O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Cäsar und Kleopatra im Lagerschuppen

GIULIO CESARE IN EGITTO
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
20. Januar 2024
(Premiere am 17. Januar 2011)

 

Opéra national de Paris, Palais Garnier

Das Libretto des Guilio Cesare in Egitto von Nicola Francesco Haym nimmt fanta­sie­volle Freiheiten in der Auslegung der histo­ri­schen Vorgänge der Eroberung Ägyptens durch Julius Cäsar. Das dadurch entstandene Melodrama gibt Händel den nötigen Spielraum, um die Oper sowohl mit leich­teren, galanten Arien, als auch mit ernsten, drama­ti­schen oder tragi­schen Szenen zu versehen. Und in der Vertonung der Oper erreicht Händel neben einem großen musika­li­schen Reichtum vielleicht den Höhepunkt in der psycho­lo­gi­schen Charak­te­ri­sierung seiner Protago­nisten.  Von den siebzehn Rollen, die Händel für den Star-Kastraten Senesino geschrieben hat, ist die des Kaisers zweifellos eine der eindrucks­vollsten und bis heute eine der belieb­testen. Cäsar ist hier sowohl männlich-stolz als auch menschlich-zart. Mit Kleopatra zeigt er uns eine ihrer weiblichen Reize wohl bewusste, verfüh­re­rische, spöttische, junge Königin, die sich aber im Laufe der Handlung auch des Leids und der echten Liebe fähig erweist. Sie wird dadurch eine der einneh­mendsten Frauen­ge­stalten der Opern­li­te­ratur, vergleichbar mit der Susanne in Mozarts Figaro oder mit der Marschallin im Rosen­ka­valier von Richard Strauss. Obwohl sich die Handlung haupt­sächlich um die Geschicke Cäsars und Kleopatras rankt, spielen auch die Neben­fi­guren eine nicht unwesent­liche Rolle. Um sie herum bewegen sich eine verzwei­felte, dem Selbstmord nahe Cornelia, ein von Rache­ge­fühlen beses­sener Sextus und ein verschla­gener, krimi­neller Ptolemäus.  Händel zeigt uns in dem Werk wieder mal, dass die tradi­tio­nelle Opera seria seiner Zeit nicht eine leere Form zu sein braucht, sondern tiefe Leiden­schaften und hochdif­fe­ren­ziertes Theater­spiel zum Ausdruck bringen kann.

Foto © Vincent Pontet

Laurent Pelly, der Regisseur der Insze­nierung, die 2011 zum ersten Mal in der Pariser Oper aufge­führt wurde, sieht das offen­sichtlich anders, denn er hat überall Opera-buffa-Elemente gesucht, gefunden und eingefügt. So wird beispiel­weise die Figur des Nireno völlig zu einer komischen Rolle und auch in seiner Perso­nen­regie erfindet er, wo immer möglich, durch entspre­chende Gestik oder Mimik witzige Situa­tionen. Meist sind seine Regie­ein­fälle gelungen, nur die Koket­terie der Kleopatra ist manchmal etwas übertrieben. Im Übrigen ist die Oper in die Lager­räume des Museums von Kairo verlegt. Hier spielt sich die Handlung zwischen gesta­pelten antiken Kunst­werken ab. Es ist etwas störend sowohl für das Publikum, zweifellos aber viel mehr noch für die Sänger, die sich auf ihre Rollen konzen­trieren müssen, dass Arbeiter unablässig Kisten, Skulp­turen oder sonstige Kunst­werke herein­trans­por­tieren oder hinaus­schleppen. Das Einheits-Dekor wird hin und wieder für gewisse Szenen geschmückt durch Skulp­turen, durch Gemälde von Odalisken oder Nil-Landschaften mit Palmen, oder, wie in der Harems­szene, mit Orient-Teppichen. All diese Requi­siten werden ebenfalls herbei­ge­schafft, als gehörten sie zu den Beständen des Museumslagers.

Die „Lagerraum-Arbeiter“ sind in Arbeits­kittel oder Djellabas gekleidet, die Protago­nisten hingegen tragen stili­sierte antike Kostüme.

Foto © Vincent Pontet

In dieser Aufführung sind von den drei von Händel für Kastraten geschrie­benen Rollen nur zwei von Kontra­te­nören gesungen:  Tolomeo und Nireno. Die dritte, die Cäsars, hingegen, übernimmt hier der Mezzo­sopran Gaëlle Arquez. Wie schon vor zwei Jahre im Théâtre des Champs Elysées, meistert sie auch hier die für ihre Stimme etwas zu tiefe Stimmlage der Rolle. Weniger der feurige Eroberer und Liebhaber als der besonnene Feldherr und Stratege, durch­läuft sie mit souve­ränem, stimm­lichem Können alle Phasen des wechsel­haften Geschicks des Titel­helden.  Wutschäumend, als er erfährt, dass der Ptolemäer Pompeius ermordet hat, Empio dirò, tu sei, mit den beglei­tenden Hörnern jubelnd, als er die Intrigen des Pharaos durch­schaut, und betört-verliebt in Se in fiorito ameno prato. Lisette Oropesa ist in jugend­licher Frische und mit strah­lendem, sinnlichem Sopran zu Beginn der Oper die übermütig-spöttische Kleopatra mit Non disperar, chi sa?, dann verliebt-verfüh­re­risch im zweiten Akt mit V’adoro pupille, wobei ihr der Regisseur in dieser Szene  die neun Musen als  ein charmantes Rokoko-Orchester zugesellt, dann angst­er­füllt um den Geliebten im Lamento Se pietà di me non senti. Von Cäsar aus ihrer Gefan­gen­schaft befreit, jubelt sie schließlich mit vielen, vielleicht etwas zu verhal­tenen Kolora­turen ihr   Da tempeste il legno infrante. Wiebke Lehmkuhl hat eine schöne Stimme und doch bewegt sie mit den Lamenti ihrer tragi­schen Rolle nicht wirklich. Mag sein, dass eine Sängerin, die in der Romantik der Wagner-Opern aufge­wachsen ist, nicht so ohne weiteres den Zugang zur Empfind­samkeit der Barockoper findet. Ein stimm­licher wie auch schau­spie­le­ri­scher Genuss ist Emily d’Angeli als jugend­licher Sesto. Mit etwas herbem, sehr beweg­lichem Mezzo­sopran durch­läuft sie mühelos die Melismen in L’aura que spiro. Auch gefällt Iestyin Davies als der hinter­listige Tolomeo. Mit sonorem Bass stellt Luca Pisano glaubhaft den betro­genen Achilla dar. Und Rémy Bres in der Rolle des Nireno ist eine freudige Überra­schung als eine neue stimmlich wie auch schau­spie­le­risch ausge­zeichnete Opera-buffa-Figur.

Harry Bicket dirigiert mit Schwung die Solisten, den Chor Unikanti und das Orchester der Opéra National de Paris. Vielleicht ist es auf den bedau­erns­werten Einsatz eines Orchesters, das auf modernen Instru­menten spielt, zurück­zu­führen, dass die Empfind­samkeit des 18. Jahrhun­derts nicht immer voll zum Klingen kommt.

Trotz der winter­lichen Kälte draußen ist das Palais Garnier gepackt voll und das Publikum sehr zufrieden.

Alexander Jordis-Lohausen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: