O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
L’EUROPA
(Alessandro Melani)
Besuch am
15. Juni 2018
(Premiere am 14. Juni 2018)
Vor unseren Augen wird Europa vergewaltigt. Schonungslos, brutal ist die Szene und sie spielt direkt vor dem Publikum, das sich in der prunkvollen Ovid-Galerie in den Neuen Kammern, dem Gästeschloss von Sanssouci, zu einer vermeintlich erquicklichen Barockoper eingefunden hat. Tatsächlich fängt der Abend ganz heiter an. Zu den Klängen von Georg Muffats Europasuite Fasciculus I: Nobilis juventus, die in sieben Sätzen durch verschiedene Nationen führt, verteilt der Erzähler Michael Ihnow an das Publikum Flugtickets in die entsprechenden Länder. Dazu erzählt er in launigem Ton, wie reisefreudig die Deutschen sind. Doch dann kippt die Stimmung. Nicht mehr vom vergnüglichen Fernweh ist die Rede, sondern von Flucht, Vertreibung und den Folgen, ein Thema also, das ganz Europa in diesen Tagen bestimmt. Und das die diesjährigen Musikfestspiele Potsdam in ihrer ersten Opernproduktion aufgreifen.
Gespielt wird L’Europa, ein Musiktheater-Pasticcio aus Texten, Instrumentaleinlagen und der gleichnamigen Kurzoper von Alessandro Melani im Zentrum, die ursprünglich als Prolog zu einem kaiserlichen Rossballett 1667 in Wien gedacht war. Basis ist die griechische Sage von der phönizischen Königstochter Europa, die vom Göttervater Jupiter in Gestalt eines Stieres geraubt und nach Kreta gebracht wird, wo sie dem neuen Erdteil ihren Namen gibt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Regisseurin Deda Christina Colonna und Dramaturg Thomas Höft, gleichzeitig der Autor der Zwischentexte, holen den Mythos in die Gegenwart. Alfred Peter hat den Saalboden mit einem braunweißen Belag bedeckt, der das Stierfell Jupiters symbolisiert, aber genauso das bewegte, schlammige Meer sein könnte. Wenn das Publikum eintrifft, liegt am Eingang bereits eine Frau – es ist Europa – unter ein paar Habseligkeiten, in der Mitte der Spielfläche sitzt ein Mann im Anzug und taxiert sie. Die junge Geflüchtete trifft auf den schmierigen Zuhälter Amor, der sie an Jupiter verschachert. Ihre Gegenwehr nützt nichts. Am Ende passt sie sich den Machtverhältnissen an. Gemeinsam mit Amor tritt sie aus einer Rieseneinkaufstüte mit der Aufschrift Europa heraus. Sie hat ihre einfache Kleidung abgelegt, trägt nun Stöckelschuhe und ein Trikot, das mit der Karte des Erdteils bedruckt ist.

Wie Deda Christina Colonna aus dem Europa-Mythos den Leidensweg einer Migrantin geformt hat, funktioniert, ohne aufgesetzt zu wirken, erstaunlich gut – und ist im Libretto durchaus angelegt. Was stört, sind manche betroffenheitsschwangere Zwischentexte über das Flüchtlingselend, und warum der Erzähler in Frauenkleidung auftritt, erschließt sich auch nicht.
Musikalisch beglückt der Abend ohne Abstriche. Das Gesangstrio lässt sich bewundernswert auf das Inszenierungskonzept ein und singt dabei fabelhaft. Besonders Roberta Mameli gibt der Europa eine stimmliche Intensität und Emotionalität, die berührt. Der Countertenor Nicholas Tamagna lässt als fieser Amor geschmeidige Koloraturen hören, während Renato Dolcini den Giove mit entsprechend markantem Bariton ausstattet.
Die Neue Hofkapelle Graz, deren Mitglieder passenderweise in schlichte orientalische Kluft gekleidet sind, lässt sich von der Vitalität ihres musikalischen Leiters Michael Hell, der zwischendurch auch zur Blockflöte greift, anstecken und fesselt durch ihr energetisches, fein austariertes Spiel.
Großer Beifall nach der ausverkauften Vorstellung für eine verstörende Barockvergegenwärtigung.
Karin Coper