O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
L’ELISIR D’AMORE
(Gaetano Donizetti)
Besuch am
25. Oktober 2018
(Premiere am 4. Juni 2006)
Man sagt, Gaetano Donizetti habe im Laufe seines Lebens 71 Opern geschrieben. Mag sein. Nicht alle haben überlebt und nicht alle waren gelungen. Der Arbeitsdruck hat ihm wohl nicht die Zeit gelassen, Perfektionist zu sein. Auch ist er, wie sein genauer Zeitgenosse Franz Schubert relativ jung gestorben. Nur wenige seiner Opern haben das 20. Jahrhundert erreicht. Erst seit den 1950-er Jahren erleben auch seine weniger bekannten Opern eine Renaissance, zum Teil durch die Belcanto-Interpretationen von Maria Callas. L’Elisir d’amore, Der Liebestrank, war Donizettis erster durchschlagender Erfolg, und die Oper hat seit ihrer Uraufführung in Mailand 1832 die internationalen Opernspielpläne nicht mehr verlassen.
Das Werk ist musikalisch wie auch theatralisch eine bezaubernde Symbiose aus komischer und romantischer Oper. Stilistisch wächst Donizetti hier über sein Vorbild Rossini hinaus, behält von ihm nur den Schwung, die Lebhaftigkeit und die Kontrast-Effekte. Auffallend ist die subtile psychologische Zeichnung der Hauptdarsteller, denn sowohl Adina als auch Nemorino verwandeln sich im Laufe der Spieloper von spröden oder tölpelhaft-komischen zu lyrisch-romantischen Figuren. All das durch eine Flasche Wein, die Il Dottor Dulcamara als Liebestrunk verkauft. Eine heitere Komödie. Doch musikalisch ist L’Elisir d’amore auch die Oper, die Donizettis Übergang von buffa zu seria, von der komischen Oper zu den dramatisch-romantischen Opern der folgenden Jahre ankündigt, zu den grossen tragischen Figuren einer Lucretia Borgia von 1833, einer Maria Stuarda aus dem Jahr 1834 und vor allen einer Lucia di Lammermoor 1835.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Laurent Pelly ist bekannt dafür, dass er es im Allgemeinen vermeidet, durch seine Inszenierungen politische oder metaphysische Aussagen machen zu wollen. Eine wohltuende Abwechslung, weil damit unter seiner Regie die Opern als musikalische und theatralische Kunstwerke erhalten bleiben und voll zur Geltung kommen. In der Inszenierung für diese Oper, die 2006 als Koproduktion mit Covent Garden zustande kam, schafft er einen einfachen ländlichen Rahmen, in den er Erinnerungen an die Ferien im Land seiner eigenen Kindheit der 60-er Jahre einfließen lässt. Es geht ihm darum, durch Bild, Gestik und Bewegung, inspiriert durch die Musik, eine heitere Geschichte zu erzählen, die den Eindruck von unbekümmerter Ländlichkeit, Kindheit und Spiel vermitteln, ein lebendiges Spiel im wahren Sinne des Wortes. Das geht so weit, dass er selbst die Kostüme entworfen und weitgehend die Choreografie mitbestimmt hat. Um eine überzeugende rustikale Atmosphäre zu kreieren, stellt seine langjährige Mitarbeiterin, die Bühnenbildnerin Chantal Thomas, dazu riesige Heupyramiden wie eine Art Amphitheater auf die Bühne, auf denen oder vor denen die Handlung abläuft. Da aus Sicherheitsgründen kein richtiges Heu verwendet werden konnte, hat das Atelier der Pariser Oper, das bald einer Scheune glich, aus Sisal in großer Menge künstliches, aber durchaus glaubhaftes Heu geflochten und zu Ballen zusammengefügt. In einer anderen Szene ist es eine Bar und der Blick auf Felder und auf eine Straße, auf der hin und wieder junge Leute vorbei schlendern oder radeln. Pellys Rechnung geht auf, es ergibt sich daraus eine Fabel voll lebensnaher Einfachheit, Witz und Humor.

Der entschiedene Star des Abends ist Lisette Oropesa und dennoch könnte man meinen, sie ruinierte ihre Stimme. Kurzfristig für Diana Damrau in die schwierige Rolle der Königin in Les Huguenots von Meyerbeer eingesprungen, hat sie jene für sie neue Partie einen Monat lang brillant gesungen und gleichzeitig die Proben für den Liebestrank bewältigt. Gestern war die letzte Aufführung der Hugenotten und heute die erste Aufführung von L’Elisir d’amore … und ihre Stimme ist frisch wie am ersten Tag. Dennoch sollte sie einen solchen Kraftakt vielleicht nicht allzu oft praktizieren. Wie dem auch sei, ihre Adina ist stimmlich wie schauspielerisch eine Glanzleistung, voller Leben, Witz und Leichtigkeit, bei einer Stimmführung, die keinerlei Ungenauigkeiten zulässt – es ist vielleicht nicht zufällig, dass sie ihre musikalische Karriere als Flötistin begann – und mit einem hinreißenden mezzavoce. Ganz bezaubernd, auch schauspielerisch im Liebesduett mit Nemorino am Schluss der Oper Nemorino! … Ebbene!
Vittorio Grigolo singt den Nemorino mit feuriger, jugendlicher Tenorstimme, besonders überzeugend in den stürmischen forte-Passagen. Die berühmte Romanze Una furtiva lagrima nimmt bei ihm ungewöhnlich dunkle Züge an. Bedauerlicherweise übertreibt er seine Rolle als Tölpel in Gestik und Mimik, wird zum Clown, wo es gar nicht notwendig wäre und auch seine Körpersprache ist manchmal unpassend.
Ganz in seinem Element und in der buffo-Rolle des Il Dottor Dulcamara, die den Rossinischen Einfluss nicht verhehlen kann, ist Gabriele Viviani mit vollem, beweglichem Bariton wie gleich bei seinem ersten Auftritt im ersten Akt Udite, udite, o rustici!, und mit einer bewundernswerten Zungenfertigkeit wie im Duett mit Adina Como sen va contento im zweiten Akt. Ebenso erfreulich, heiter, pompös und stimmlich klangvoll ist Etienne Dupuis als der schöne Feldwebel Belcore. Andriana Gonzalez ist mit jugendlicher Frische die eifrige Giannetta.
Lebendig, immer neugierig und allgegenwärtig, der Chor. Sehr gut einstudiert von Alessandro di Stefano, wie in dem heiteren staccato-Chor der Bauernmädchen mit Giannetta im zweiten Akt.
Gioacomo Sacripanti dirigiert Solisten, Chor und Orchester mit viel Schwung durch die melodienreiche Partitur.
Das Publikum ist begeistert. Es ist ein Abend, der fröhlich stimmt.
Alexander Jordis-Lohausen