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Tristan und Isolde, ländlich im Dreivierteltakt

L’ELISIR D’AMORE
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
25. Oktober 2018
(Premiere am 4. Juni 2006)

 

Opéra national de Paris in der Oper an der Bastille

Man sagt, Gaetano Donizetti habe im Laufe seines Lebens 71 Opern geschrieben. Mag sein. Nicht alle haben überlebt und nicht alle waren gelungen. Der Arbeits­druck hat ihm wohl nicht die Zeit gelassen, Perfek­tionist zu sein. Auch ist er, wie sein genauer Zeitge­nosse Franz Schubert relativ jung gestorben. Nur wenige seiner Opern haben das 20. Jahrhundert erreicht. Erst seit den 1950-er Jahren erleben auch seine weniger bekannten Opern eine Renais­sance, zum Teil durch die Belcanto-Inter­pre­ta­tionen von Maria Callas. L’Elisir d’amore, Der Liebes­trank, war Donizettis erster durch­schla­gender Erfolg, und die Oper hat seit ihrer Urauf­führung in Mailand 1832 die inter­na­tio­nalen Opern­spiel­pläne nicht mehr verlassen.

Das Werk ist musika­lisch wie auch theatra­lisch eine bezau­bernde Symbiose aus komischer und roman­ti­scher Oper. Stilis­tisch wächst Donizetti hier über sein Vorbild Rossini hinaus, behält von ihm nur den Schwung, die Lebhaf­tigkeit und die Kontrast-Effekte. Auffallend ist die subtile psycho­lo­gische Zeichnung der Haupt­dar­steller, denn sowohl Adina als auch Nemorino verwandeln sich im Laufe der Spieloper von spröden oder tölpelhaft-komischen zu lyrisch-roman­ti­schen Figuren. All das durch eine Flasche Wein, die Il Dottor Dulcamara als Liebes­trunk verkauft. Eine heitere Komödie. Doch musika­lisch ist L’Elisir d’amore auch die Oper, die Donizettis Übergang von buffa zu seria, von der komischen Oper zu den drama­tisch-roman­ti­schen Opern  der folgenden Jahre ankündigt, zu den grossen tragi­schen Figuren einer Lucretia Borgia von 1833, einer Maria Stuarda  aus dem Jahr 1834 und vor allen einer Lucia di Lammermoor 1835.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Laurent Pelly ist bekannt dafür, dass er es im Allge­meinen vermeidet, durch seine Insze­nie­rungen politische oder metaphy­sische Aussagen machen zu wollen. Eine wohltuende Abwechslung, weil damit unter seiner Regie die Opern als musika­lische und theatra­lische Kunst­werke erhalten bleiben und voll zur Geltung kommen. In der Insze­nierung für diese Oper, die 2006 als Kopro­duktion mit Covent Garden zustande kam, schafft er einen einfachen ländlichen Rahmen, in den er Erinne­rungen an die Ferien im Land seiner eigenen Kindheit der 60-er Jahre einfließen lässt. Es geht ihm darum, durch Bild, Gestik und Bewegung, inspi­riert durch die Musik, eine heitere Geschichte zu erzählen, die den Eindruck von unbeküm­merter Ländlichkeit, Kindheit und Spiel vermitteln, ein leben­diges Spiel im wahren Sinne des Wortes.  Das geht so weit, dass er selbst die Kostüme entworfen und weitgehend die Choreo­grafie mitbe­stimmt hat.  Um eine überzeu­gende rustikale Atmosphäre zu kreieren, stellt seine langjährige Mitar­bei­terin, die Bühnen­bild­nerin Chantal Thomas, dazu riesige Heupy­ra­miden wie eine Art Amphi­theater auf die Bühne, auf denen oder vor denen die Handlung abläuft. Da aus Sicher­heits­gründen kein richtiges Heu verwendet werden konnte, hat das Atelier der Pariser Oper, das bald einer Scheune glich, aus Sisal in großer Menge künst­liches, aber durchaus glaub­haftes Heu geflochten und zu Ballen zusam­men­gefügt. In einer anderen Szene ist es eine Bar und der Blick auf  Felder und auf eine Straße, auf der hin und wieder junge Leute vorbei schlendern oder radeln. Pellys Rechnung geht auf, es ergibt sich daraus eine Fabel voll lebens­naher Einfachheit, Witz und Humor.

Foto © Guergana Damianova

Der entschiedene Star des Abends ist Lisette Oropesa und dennoch könnte man meinen, sie ruinierte ihre Stimme. Kurzfristig für Diana Damrau in die schwierige Rolle der Königin in Les Huguenots von Meyerbeer einge­sprungen, hat sie jene für sie neue Partie einen Monat lang brillant gesungen und gleich­zeitig die Proben für den Liebes­trank bewältigt. Gestern war die letzte Aufführung der Hugenotten und heute die erste Aufführung von L’Elisir d’amore … und ihre Stimme ist frisch wie am ersten Tag. Dennoch sollte sie einen solchen Kraftakt vielleicht nicht allzu oft prakti­zieren. Wie dem auch sei, ihre Adina ist stimmlich wie schau­spie­le­risch eine Glanz­leistung, voller Leben, Witz und Leich­tigkeit, bei einer Stimm­führung, die keinerlei Ungenau­ig­keiten zulässt – es ist vielleicht nicht zufällig, dass sie ihre musika­lische Karriere als Flötistin begann – und mit einem hinrei­ßenden mezzavoce. Ganz bezau­bernd, auch schau­spie­le­risch im Liebes­duett mit Nemorino am Schluss der Oper Nemorino! … Ebbene!

Vittorio Grigolo singt den Nemorino mit feuriger, jugend­licher Tenor­stimme, besonders überzeugend in den stürmi­schen forte-Passagen. Die berühmte Romanze Una furtiva lagrima nimmt bei ihm ungewöhnlich dunkle Züge an. Bedau­er­li­cher­weise übertreibt er seine Rolle als Tölpel in Gestik und Mimik, wird zum Clown, wo es gar nicht notwendig wäre und auch seine Körper­sprache ist manchmal unpassend.

Ganz in seinem Element und in der buffo-Rolle des Il Dottor Dulcamara, die den Rossi­ni­schen Einfluss nicht verhehlen kann, ist Gabriele Viviani mit vollem, beweg­lichem Bariton wie gleich bei seinem ersten Auftritt im ersten Akt Udite, udite, o rustici!,  und mit einer bewun­derns­werten Zungen­fer­tigkeit wie im Duett mit Adina Como sen va contento im zweiten Akt. Ebenso erfreulich, heiter, pompös und stimmlich klangvoll ist Etienne Dupuis als der schöne Feldwebel Belcore. Andriana Gonzalez ist mit jugend­licher Frische die eifrige Giannetta.

Lebendig, immer neugierig und allge­gen­wärtig, der Chor. Sehr gut einstu­diert von Alessandro di Stefano, wie in dem heiteren staccato-Chor der Bauern­mädchen mit Giannetta im zweiten Akt.

Gioacomo Sacri­panti dirigiert Solisten, Chor und Orchester mit viel Schwung durch die melodien­reiche Partitur.

Das Publikum ist begeistert. Es ist ein Abend, der fröhlich stimmt.

Alexander Jordis-Lohausen

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