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Foto © Stefan Brion

Funkelnder Edelstein aus alter Zeit

LE DOMINO NOIR
(Daniel-François-Esprit Auber)

Besuch am
24. September 2024
(Premiere am 23. Februar 2018)

 

Opéra Comique, Paris

Daniel-François-Esprit Auber ist 1782 geboren, also noch zu Lebzeiten Mozarts, stirbt erst 1871, also schon zu Richard Strauss‘ Lebzeiten. Er wird 1805 Schüler Cheru­binis. Seine Musik ist am Anfang beein­flusst von Boieldieu und Rossini, aber er entwi­ckelt bald seinen eigenen Stil. Seine Werke inspi­rieren damals junge Kompo­nisten wie Wagner oder Verdi.

Obwohl Auber auch ernste Opern schreibt, ja, sogar 1828 mit La  Muette de Portici  der grand opéra neuen Auftrieb gibt, ist seine ureigenste Ausdrucksform die opéra comique. Die Musik ist einfach, unkom­pli­ziert, leicht, virtuos, halb gesprochen, halb gesungen, vom Vaude­ville und von den Chansons des volks­tüm­lichen Theaters inspi­riert. Rossini bezeichnet ihn und seine Musik als: „Piccola musica, ma grande musicista.“ Wie dem auch sei, als Komponist wird Auber um die Mitte des 19. Jahrhun­derts, vor allem seit seiner Zusam­men­arbeit mit dem Textdichter Eugène Scribe, der Haupt­ver­treter des sprit­zigen Pariser Musik­theaters, dessen Tradition später in Jacques Offen­bachs Operetten ihre Fortsetzung findet.

Foto © Stefan Brion

Le Domino Noir wird 1837 in der Opéra Comique in Paris urauf­ge­führt und erlebt sofort einen anhal­tenden natio­nalen und inter­na­tio­nalen Erfolg. Berlioz hält es für Aubers größtes Werk. Zur Zeit seines Todes ist es an die tausend Mal aufge­führt worden. Richard Strauss dirigiert die Oper 1905 in München.

Das Libretto ist eine eigen­tüm­liche Mischung aus roman­tisch-poeti­scher Märchen­er­zählung und leicht satiri­scher Gesell­schafts­ko­mödie, wie die Restau­ration sie liebte. Die Charaktere des Textbuchs sind mit Ausnahme der Argèle, die zwischen Pflicht und Liebe hin und her gerissen ist, psycho­lo­gisch einfach und unkom­pli­ziert. Die Handlung spielt in Spanien und erzählt die Geschichte des jungen Horace de Massarena, der auf dem könig­lichen Weihnachtsball die langge­suchte Unbekannte wieder­findet, die er seit einem Jahr verzweifelt sucht. Hinter ihrer schwarzen Maske versteckt sich die junge Nichte der Königin,  Angèle de Olivarès, die bald darauf Äbtissin eines Klosters werden soll, aber inkognito zusammen mit ihrer Freundin Brigitte de San Lucar ein letztes Mal den festlichen Ball miter­leben will. Um Mitter­nacht muss sie zurück ins Kloster. Horace erkennt sie wieder und versucht nun mit Hilfe seines Freundes Juliano alles, um sie zurück­zu­halten. Sie stellen sogar die Uhren zurück. Dazwi­schen taucht auch noch ein engli­scher Lord auf, der zu Unrecht in Horace den Liebhaber seiner Frau vermutet. Als Angèle schließlich doch wieder das Kloster erreicht, sind alle Tore verschlossen. Sie sucht Zuflucht im Nebenhaus, das zufällig Juliano gehört. Von der Haushäl­terin wird sie als neues Dienst­mädchen vom Lande verkleidet, und als Juliano mit Horace und all seinen Freunden mitten in der Nacht zum Suppé auftaucht, muss sie, um glaubhaft zu erscheinen, eine volks­tüm­liche ronde arago­naise singen. Zuletzt gelingt es ihr, unerkannt zu fliehen und mit einem gestoh­lenen Schlüssel ins Kloster zurück­zu­kehren, wo noch niemand ihre Abwesenheit bemerkt hat. Trotzdem ernennt die Königin am nächsten Tag auf Grund einer Intrige ihrer Rivalen Ursule schließlich nicht sie, sondern Ursule zur Äbtissin, während sie Angèle aufträgt, sich einen Ehemann zu wählen. Der völlig verlorene Horace, der immer noch nicht recht weiß, wer nun die Unbekannte wirklich ist – schwarze Maske, Mädchen vom Lande oder Äbtissin – wird belohnt: Sie fällt ihm in die Arme.

