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Tod und Auferstehung

LAZARUS & LONELY CHILD
(Franz Schubert, Claude Vivier)

Besuch am
30. November 2019
(Premiere am 22. November 2019)

 

Hans-Otto-Theater, Friedens­kirche, Potsdam

Eigentlich sollte die diesjährige Potsdamer Winteroper, eine Kopro­duktion mit dem Hans-Otto-Theater und veran­staltet von der Kammer­aka­demie Potsdam, wieder im Schloss­theater Sanssouci statt­finden. Aber wie das so ist mit dem Bauen. Die Sanie­rungs­ar­beiten kamen nicht zum geplanten Ende, die Wieder­eröffnung mit Mozarts La clemenza di Tito musste abgesagt werden. Statt­dessen ist man wiederum zu Gast in der imposanten Friedens­kirche, und an Stelle von Mozart gibt es einen Doppel­abend mit Schuberts Oratorium-Fragment Lazarus und der zeitge­nös­si­schen Sopran­szene Lonely child von Claude Vivier aus dem Jahr 1980.

Im Zentrum der Kirche befindet sich eine erhöhte Spiel­fläche, überspannt von einem Baldachin. Ein paar Palmen deuten die orien­ta­lische Umgebung an. Hier liegt Lazarus auf einer Bahre, umgeben von seiner Familie. Der Regisseur Frederic Wake-Walker, der gleich­zeitig die Ausstattung verant­wortet, lässt das Publikum daran teilhaben, wie die Angehö­rigen den Sterbe­prozess bis zum Tod begleiten, zur letzten Station wird die Grablegung. Die Aktionen sind sparsam, die Perso­nen­regie ist dezent, meist wird ergriffen herumgestanden.

Die Aufer­we­ckung von den Toten ist die tröst­liche Botschaft der Lazarus-Episode aus dem Johannes-Evangelium. Schuberts auf drei Teile angelegte, unvoll­ständig gebliebene Vertonung von 1820 aber endet mit dem Begräbnis. Auf einen optimis­ti­schen Ausblick will Wake-Walker trotzdem nicht verzichten. Deshalb lässt er auf das nur gut eine Stunde dauernde geist­liche Werk pausenlos Lonely child folgen. Das eigentlich meditative Schlaflied deutet er zu einer Zukunfts­vision um und insze­niert es als futuris­ti­sches Spektakel.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Gezeigt wird in diesem Finale eine kunter­bunte, umher­tol­lende Gesell­schaft, die, von Linda Tiebel kostü­miert à la Star Wars, einem Science-Fiction-Film entsprungen sein könnte. Mittendrin befindet sich ein Kind in Rüstung mit Plastik­an­hängsel, bei dem es sich um den Künder einer neuen Generation handeln mag. Verrätselt ist dieser Schluss, wie überhaupt die Kombi­nation der beiden Werke nicht schlüssig wirkt.

Die musika­lische Seite überzeugt hingegen voll und ganz. Die Potsdamer Kammer­aka­demie ist blendend aufgelegt, der Vocal­kreis Potsdam steuert von den Seiten­rängen aus homogene chorische Einwürfe bei.

Die musika­lische Leitung hat Trevor Pinnock, eine Kapazität für Alte Musik, der auch für die opern­hafte Dramatik von Schuberts Fragment und die meditative Klang­sinn­lichkeit ein feines Gespür hat. Prominent besetzt ist Toby Spence als Lazarus, doch stehen ihm Angelo Pollak als Nathanael und Ashley Riches als Simon an kulti­viertem Vortrag nicht nach. Lauryna Bendžiū­naitė verbreitet als Mädchen Jemina innig-lyrischen Sopran­klang. Sarah Aristidou, kurzfristig für die indis­po­nierte Dorota Szcze­pańska einge­sprungen, singt ihren Part vom Orchester aus so sicher, dass man die kurzfristige Übernahme nicht merkt. Der größte Part gehört Johanna Winkel, die Viviers expressiv-sinnliche Vokal­linien mit großem Wohllaut ausfüllt.

Das Publikum in der ausver­kauften Friedens­kirche spendet allen Mitwir­kenden nach der gut neunzig­mi­nü­tigen, pausen­losen Aufführung langan­hal­tenden Beifall. Für 2020 ist Benjamin Brittens The rape of Lucretia angekündigt, dann voraus­sichtlich im Schloss­theater Sanssouci.

Karin Coper

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