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Liebe statt Waffen

L’EUROPE GALANTE
(André Campra)

Besuch am
22. Juni 2018
(Premiere am 21. Juni 2018)

 

Musik­fest­spiele Potsdam, Orange­rie­schloss Sanssouci

Wenigstens in der Kunst ist es um Europa gut gestellt. Da gibt es keine Barrieren in den Köpfen, es herrscht Aufge­schlos­senheit anderen gegenüber und ein fröhliches Mitein­ander. Das demons­trieren die diesjäh­rigen Musik­fest­spiele Potsdam Sanssouci unter dem Motto Europa – das angesichts heutiger Abschot­tungs­ten­denzen in der Gesell­schaft nicht hätte besser gewählt sein können – auf vielge­staltige Weise. Künst­le­rinnen und Künstler aus mehr als 20 Ländern sind angereist, um „die Musik als Spiel ohne Grenzen für ein harmo­ni­sches Europa zu feiern“, wie es in der Einleitung der Programm­vor­schau heißt. Da gibt es einen Völkerball, bei dem folklo­ris­tische Tänze mehrerer Nationen aufein­an­der­treffen oder das Balkan-Projekt von Christina Pluhar, das klassische und tradi­tio­nelle Musik, unter anderem aus Bulgarien, Bosnien und Griechenland, in einen Kontext stellt, um nur zwei besonders opulente Beispiele zu nennen.

Natürlich steht Europa auch im Mittel­punkt des 1697 urauf­ge­führten Opera-ballets L‘Europe galante von André Campra, das im Orangerie-Schloss gezeigt wird. Aller­dings auf eine ganz spezielle Weise, denn es geht in diesem Barock­spek­takel, mit dem der Komponist ein volks­nahes Gegen­ge­wicht zu der seinerzeit vorherr­schenden pathe­ti­schen Tragödie schaffen wollte,

um die natio­nalen Eigen­arten in der Liebe. Am Beginn steht ein Streit zwischen Venus und der Zwietracht um die Vorherr­schaft in Europa. Aus ihm entwi­ckelt sich ein viertei­liges Singtanz­spiel über die amourösen Sitten und Gebräuche in Frank­reich, Italien, Spanien und der Türkei. Am Ende siegt natürlich Venus.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Regisseur Vincent Tavernier zeigt L‘Europe galante als vergnüg­liches Happening. Auf der Bühne, die Claire Niquet gestaltet hat, stehen verschiedene Utensilien, darunter Pflan­zen­kübel, eine Leiter, Besen und Bürsten, die später in die Aktionen mitein­be­zogen werden, den Hinter­grund bedeckt eine mit einem Himmel bemalte Leinwand. Junge Menschen, zeitlos elegant von Érick Plaza Cochet einge­kleidet, ziehen in den Saal ein, mischen sich unters Publikum und beginnen ein wie impro­vi­siert wirkendes Spiel, bei dem Venus und Zwietracht als Stabpuppen mit von der Partie sind. Vor jedem Abschnitt werden die Nationen von einem Moderator per Losver­fahren ausge­wählt, dann folgen kleine Bezie­hungs­ge­schichten, in denen je nach Menta­lität geliebt und gelitten wird. Die Franzosen geben sich kokett, die Italiener machen aus den Gefühlen ein großes Drama, die Spanier sind roman­tisch veranlagt und die Türken agieren hoheitsvoll.

Foto © Stefan Gloede

Taver­niers Insze­nierung besticht mit einfachsten Mitteln und jeder Menge an Fantasie. Hier eine venezia­nische Maske, dort ein spani­scher Fächer und als Krönung ein Sultan auf einem fliegenden Teppich: Mit den wechselnden Requi­siten stellt sich sofort die richtige Stimmung ein. Wobei der Regisseur auf ein Ensemble setzen kann, das mit erfri­schender Natür­lichkeit und leichter Hand agiert und dazu für musika­li­schen und tänze­ri­schen Genuss sorgt.

Chantal Santon Jeffery, Eugénie Lefebvre, Aaron Sheehan und Clément Debieuvre sowie die Chorver­ei­nigung Les Chantres Centre de Musique Baroque de Versailles bieten stilsi­cheren Gesang vom Feinsten, der immer wieder unter­brochen wird durch Ballett­ein­lagen – Marie-Geneviéve Massé hat sie für die mitrei­ßende Compagnie de Danse l’Eventail choreografiert.

Der Dirigent Patrick Cohën-Akenine kitzelt ein Höchstmaß an Farben und Rhythmen aus Campras abwechs­lungs­reicher Partitur heraus und kann sich dabei der Versiertheit seiner Instru­men­ta­listen – das franzö­sische Ensemble Les Folies Françoises und das tsche­chische Collegium Marianum demons­trieren länder­über­grei­fende orches­trale Partner­schaft – sicher sein.

Der Beifall ist groß nach dieser Opern­pro­duktion. Sie ist zugleich die letzte von Andrea Palent, die als künst­le­rische Leiterin die Musik­fest­spiele Potsdam fast 30 Jahre lang geprägt und zu einem inter­na­tional beach­teten Festival ausgebaut hat. Ihre Nachfolge wird die renom­mierte Block­flö­tistin Dorothee Oberlinger antreten.

Karin Coper

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