Foto © Stefan Brion

Die Regis­seure Valerie Lesort und Christian Hecq haben die Oper mit sehr viel Fantasie und Schwung im Perpetuum-mobile-Stil und mit einer Art burleskem Slapstick-Humor insze­niert. In einer sehr genauen Perso­nen­regie ist jede Geste, jeder pikante Reim und jede Modulation ausge­nützt und im Detail ausge­feilt, damit keine Pointe und kein Witz verloren geht. Glysleïn Lefevers Choreo­grafie spielt dabei eine wesent­liche Rolle. Und selbst wenn der Humor der damaligen Zeit uns heute vielleicht nicht mehr zum Lachen bringt – man schmunzelt vergnügt – wie beim gebra­tenen Schwein, das plötzlich lebendig wird. Laurent Peduzzis Dekor ist bühnen­wirksam, besonders im ersten Akt, in dem eine überdi­men­sionale Uhr die Szene beherrscht, vor der und hinter der sich der Ball abspielt. Aber auch im Kloster im dritten Akt mit seinen leben­digen werdenden Statuen und Gargouilles. Besondere Mühe hat sich auch Vanessa Sannino gegeben und mit Erfolg: Ihre Kostüme für den Maskenball sind sehr gelungen. Alle Ausfüh­renden bekommen ein Kostüm, das ihrer Persön­lichkeit entspricht: Argèle als schwarzen Schwan, die junge Dame Brigitte als Löwenzahn, der aggressive Lord Elford als Stachel­schwein,  der verfüh­re­rische Juliano als Pfau und der naiv-träume­rische Horace als Schmetterling.

Das Ensemble ist stimmlich und schau­spie­le­risch blendend aufein­ander abgestimmt. Die Diktion der Auswir­kenden ist vorbildlich. Anne-Catherine Gillet führt mit frischem, leichtem Sopran, mit viel Charme und Witz die ganze Gesell­schaft bis zum Ende an der Nase herum. Ihre ronde arago­naise ist sehr fröhlich-unbeschwert, aber erst in ihrer großen Arie im dritten Akt Je suis sauvé enfin offenbart sich voll ihre Stimme. Cyrille Dubois ist der wohlmei­nende, etwas verlorene Horace. Mit lyrischem Tenor klagt er sehr schön sein Liebesleid in Amour, viens finir mon supplice im zweiten Akt. Victoire Bunel ist mit klang­vollem Mezzo die treue Gefährtin Argèles, die im Kloster versucht, die Abwesenheit ihrer Freundin zu verschleiern, Au refec­toire, à la prière, während Léo Vermot-Desroches als Juliano mit wohltim­briertem Tenor seinem Freund Horace stets zur Hilfe kommt. Unwider­stehlich komisch in Mimik und Gestik spielt und singt Marie Lemormand Julianos Haushäl­terin Jacinthe, ihr Liebhaber, der Hausmeister des Klosters, alias Jean-Fernand Setti, ist mit dröhnendem Bass nicht fern. Laurent Montel ist der polternde Lord Elfort, Sylvia Bergé von der Comédie Française die perfide Ursule, eine Sprech­rolle, und Isabelle Jacques La Tournière.

Louis Langrée leitet nicht nur die Opéra Comique, sondern auch als Dirigent mit unermüd­lichem Schwung die Solisten, den Chor Les éléments und das Orchestre de Chambre de Paris durch die Aufführung.

Das Theater ist bumsvoll, die Begeis­terung groß, was zu beweisen scheint, dass solch ferner Humor, in die richtige Form gebracht und von der richtigen Musik begleitet, auch heute noch großen Anklang findet.

Alexander Jordis-Lohausen

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