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Foto © Stefan Brion

Zauberhaft

ARMIDE
(Jean-Baptiste Lully)

Besuch am
17. Juni 2024
(Premiere)

 

Opéra Comique, Paris

Im Jahre 1653 wird Jean-Baptiste Lully vom jungen Ludwig XIV zum könig­lichen Hofkom­po­nisten ernannt. Inzwi­schen sind 33 Jahre vergangen. Während der Zeit hat Lully als unumstrit­tener Meister alle musika­li­schen Auffüh­rungen bei Hof geprägt und alle Konkur­renten aus dem Feld geschlagen. Vor allem er hat neben der italie­ni­schen nun auch eine franzö­sische Oper geschaffen. Doch der König ist jedoch, und besonders seit seiner morga­na­ti­schen Ehe mit der bigotten Madame de Maintenon, prüde und noch unduld­samer geworden. Lullys Homose­xua­lität geht ihm auf einmal sehr gegen den Strich. Lully fällt in Ungnade. Die eben noch bestellte Oper Armide – das Textbuch stammt von seinem langjäh­rigen Textdichter Philippe Quinault nach einem Text von Torquato Tasso – kommt zwar noch zustande.  Und die Oper wird ein großer, anhal­tender Erfolg, aber in Abwesenheit des Königs. Es ist Lullys letzte Oper sein. Er stirbt ein Jahr nach der Urauf­führung, Quinault im darauf­fol­genden Jahr. Es ist das Ende einer Ära.

Foto © Stefan Brion

Die Oper hält sich auch während des 18. Jahrhun­derts auf der Bühne. „Die Oper Armide ist Lullys Meisterwerk und der Monolog der Amide ist das Meister­stück der Oper!“ begeistert sich Denis Diderot. Diese Begeis­terung ist nicht erstaunlich, dann das Werk ist szenisch und vor allem musika­lisch von reicher Vielfalt und durch­läuft besonders im zweiten Akt von Wut und Hass über Betrof­fenheit und Hilflo­sigkeit bis hin zu Liebe und Leiden­schaft so ziemlich alle mensch­lichen Stimmungen. Ganz zu schweigen von der großan­ge­legten Passa­caille für Solisten, Chor und Orchester im fünften Akt. Erst Glucks neue Vertonung desselben Textbuchs im Jahre 1777 lässt Lullys Werk bis zum Anfang des 20. Jahrhun­derts in der Versenkung verschwinden.

Nach der üblichen Huldigung des Königs – hier von zwei allego­ri­schen Figuren, Ruhm und Weisheit – erzählt das Textbuch die mythische Geschichte der orien­ta­li­schen Zauberin Armide, die sich von keiner Macht unter­werfen lässt, schon gar nicht von einer männlichen. In einer Schlacht zur Zeit der Kreuzzüge will sie vor allem den gefürch­teten Kreuz­ritter Renaud bezwingen. Als sie ihn jedoch mit Hilfe von Dämonen in ihre Gewalt gebracht hat, entbrennt sie in Liebe zu ihm. Und obwohl sie alle Dämonen der Hölle, darunter den Geist des Hasses, zu Hilfe ruft, ist sie unfähig, ihre Liebe zu Renaud abzutöten. Durch Armides Zauber­mittel ist auch Renaud in blinder Liebe zu ihr entflammt. Erst als seine Mitstreiter ihn finden und ihm einen ernüch­ternden Zauber-Spiegel vorhalten, gelingt es ihm, sich von ihrem Liebes­zauber zu befreien und sie zu verlassen. Als Armide nicht mehr gelingt ihn zurück­zu­halten, schwört sie wilde Rache und entflieht.

