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Foto © Julia Jansch

Wilsons Ballett

LE TROUVÉRE
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
4. Oktober 2018
(Premiere am 29. September 2018)

 

Verdi-Festival, Teatro Farnese, Parma

Der Oktober in Parma steht ganz im Zeichen von Giuseppe Verdi. Der Meister ist im nahege­le­genen Roncole in der Provinz geboren. Auch wenn er selbst zu Lebzeiten nicht in Parma lebte, so wird diese Stadt doch eng mit seiner Person verknüpft. Und die Stadt feiert ihn gebührend mit dem alljährlich statt­fin­denden, nach ihm benannten Opern­fes­tival. So wird die für Schinken und Käse berühmte Stadt auch zur Kultur­me­tropole. Überall hängen Fahnen mit dem Meister, ein Off-Festival reichert das Programm mit vielen kosten­losen Veran­stal­tungen an. Täglich gibt es eine Arie vom Fenster des ehrwür­digen Teatro Regio, dem Opernhaus der Stadt, Einfüh­rungen und Konzerte an verschie­denen sehens­werten stimmungs­vollen Orten, die es in dieser Stadt zahlreich gibt.

So auch das Teatro Farnese, ein archi­tek­to­ni­sches Juwel aus dem 17. Jahrhundert im monumen­talen, überdi­men­sio­nierten Palazzo Pillota, der aber bescheiden nach einem Ballspiel benannt wurde. Mitten in der Stadt türmen sich die hohen Ziegel­mauern dieses Palastes auf. Jeglicher Schmuck an der Außen­fassade fehlt, da der Verputz nicht durch­ge­führt wurde. Innen beher­bergt er das einzig­artige, vollständig aus Holz gebaute Theater in wiederum beein­dru­ckenden Ausmaßen. Der Zuschau­erraum ist ein langge­zo­gener Halbkreis. Wie in einer römischen Arena sind die Sitzreihen auf großen Stufen angelegt. Oberhalb schließen klassische Torbögen den Aufbau ab. Dahinter vermitteln Malereien einen Blick in die ferne Umgebung. Den Bühnenraum säumen jeweils zwei große Säulen mit griechi­schen Kapitelen. Bis zu 3000 Leute kann das Theater fassen, Opern wurden nie aufge­führt, dafür aber Seeschlachten und vereinzelt Schau­spiele, bis es in Verges­senheit geriet, unglaublich, aber zum Glück für die Menschheit. Erst seit wenigen Jahren finden wieder ausge­wählte Konzerte und Opern­auf­füh­rungen mit großen Sicher­heits­auf­lagen statt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Le Trouvére, die selten aufge­führte franzö­sische Version der beliebten Oper il Trovatore von Giuseppe Verdis, wurde dieses Jahr für das Teatro Farnese vom Festival ausge­wählt. Am 12. Januar 1857 wurde sie mit großem Erfolg urauf­ge­führt und erlebte viele Wieder­ho­lungen bis sie Ende des 19. Jahrhun­derts in Verges­senheit geriet. Neben gering­fü­gigen kompo­si­to­ri­schen Verän­de­rungen hat Verdi die für die Grand opéra gefor­derte Ballett­szene von über 20 Minuten hinzu­gefügt. Er selbst war kein Freund dieses Brauches, da er aus seiner Sicht den Handlungs­ablauf verlang­samte und störte. So sieht es auch Robert Wilson, der Regisseur dieser Neuin­sze­nierung. Für ihn ist Verdi ein Komponist, der seine Werke stringent mit einem klaren Handlungs­aufbau wie ein Architekt konstruiert.

