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Modernes Ballett zu alter Musik

SEMIRAMIS UND DON JUAN
(Angel Rodriguez, Edward Clug)

Besuch am
27. Mai 2025
(Premiere am 24. Mai 2025)

 

Opéra Comique, Paris

Die Opéra Comique hat die seltene Gabe, immer wieder einmal mit einer beson­deren Überra­schung aufzu­warten. In diesem Fall ist es dem Dirigenten der Aufführung, Jordi Savall, zu verdanken, dass drei selten gegebene Ballett-Werke Glucks zusammen auf die Bühne kommen. Es handelt sich um eine kurze Orches­ter­suite aus Iphigenie in Aulis von 1774, die nur von Orchester gespielt wird. Es folgen die Ballett-Panto­mimen Semiramis aus dem Jahr 1765 und Don Juan aus 1761.

Auf der Suche nach Ästhetik, aber auch nach Moder­nität hat sich das Ballett der l’Opéra national du Capitole in Toulouse mit 35 Tänzern aus vierzehn Ländern zu einem der besten Ballett-Ensembles Frank­reichs entwi­ckelt. Seine Direk­torin, die Berli­nerin Beate Vollack, 2023 vom Opern­ballett in Graz nach Toulouse verpflichtet, hat es sich zu Aufgabe gemacht, das Reper­toire zu erweitern und die Exzellenz des Ensembles zu gewähr­leisten. So hat sie die Saison 202425 in Toulouse mit diesem Ballett­abend, ihrem ersten eigenen Programm, eröffnet, in einer Kopro­duktion mit dem Teatro El Liceu in Barcelona und der Opéra Comique in Paris. Sie hat dabei die Choreo­grafie für Don Juan Edward Clug anver­traut, die für Semiramis Angel Rodriguez.

Das Ensemble Le Concert des Nations, 1989 von Jordi Savall gegründet, spielt auf alten Instru­menten und ist auf Musik vom Barock bis zur frühen Romantik spezia­li­siert. Es erfreut durch eine auffallend volle, klang­reiche Sonorität und Jordi Savall dirigiert es mit der ihm eigenen rigorosen Meister­schaft. Die nur musika­lische Einleitung von Iphigenie in Aulis versetzt einen in die Atmosphäre des ausge­henden 18. Jahrhun­derts. Doch entgegen eventu­ellen Befürch­tungen verbinden sich die beiden folgenden, ganz modernen Choreo­grafien nahtlos und völlig natürlich mit der 250 Jahre älteren Musik.

Foto © David Herrero

Angel Rodriguez erzählt in Semiramis keine Geschichte. Er lässt das Ballett über die legendäre Königin von Assyrien ohne Handlung tanzen, sehr ernst und manches Mal mit einer ästhe­ti­schen, archai­schen Symbolik. Er lässt die Tänzer in rostroten Kleidern oder „Bodies“ mit fließenden Bewegungen und in einer sehr elabo­rierten Körper­sprache ihren Empfin­dungen – oder besser gesagt, denen des Choreo­grafen – Ausdruck verleihen. Der moderne Ausdruckstanz ist sehr genau auf die rasch wechselnden Rhythmen der Musik abgestimmt. Die Beleuchtung begleitet diskret den Tanz. Alles spielt sich vor einem Riesen-Hinter­grunds-Vorhang ab, aus dessen abstraktem Muster man eine Stili­sierung alt-assyri­scher Reliefs ablesen könnte. Rodriguez hat seine Choreo­grafie den Frauen gewidmet. Woke? Man könnte es sich denken, zumal er selbst dazu sagt: „Wirkliche Frau, imaginäre Frau, kreierte Frau, Frau gesponnen auf den Webstühlen des Lebens, die in Jahrhun­derte langen Kämpfen ihre Macht und ihre Schönheit vertei­digen … Ich denke an die starken Frauen, an die Frauen als Töchter, als Schwestern, als Gefähr­tinnen, an alle Frauen der Vergan­genheit, der Gegenwart und der Zukunft.“

Das Zusam­men­treffen 1761 von Gluck mit Calzabigi, dem Textdichter seiner Reform­opern, läutete das Ende der Opera seria und der Tragedie lyrique ein, sowie den Übergang zur Wiener Klassik. Ihre Zusam­men­arbeit begann mit der Präambel zum Ballett Don Juan.  „Die Musik ist reich an feinen maleri­schen Zügen, drama­ti­schen Gegen­sätzen und aufwühlend leiden­schaft­lichen Episoden. Sie deutet die Vorgänge sinnfällig und übertrifft als tänze­rische Programm-Musik weit, was die ‚tragédie lyrique‘ jener Tage zu bieten hatte. Im Finale steht jener dämonische ‚Furientanz‘, der dann hinüber wanderte in den Orpheus, wo er neben dem Reigen der Seligen und der Arie Ach ich habe sie verloren zum Inbegriff origi­naler Orpheus-Musik wurde“,  schreibt Hans Renner über das Ballett.

Edward Clug erzählt eine Geschichte und man merkt, er freut sich über das, was er erzählt und wie er es erzählt. Er schöpft aus dem Vollen und zögert nicht, seinem modernen Ballett stili­sierte Züge der Tänze des 18. Jahrhun­derts, ja, des Spitzen-Tanzes des 19. Jahrhun­derts einzu­fügen. Sogar Kasta­gnetten hat er an einer Stelle Glucks Musik beigesellt. Und er hat Humor, was seiner Choreo­grafie eine zusätz­liche Leben­digkeit verleiht. Man weiß, man braucht sie nicht tierisch ernst zu nehmen. Sie dient der Unter­haltung. Und seine Einfälle sind ausdrucks­stark und mit einer reichen, oft verblüf­fenden Erfin­dungsgabe gefüttert. Das Ballett folgt jedem seiner Winke. Und die Solotänzer – Alexandre De Oliveira Ferreira als Don Juan, Marlen Fuerte Castro als Elvira und Kleber Rebello als Sgana­relle – obwohl sie hier nur selten als Solisten hervor­treten, erfreuen durch eine eindrucks­volle Virtuo­sität. Als einzige Requi­siten auf der Bühne dienen verschiebbare durch­bro­chene Wände und ein hehres Schlachtross, das herein- und hinaus­ge­schoben wird.

Das Publikum im ausver­kauften Haus ist hellauf begeistert.

Alexander Jordis-Lohausen

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