O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
SUNSET BOULEVARD
(Andrew Lloyd Webber)
Besuch am
28. April 2018
(Gastspiel)
In schöner Regelmäßigkeit gastiert das Staatstheater Cottbus im Hans-Otto-Theater Potsdam und füllt damit die Lücke, die durch die Abschaffung der hiesigen Opernsparte entstanden ist. Diese Spielzeit hat bereits Offenbachs Ritter Blaubart vorbeigeschaut und dabei die direkte Konkurrenz zur Neuproduktion an der Komischen Oper Berlin gewonnen. Nun, knapp zwei Monate später, folgt das Musical Sunset Boulevard von Andrew Lloyd Webber, mit dessen Inszenierung sich Cottbus in die Glückwünsche zum 70. Geburtstag des Komponisten im März dieses Jahres einreiht.
Sunset Boulevard beruht auf dem gleichnamigen Filmklassiker von Billy Wilder. Er handelt von der ehemaligen Stummfilmdiva Nora Desmond, die sich in einer bizarren Scheinwelt eingerichtet hat. Als der erfolglose Drehbuchautor Joe Gillis durch Zufall in ihr Leben tritt, macht sie ihn zu ihrem Geliebten. Mit seiner Hilfe versucht sie ein Comeback, ohne dabei zu erkennen, dass sie nicht mehr gefragt ist. Am Ende erschießt sie Gillis aus Verzweiflung und Eifersucht. Ihre Verhaftung durch die Polizei realisiert sie nicht mehr. Im Wahn glaubt sie, zu einem Filmdreh gefahren zu werden und zelebriert ihren letzten großen Auftritt.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Sunset Boulevard zeigt ein gnadenloses Bild von Hollywood und bietet zudem eine Paraderolle für reifere Film- und Bühnengrößen. Wie Glenn Close, die die Rolle am Broadway spielte, wie Schlagersängerin Gitte Haenning, die sie in der Lübecker Inszenierung übernahm oder Angelika Milster jüngst in Altenburg.

Solch prominenten Namen und auch das entsprechende Alter besitzt Isabel Dörfler noch nicht. Doch in punkto stimmlicher Vielschichtigkeit und darstellerischer Präsenz kann sie mit ihren bekannteren Kolleginnen ohne weiteres mithalten. Ihre Norma agiert in manierierten Posen, ist erstarrt in einem Korsett der Erinnerungen und Illusionen. Doch dahinter lässt sie brodelnde Gefühle und Ängste spüren, die, wenn sie ausbrechen, wie etwa nach ihrem Selbstmordversuch, besonders ergreifend wirken. Gillis spielt Hardy Brachmann als entscheidungsschwachen Mann, der zwischen Anziehung und Abstoßung für Norma und Hollywood hin- und hergerissen ist, gipfelnd in dem aggressiv-impulsiv vorgetragenen Titelsong Sunset Boulevard. Mit jugendlicher Frische und Natürlichkeit verleiht Claudia Müller der in Gillis verliebten jungen Produktionsassistentin Betty Glaubwürdigkeit. Und auch Heiko Walter überzeugt in seiner beherrscht-zurückgenommenen Art als aufopferungsvoller Butler. Auf höchstem Niveau präsentiert sich das übrige Ensemble, in dem selbst verdiente Solisten, die sonst in Hauptrollen auf der Bühne stehen, miteinbezogen sind. Ob Gesine Forberger, eine Elektra von Format, Carola Fischer, die Boulotte im Ritter Blaubart, oder der vielseitige Tenor Jens Klaus Wilde: ihre prägnanten Kurzauftritte demonstrieren fachübergreifendes Können.
Die individuelle Personenzeichnung ist auch dem Regisseur Klaus Seiffert zu verdanken, der auf der funktional, dennoch stimmig ausgestatteten Drehbühne von Barbara Krott ein packendes Drama inszeniert.
Die großen Emotionen setzen sich im Orchestergraben fort. Der Dirigent Alexander Merzyn entfaltet mit dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters einen prächtigen, nur bisweilen zu lauten und deshalb die Sänger überdeckenden Sound.
Standing ovations nach der ausverkauften Vorstellung. Dass es hinter den Kulissen des Cottbusser Theaters gärt, merkt man nicht. Denn gerade wurde bekannt, dass der langjährige Generalintendant Martin Schüler wegen Querelen mit dem Musikdirektor Evan Christ zurückgetreten ist und damit eine Ära zu Ende geht.
Karin Coper