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Foto © Agathe Poupeney

Gewaltiges Werk in gewaltiger Aufführung

LES HUGUENOTS
(Giacomo Meyerbeer)

Besuch am
4. Oktober 2018
(Premiere am 28. September 2018)

 

Opéra national de Paris in der Oper an der Bastille

Giacomo Meyerbeer, der eigentlich Jakob Liebmann Meyer Beer hieß, wie auch sein Landsmann Jacques Offenbach, verliessen schon in jungen Jahren ihr heimat­liches Deutschland, um dann in Paris Triumpfe zu feiern. Der eine als der Meister der franzö­si­schen Grand opéra, der andere als unbestrit­tener König der franzö­si­schen Operette.

Bei Grand opéra denkt man auch heute noch an Sensation und Melodra­matik auf der Bühne. Die Stoffe sind oft histo­ri­schen Begeben­heiten entnommen. Und so liegt auch der Oper Les Huguenots eine wilde Geschichte aus der Zeit der Religi­ons­kriege im Frank­reich des 16. Jahrhun­derts zu Grunde. Der protes­tan­tische Edelmann Raoul de Nangis verliebt sich in Valentine, eine der Ehren­damen der Königin, die aber auch die Tochter des Comte de Saint-Bris ist, des Anführers der erzka­tho­li­schen Partei. Auch Valentine liebt Raoul, und die Königin fördert die Verbindung. Wegen eines Missver­ständ­nisses aber weist Raoul  Valentine ab. Um diesen Affront zu ahnden, will ihr Vater den jungen Mann töten lassen. Valentine und Raouls Diener Marcel gelingt es, Raoul zu warnen. Valentine will ihn in den Louvre einschleusen, wo er in Sicherheit wäre, falls er sich zum katho­li­schen Glauben bekehrt. Als Raoul ablehnt, nimmt sie als letzten Liebes­beweis den protes­tan­ti­schen Glauben an und lässt sich von Marcel mit Raoul trauen. Im folgenden Gemetzel der Bartho­lo­mä­us­nacht werden beide getötet. Der Comte de Saint-Bris  erkennt zu spät  die Leiche seiner eigenen Tochter unter den Toten. In dem selben Moment kehrt die Königin von den Festlich­keiten ihrer Hochzeit in den Louvre zurück.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



In der Musik lässt es der Komponist nicht an großen Effekten fehlen. „Souverän verfügt Meyerbeer über das mit Orgel, Ophik­leïden, Basskla­ri­netten, Englischhorn, und Picco­lo­flöten, mit großer Trommel, Tamtam, und anderem Schlagzeug zusätzlich reich-bestückte Orchester: er gab den Massen­chören und den in ihrer strah­lendsten Lage geführten Soli, was sie nur wünschen mochten; er erzeugte zarte, prunk­volle, freche und brutale Wirkungen, er kontra­punk­tierte Protes­tan­ten­choräle mit Schlacht­mu­siken, empha­tische Liebes­ge­sänge mit Hasschören – seine Musik enthu­si­as­mierte ihr Jahrhundert und ist doch heute so gut wie vergessen“, schreibt Hans Renner darüber. Und tatsächlich hat die im 19. Jahrhundert so erfolg­reiche Oper die Jahrhun­dert­wende kaum überlebt. Im Jahre 1936, zum 100-jährigen Jubiläum ihrer Entstehung wurde sie in Paris noch einmal gegeben, und seitdem nicht mehr. Von den Opern Wagners und Verdis überschattet, ist auch der Einfluss in Verges­senheit geraten, den Meyer­beers Musik  auf jene Kompo­nisten, aber auch auf Kompo­nisten wie Modest Mussorgsky ausgeübt hat.

Andreas Kriegenburg und sein Team haben eine  recht reizvolle Insze­nierung geschaffen, die viele Möglich­keiten bietet, die aber nicht alle ausge­schöpft sind. Das Bühnenbild ist ganz in Weiß gehalten, weitgehend abstrakt und damit neutral. Die stili­sierten Renais­sance-Kostüme, schwarz für die Protes­tanten und bunt für die Katho­liken, heben sich gut gegen die weiße Umgebung ab. Die Choreo­grafie  hat gute Ansätze, wie die bunte Volks­szene oder die kriege­ri­schen Drohge­bärden im dritten Akt. Aber auf einer Bühne in drei Ebenen im ersten und im letzten Akt, wo man wie von einem Ozean­dampfer von oben herun­ter­schauen oder auf Stiegen herauf und hinunter steigen kann, hätte man vielleicht noch eindrucks­vollere  ballett­artige Bilder kreieren können. Auch die Beleuchtung ist nicht immer besonders einfalls­reich. Witzig dagegen und farblich sehr gut gelungen, ist der stili­sierte Lustgarten der Königin mit Wasser­becken voller halbnackter Frauen, wenn er auch manchmal eher an einen orien­ta­li­schen Harem erinnert als an das Frauenhaus eines christ­lichen Königs­pa­lasts. Die Perso­nen­regie ist voller origi­neller Einfälle.