In den vier Akten mit je zwei Szenen geht es in diesem Werk um zwei Dreiecks­ge­schichten, jeweils um eine Frau, die mit einem umfang­reichen Handlungs­ablauf und Ortswechsel sehr konse­quent erzählt wird. In seinen eigenen Kommen­taren zur Insze­nierung sieht sich Wilson ebenso als visueller Architekt, der Raum und Stimmung für die Musik schafft. Auch hier sind seine typischen Stilele­mente erkennbar. Schwarzweiß ist der Bühnenraum ohne Aufbau, sondern nur durch Licht­regie gestaltet. Die Personen werden in effekt­volle, fanta­sie­volle Kostüme, kreiert von Julia von Leliwa, gesteckt und bewegen sich mecha­nisch schemenhaft. Maskenhaft sind die Gesichter weiß geschminkt, die Augen­brauen hochge­zogen, um den Gesichts­aus­druck zu verfremden. Immer wieder denkt man an Schat­ten­theater oder Scheren­schnitt. An diesem Abend sind seine Bewegungs­ab­läufe sehr reduziert, eine Inter­aktion zwischen den Charak­teren ist ausge­spart. So wird ohne Umarmung geliebt und gestorben.

Die Protago­nisten werden um weitere Personen auf der Bühne ergänzt, welche die mystische Vorder- und Hinter­grund­ge­schichte der Oper darstellen. So wird ein Kinder­wagen über die Bühne geschoben, der alte Graf Luna beobachtet das Treiben seiner Kinder. Nur in der Ballett­szene geht es munter zu. Da treten der Reihe nach Statisten in dunklen Shorts und T‑Shirts mit knall­roten Boxhand­schuhen auf. Rhyth­misch füllt sich die Bühne und eine Ansammlung von Zweikämpfen findet statt. Der Zusam­menhang zur Handlung darf erraten werden, oder vielleicht teilt Wilson nur die Abneigung Verdis für Ballett­szenen und stellt sie bewusst aus dem Zusam­menhang gerissen dar. Immerhin spielt das Orchester in dieser Szene zum ersten Mal schwungvoll auf und nutzt die Gelegenheit, sich in den Vorder­grund zu schieben.

Foto © Julia Jansch

Roberto Abbado enttäuscht mit seiner Inter­pre­tation des Werkes. Sicher sind akustische Unzuläng­lich­keiten in diesem Raum zu berück­sich­tigen, aber es fehlt an Tempo und Schwung. Das Geschehen kommt nicht in Fahrt, nahezu lähmend lässt er das Orchester zu dem bewegungs­losen Spiel auf der Bühne agieren.

Den Sängern bleibt außer der Stimme so wenig Gestal­tungs­kraft. Giuseppe Gipali als Manrico singt seine Partie ordentlich, erreicht die Spitzentöne, verschenkt aber wenig Farbe oder nuancen­reiche Malerei. Seine reiche Bühnen­er­fahrung verhilft Franco Vasallo zur ausdrucks­starken Darstellung des Grafen Luna. Eifer­sucht, Hass, Triumph und Leid sind hörbar. Sein Timbre kleidet Stimmungen aus. Viel Kraft und Höhe, ein leichtes Schleifen der Stimme zeigt Roberta Mategna als kämpfe­rische Leonore. In der Tiefe verliert sie sich schemenhaft. Wenig Gespens­ti­sches und auch Schamanen-Hexen­haftes erleben wir in der Darstellung von Azucena durch Nino Surgu­ladze. Ihr Mezzo ist hell und rein und verbindet ein liebe­volles Verhältnis zu ihrem Sohn Manrico.

Insgesamt ein bildreicher, ästhe­ti­scher Abend in surrealer Ausge­staltung mit wenig Schwung und Spannung. Das Publikum verliert sich im großen Theaterraum und sitzt nur im Parkett auf rot überzo­genen Sesseln. Die Holzränge sind aus sicher­heits­tech­ni­schen Gründen nicht zu benutzen. Es zeigt sich unent­schlossen zum Urteil des Abends. Überschau­barer Applaus und ein paar Buhs verstummen schnell. Andächtig wird der imposante Theatersaal und Palast verlassen. Auf dem großen, gepflas­terten Platz vor dem Palast verhallen die Schritte in der frischen Herbstnacht.

Helmut Pitsch

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