’unit avec vous, eine Idee, die sie jedoch strikt ablehnt. Sehr eindrucksvoll und hochdra­ma­tisch, wenn auch nicht sehr erschre­ckend der Auftritt im dritten Akt Je réponds à tes voeux des Mezzo­so­prans Anaïk Morel als der Geist des Hasses.

Bezau­bernd anzusehen and anzuhören sind wie zwei Zwillings­schwestern als Armides junge Gefähr­tinnen Sidonie und Phénice, Florie Valiquette und Apolline Raï-Westphal. In den Rollen der Zauber­geister Mélisse und Lucinde versuchen sie, im vierten Akt Ubalde und den dänischen Ritter zu verführen, die aber durch ihr Zauber­zepter dieser Umgarnung gerade noch entkommen. Sie werden hier mit jugend­lichem Feuer von Philippe Estèphe und Enguerrand de Hys gesungen und gespielt.

Zu erwähnen sei noch der in verschie­denen Verklei­dungen fast immer auf der Bühne anwesende, von Joël Suhubiette gut einstu­dierte Chor Les éléments.

Chris­tophe Rousset ist als Dirigent für Solisten, Chor und sein Orchester Les Talens Lyriques mit Schwung und Umsicht allge­gen­wärtig, wenn auch diesmal nicht am Cembalo, sondern ausschließlich am Dirigen­tenpult, denn Gluck hat alle Rezitative durch­kom­po­niert, um die drama­tische Wirkung der Handlung durch das Orchester noch zu steigern.

Wie fast immer, hat auch diesmal die Opéra Comique nicht enttäuscht. Das Publikum bedenkt die Ausfüh­renden mit begeis­tertem Beifall für diese zu Unrecht relativ selten gegebene Oper.

Alexander Jordis-Lohausen

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