Foto © Agathe Poupeney

Wenn Ermonela Jaho eine Rolle übernimmt, so geht sie in dieser Rolle stimmlich und schau­spie­le­risch rückhaltlos auf. So irrt sie auch hier als Valentine, die tragische Heldin des Dramas, zwischen Liebe und Pflicht verzweifelt hin- und herge­rissen über die Bühne, bis ihr das Schicksal den Weg der Liebe weist, der zwangs­läufig in den Tod führt. Sie singt die Rolle, deren Stimmlage oft einem Mezzo näher­kommt als einem Sopran, mit großer Meister­schaft. Ihre Klang­farben sind in diesen tiefen Lagen dunkel und samten, und in den hohen, auch in den drama­ti­schen Szenen, bleibt ihre Stimme abgerundet und kontrol­liert. Sehr bewegend nicht nur im Gebet Je suis seul chez moi! Seul avec ma douleur!, sondern auch in der Szene mit Marcel Ô terreur! Je tressaille au seul bruit de mes pas!  und im großen Duett mit Raoul Ô Ciel ! Où courez-vous?, das musika­lisch schon die tragi­schen Liebes­szenen Verdis vorwegnimmt.

Die zweite weibliche Haupt­rolle der Oper, die der lebens­lus­tigen Königin Marguerite de Valois, hätte Diana Damrau singen sollen. Sie hat aber im Sommer abgesagt. Man hat sie sehr vorteilhaft durch die junge ameri­ka­nische Sängerin Lisette Oropesa ersetzt, die die einzige unbeschwerte Szene dieses blutrüns­tigen Melodramas, die Szene im Lustgarten am Anfang des zweiten Akts in ein musika­li­sches Feuerwerk verwandelt. Ihre volle, vibra­tor­eiche Sopran­stimme durch­läuft mit schein­barer Leich­tigkeit die Kolora­turen und steigt mühelos hinauf in die hohen Lagen. Eine agile Virtuo­sität ohne affektive Gestik.

Noch kurzfris­tiger hat auch Bryan Hymel die Teilnahme an dieser Aufführung abgesagt, und ihn zu ersetzen, war schwie­riger. Yosep Kang, der jetzt den Raoul singt, ist im ersten Akt offen­sichtlich indis­po­niert, und obwohl er ab dem zweiten Akt ein schönes, metal­li­sches Timbre entfaltet, ist er sich seiner Spitzentöne nicht immer ganz sicher.

Urbain, den Pagen der Königin, inter­pre­tiert Karin Deshayes mit Witz, Geschmei­digkeit und erfreu­lichen stimm­lichen Mitteln.

Nicolas Testé singt mit gedie­genem Bass Raouls Diener Marcel und ist durchaus glaubhaft, wenn er im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Brustton der Überzeugung inmitten der katho­li­schen Höflinge Luthers Choral Ein Feste Burg ist unser Gott anstimmt.  Florian Sempey ist die tragische Figur des Comte de Nevers und Paul Gay mit warmer Bariton­stimme, aber mit sparsamem, eiskaltem Gehaben der fanatische, unerbitt­liche Comte de Saint Bris.

Chor und Solisten sind gut aufein­ander einge­spielt, was wichtig ist in einer Oper, in der Chor und Ensem­ble­szenen vorherr­schen. Ein beson­deres Lob verdient daher auch José Luis Basso, der die fast immer anwesenden Chöre, erst die Männer, dann die Frauen und schließlich den Gesamtchor effektvoll und klang­kräftig zur Geltung bringt. Und natürlich Dirigent Michele Mariotti, der sich mit Schwung redlich bemüht, das Gesamt-Ensemble durch die ewig wechselnden Rhythmen und Stimmungen des Werkes zu steuern.

Es gibt viel Applaus für ein gewal­tiges Werk und eine gewaltige Aufführung.

Alexander Jordis-Lohausen

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