Eineinhalb Jahre nach der Aufführung von Glucks Oper Armide, bringt die Opéra Comique nun auch die ursprüng­liche Vertonung Lullys auf die Bühne. Und wieder ist es Chris­tophe Rousset, der die musika­lische Leitung und Lilo Baur und ihr Team, die die Insze­nierung übernehmen. Doch Baurs Sicht ist hier eine andere, so wie sie auch ihre Protago­nisten verändert hat. Die edle Ästhetik in der Gluck-Insze­nierung weicht rauen, einfa­cheren Bildern. Doch ist in Bruno de Lavenères Dekor der weitver­zweigte Baum geblieben als Symbol der von Armide beherrschten und verzau­berten und meist nächt­lichen Natur, die die Tänzer in den erstaun­lichsten Formen als Felsen oder rieselnde Bäche ergänzen. Armide ist weniger Prinzessin als rebel­lische, zaubernde Feministin, aus dem roman­tisch-melan­cho­li­schen Renaud wird ein herri­scher, autori­tärer Kriegsherr. Alain Blanchots Kostüme sind meist weit und unförmig, schwarz oder grau mit roten Zwischen­tönen. Der Chor und ein sehr gutes Tanz-Team gehen gemeinsam, laufen, winden und verrenken sich, wehen wie im Wind in kompli­zierten Ausdrucks­tänzen und halten die Bühne, nicht nur während der Ballette, in fast ständiger Bewegung. Cláudia de Serpa Soares‘ Choreo­grafie ist nicht immer, aber manchmal sehr stimmungsvoll, wie in der sehr pasto­ralen, nächt­lichen Schlaf­szene Renaults, umgeben vom wachen Geistern mit Lichtern in der Hand, oder auch in der Schauer-Szene, in der die dunkel verschlei­erten, bösen Geister des Hasses wie Erinnyen Armide die Liebe austreiben wollen.

Foto © Stefan Brion

Ambroisine Bré durch­läuft eindrucksvoll, mit großer Ausdrucks­kraft dekla­mierend, schau­spie­le­risch und stimmlich die ununter­brochen wechselnden Stimmungen der Armide. Von der Sieges­ge­wissheit Enfin, il est en ma puissance im zweiten Akt, über die zwiespältige Liebe Ah! Si la liberté! im dritten Akt bis zum wilden Rache­schwur am Ende der Oper Le perfide Renaud me fuit! Ihr gegenüber ist Cyrille Dubois der meist eher perplexe Renaud. Noch sehr kriege­risch in seinem Auftritts-Monolog Par une heureuse indif­fe­rence im zweiten Akt, verfällt er bald dem Zauber, in dem ihm alles sehr merkwürdig vorkommt, in dem nur noch die Liebe zu Armide zählt, bis er am Schluss der Oper wieder zu sich kommt: Armide, il est temps que j’évite. Hidraot, Armides ehrwür­diger Onkel, ist mit gedie­gener Bariton­stimme Edwin Crossley-Mercer. Vergeblich versucht er gleich zu Beginn der Oper, seine wider­spenstige Nichte dazu zu bewegen sich zu verhei­raten: Armide, que le sang qui m‘unit avec vous. Anas Séguin ist ein eher sympa­thisch ausse­hender Geist des Hasses, der im dritten Akt mit sonorem Bass sehr darüber verärgert ist, dass Armide schließlich auf seine Hilfe verzichtet, N’implore-tu mon assis­tance que pour mépriser ma puissance? Sehr hübsch anzusehen and anzuhören sind Armides junge Gefähr­tinnen Sidonie und Phénice, darge­stellt von Florie Valiquette und Apolline Raï-Westphal, die in den Rollen der Zauber­geister Mélisse und Lucinde im vierten Akt sehr komisch und verfüh­re­risch versuchen, Ubalde und den dänischen Ritter zu umgarnen, die aber durch ihr Zauber­zepter der Umgarnung gerade noch entgehen. Letztere sind sehr glaubhaft durch Lysandre Châlon und Enguerrand de Hys verkörpert. Abel Zamora ist der reiche Liebhaber.

Musika­lisch scheint Chris­tophe Rousset Lully entschieden eine seiner vordring­lichsten Lebens­auf­gaben geworden zu sein. Er hat fast alle der dreizehn tragédies musicales von Lully dirigiert und aufge­nommen. So ist er auch hier ganz in seinem Element und leitet vom Cembalo aus sein ausge­zeich­netes Ensemble Les Talents Lyriques, den kraft­vollen Kammerchor Les eléments sowie die Solisten mit der präzisen und mitrei­ßenden Maestria, die man von ihm gewohnt ist.

Das Publikum ist sehr zufrieden.

Alexander Jordis-Lohausen

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