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Ganz modern und doch nicht ganz

BÉRÉNICE
(Michael Jarrell)

Besuch am
2. Oktober 2018
(Premiere am 29. September 2018)

 

Opéra national de Paris, Palais Garnier

Dieses Jahr hat der Schweizer Komponist Michael Jarrell Jean Racines Drama von 1670 Titus et Bérénice, von der jüdischen Königin und  Geliebten des römischen Kaisers Titus, die er aus politi­schen Gründen verstößt, modern vertont, und Claus Guth hat es modern insze­niert. Der Komponist erklärt, er habe großen Respekt gegenüber den Texten seiner Opern. Schon in der Vertonung eines anderen antiken Themas, Christa Wolfs Kassandra, das 1994 in Paris urauf­ge­führt wurde, hat er der Haupt­dar­stel­lerin eine Sprech­rolle belassen, um den Text nicht durch Musik zu verfäl­schen. Hier singt Bérénice zwar, aber die musika­lische Unter­malung hält sich strikt an die Metrik der Alexan­driner. Der Komponist hat aber das Drama auf eine eineinhalb Stunden lange Darbietung ohne Pause verkürzt.

Nach eigener Aussage versucht Claus Guth in seiner Insze­nierung nicht, die histo­rische Königin von Judäa auf die Bühne zu stellen, sondern eine zeitge­nös­sische Frauen­figur, die aus sozialen, religiösen und ethni­schen Gründen ein tragi­sches Schicksal erleidet. Seine moderne minima­lis­tische Insze­nierung  will sich der konzisen, präzisen Sprache Racines anpassen, eine Sprache, die, wie auch er sagt, in dieser Oper eine große Rolle spielt, sodass die Sänger sich ebenso auf das Wort wie auf die Musik konzen­trieren müssen. „Für sie war es eine höchst kompli­zierte Arbeit, sehr auf die Worte konzen­triert. Die Worte sind sehr wichtig. Und die Musik dieses Werks zu lernen war ein Alptraum … Nach drei Stunden Proben waren alle völlig erschöpft.“

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Das Bühnenbild ist ein einfacher, klassi­zis­tisch gestal­teter Raum, dreige­teilt, rechts das Zimmer des Titus, links das Zimmer von Bérénice und im Mittelraum spielt die Handlung. Dieses Dekor wird hin und wieder diskret und wirkungsvoll von Schwarzweiß-Videos übermalt. Die Kostüme sind modern. Die Ausdrucks­mög­lich­keiten der Sänger und Schau­spieler sind Gesang, oft auch Sprech­gesang oder reine Sprache, aber auch Pantomime, wie die sehr reizvolle Schlei­er­szene zwischen Bérénice und Phénice.

Guth und Jarrett behaupten, bei der Schöpfung des Werkes eng zusam­men­ge­ar­beitet zu haben. Und wenn man akzep­tiert, dass es sich nicht mehr um die heroische Tragödie Racines handelt, sondern um eine psycho­dra­ma­tische, moderne Liebes­ge­schichte, so ist die Darstellung durchaus vertretbar. Warum aber dann noch an der steifen Alexan­driner-Sprache festhalten, die ganz offen­sichtlich die musika­lische Entfaltung weitgehend behindert?

Foto © Monika Rittershaus

Wenn der Komponist sagt, er hätte schon beim Kompo­nieren der Bérénice – vielleicht auch mit ein wenig Verliebtheit – an Barbara Hannigan gedacht, so ist das glaubhaft. Denn ihre Partie ist stimmlich die einzige, die eine gewisse Vielfalt des Ausdrucks zulässt. Und die Sängerin wird dieser unglaublich schwie­rigen, sprung­haften Rolle mit sehr beweg­licher, fast vibra­to­loser, kristall­klarer Stimme in bewun­derns­werter Weise gerecht. Ihre Stimme kommt damit der zeitge­nös­si­schen, teils elektro­nisch unter­malten Musik sehr entgegen. Als Schau­spie­lerin ist sie die gerten­schlanke, verfüh­re­rische-sinnliche, dann wieder leiden­schaft­liche, stürmisch-furien­hafte Schönheit, dann aber auch wieder die von Klaus­tro­phobie und Paranoia verfolgte Gefangene, der das Lieben schließlich weniger wichtig scheint als das Wissen, geliebt zu werden. Eine sehr drama­tische Rolle. Nur zu den berühmten Versen der Schluss­szene von Racines Drama wird sogar ihr Gesang fast lyrisch und ist nur von ganz leisen Disso­nanzen begleitet. Bo Skovhus als Titus sieht in schwarzer Hose und ärmel­losem Unterhemd wie ein hünen­hafter Yul-Brynner-Hollywood-price-fighter aus. Er singt mit sehr kontrol­lierter Stimme die inten­siven, langge­zo­genen, eintö­nigen Legati, um seinem Schmerz, seinem Selbst­mitleid und seiner Unent­schlos­senheit Ausdruck zu geben. Der dritte im diesem Liebes­ge­flecht, Ivan Lodlow als Antiochus, der Bérénice wirklich, aber hoffnungslos liebt, ist schön und edel, aber zu schwach, um sich loszu­reißen und beklagt sein Leid und das der von ihm Geliebten mit sonorer Bariton­stimme. In den Neben­rollen ist Alastair Miles Paulin, die Stimme der staat­lichen Vernunft, und Julien Behr Arsace, das treue Faktotum, das seinem Herrn Antiochus immer wieder Mut einzu­flößen versucht. Die Rolle von Bérénices Dienerin, Phénice, hat Jarrell als Sprech­rolle belassen, aber Rina Schenfeld spricht sie auf Hebräisch, um zu erinnern, dass Bérénice die Königin von Judäa ist.

Philippe Jordan führt das Orchester der Opéra national de Paris mit großer Präzision durch das Säuseln und Geflimmer der Streicher, das disso­nante Dröhnen und Rauschen der Bläser und durch glocken­tö­nende Elektronik.

Eine inter­es­sante Aufführung.

Alexander Jordis-Lohausen

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