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I PURITANI
(Vincenzo Bellini)
Besuch am
7. September 2019
(Premiere am 25. November 2013)
Trotz seiner Jugend ist Bellini durch seine Opern La Sonnambula und Norma auf einen Schlag europaweit bekannt geworden. Seine unaufdringliche, elegante, lyrische Romantik ist von großer ausdrucksstarker Schönheit. Seine einfachen, fast volkstümlichen, langgezogenen Arien, vom Orchester oft nur ganz schlicht begleitet, begeistern den jungen Verdi: melodie lunghe, lunghe, lunghe! Doch dann wird die nächste Oper Beatrice di Tenda ein völliger Fehlschlag. Enttäuscht beschließt Bellini, Italien zu verlassen und begibt sich auf eine Reise nach London und Paris, wo er und seine Musik bewundert und gefeiert werden.
In der französischen Hauptstadt beginnt er dann, an der neuen Oper I Puritani zu arbeiten. „In Paris werde ich bis jetzt als der Beste nach Rossini beurteilt, und ich hoffe, wenn ich mich nicht täusche, diese Meinung durch meine neue Oper, die gut zu werden scheint, zu bestärken. Auch habe ich sie mit so unbeschreiblicher Sorgfalt instrumentiert, dass ich jedes Mal Befriedigung empfinde, wenn ich mir ein fertiggestelltes Stück ansehe“, schreibt er zu der Zeit an einen Freund. Wohl unter dem Pariser Einfluss hat Bellini das Orchester etwas von der Nur-Begleitrolle emanzipiert und üppiger instrumentiert.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Unter seinen Bewunderern in Paris befindet sich auch Fréderic Chopin. „Einfühlungsvermögen in die Empfindungswelt Bellinis besaß Chopin fast im Übermaß, und seine Nocturnes legen davon ein beredtes Zeugnis ab … Umgekehrt hat Bellini in den Puritani wohlmöglich selbst den Hut vor seinem Kollegen und Bewunderer Chopin gezogen, wenn er die Protagonistin Elvira in ihrer englischen Festung aus gerechnet eine Polacca singen lässt“, schreibt Lotte Thaler.
Schon bei der Uraufführung wird klar, dass ein ebenbürtiges, kohärentes Quartett der Hauptdarsteller für den Erfolg der Oper ausschlaggebend ist. Das legendär gewordene „Pariser Quartett“ wurde dann auch bei den folgenden Aufführungen in London übernommen. Noch ein paar Monate kann Bellini sich an der triumphalen Aufnahme seines neuen Werks erfreuen, bevor er ganz unerwartet 1835 mit 34 Jahren in Paris stirbt.
Laurent Pellys Inszenierung ist immer noch sehenswert. Puritanisch karge, kunstvoll ausgearbeitete Metallgerippe stellen die Burg dar, in der die Handlung abläuft. Sie besteht aus Treppen, Galerien, Räumen, Türmen, es gibt sogar im zweiten Akt einen virtuellen Kamin, in dem ein Feuer brennt. Diese Burg ähnelt einem komplizierten System von Käfigen, die auch einzeln auf die Bühne gestellt werden können. Im Übrigen dreht sich das Ganze um die eigene Achse, wenn das Geschehen es erfordert. Durch einfache Beleuchtungseffekte kann diese Burg zur Silhouette werden, Schatten werfen oder im Licht erstrahlen. Die Atmosphäre und die Beleuchtung sind eiskalt, bieten aber oft reizvolle Schattenrisse des sich drehenden Bühnenbilds. Schlicht und einfach sind die stilisierten Kostüme des 17. Jahrhunderts. Die Choreografie des Chors ist eher einfallslos.

Mit der Rolle der Elvira und dem Dirigenten steht und fällt der Erfolg dieser Oper. Elsa Dreisig hat zwar eine schöne, etwas herbe, eher dramatische Sopranstimme, aber es fehlen dieser Stimme die Nuancen, die leichte Beweglichkeit, die lyrische Romantik, die eine Belcanto-Rolle erfordert. Für jeden jungen lyrischen Sopran ist die lange, schwierige Wahnsinnsszene im zweiten Akt der Puritani eine Herausforderung, ein Test ihrer technischen und musikalischen Fähigkeiten. Elsa Dreisigs Wahnsinnsszene bewegt uns nicht. Ihre Spitzentöne sind forciert, ihre Melismen kommen nicht leicht und perlend, sondern mühsam und ungenau und ihre Stimme ist zu laut, zu dramatisch. Zu wenig weiche mezza voce und zu viele dramatische fortissimi.
Schade. Es ist das umso bedauerlicher, als die übrigen Sänger des „Quartetts“ und die Nebenrollen in den prachtvollen, großangelegten Ensembleszenen mit Chor, die diese Oper auszeichnen, gut besetzt sind.
Janvier Camerena ist mit hellem, wohltimbriertem Heldentenor der leidenschaftliche Lord Arturo Talbot. Seine romantische Liebesarie La mia canzon d’amore im dritten Akt lässt kein Auge trocken. Seinen grimmigen und letztlich doch großzügigen Rivalen Sir Riccardo Forth singt und spielt Igor Golovatenko. Er stellt sich gleich zu Beginn der Oper als klangvoller lyrischer Bariton mit der schmerzerfüllten Arie Il duol che al cor mi piomba vor. Der letzte des Quartetts, der wohlwollende, väterliche Sir Giorgio, wird eindrucksvoll von Nicolas Testé dargestellt, sein warmer voller Bass kommt vor allen in den Ensembleszenen zur Geltung, aber auch im patriotischen Duett mit Riccardo Suoni la tromba in der Schussszene des zweiten Akts.
Mag sein, dass Frizza sich im dramatischen Verdi wohler fühlt als im romantischen Belcanto. Jedenfalls gehen unter seiner Leitung viele Feinheiten und die einfache Melodienfolge Bellinis in einer lauten, fast schon Verdischen Dramatik unter. Auch gelingt es ihm nicht immer, den ausgewogenen Zusammenklang von Solisten, Chor und Orchester zu wahren. Der sonst sehr gute Chor tritt zu oft viel zu laut und martialisch auf.
Das Publikum beklatscht die Ausführenden dennoch freudig. Ein enttäuschender Abend.
Alexander Jordis-Lohausen