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DIE SPIELER
(Ruth Heynen)
Besuch am
16. Juni 2018
(Premiere)
Die im großen Rund sitzenden Zuschauer wundern sich über einige „schräge“ Gestalten in den Sitzreihen: Eine „goldfarben“ aufgedonnerte mittelalterliche Dame, ein Herr mit Pelzmütze und in metallisch glänzendem Overall, der große Grauschopf, eine auf bunt gemachte Natascha als Russenverschnitt … klar, alles Schauspieler, die den Zuschauern im Laufe des Abend noch häufiger nahekommen.
„Die Würfel sind gefallen “ oder „Les jeux sont faits!“, wieder verfliegen alle Hoffnungen, enttäuscht das „sichere System“, zerrinnen alle Pläne, die dem russischen Hauslehrer Alexej Iwanowitsch nur so aus dem Kopf fliegen, wenn – ja, wenn er endlich am Spieltisch gewönne. Alle hoffen mit Alexej, der nie Geld hat, keiner im Ort ist überrascht, als es wieder einmal heißt: „ Alexej braucht Geld.“ – ja, eigentlich braucht er immer Geld. Da hilft doch nur „Alles auf Rot“ wie vordem schon mehrfach. Fjodor Dostojewski, dessen Roman Der Spieler stark autobiografische Züge trägt, war selbst spielsüchtig, er weiß, wovon er schreibt. Allmählich steckt Alexej mit seiner Hoffnung, nein, seiner Spielsucht alle an, Polina, Marja, Apollon … schließlich den ganzen Ort „Roulettenburg“, und alle hoffen und spielen, bis wirklich nichts mehr geht.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Schauspiel | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Aber das ist ja noch die „Erbtante aus Amerika“, auf deren Ableben Alexej dringend wartet, doch sie ist zäh. Plötzlich taucht eine ältere Dame im dezenten Grau mit Reisegepäck auf und mischt den Ort auf – endlich wird es bunt. Bei Polina, bei Marja, das Leben kann neu beginnen. Als Tante Antonia dann ihr ganzes beträchtliches Vermögen ebenfalls zur Spielbank bringt, kennt die Freude in Erwartung des großen Gewinns keine Grenzen mehr. Alle warten auf das „Nichts geht mehr.“ Doch die Spielbank spielt nicht mit … „Les jeux sont faits!“.

Ruth Heynen, Frank Hoffmann und das Ensemble haben das umfangreiche Gesellschaftsbild, das Dostojewski in seinen Romanen Der Spieler und Aufzeichnungen aus dem Untergrund zeichnet, auf ein übersichtliches Kammerspiel reduziert, das mit dem Platz auf einer kleinen Rundbühne und 15 Darstellern auskommt.
Das kleine Theater und die Rundbühne haben den Charme, die Schauspieler und deren Aktionen nahe an die Zuschauer heran zu bringen, ja, teilweise mit in das Geschehen einzubeziehen, und das gelingt ohne Krampf. Ein wesentlicher Grund dafür sind die komödiantische Spiellust und die Intensität, mit der sich alle Beteiligten in ihre Rollen stürzen.
Wichtige Soundeffekte kommen von René Nuss, der aus einem Minischlagzeug erstaunliche Stimmungen zaubert. Wolfram Koch hat die dankbare Aufgabe, die schräge Tante aus Amerika auf die Bühne zu bringen, seine Darstellung ist einfach umwerfend komisch. Auch die übrigen Schauspieler, von Ulrich Gebauer als Alexej über Ulrich Kuhlmanns General und Jacqueline Macaulay als Polina oder Anne Moll als Marja sprühen vor komödiantischer Spiellust, das Publikum amüsiert sich köstlich. Und eigentlich geht es immer nur um das Geld, das aber keiner hat, am Roulette-Tisch, auf der Drehbühne. Statt eines, des Spielers, sind es am Schluss alle, die Spieler.
Frank Hoffmann verabschiedet sich mit dieser wunderschön doppelbödigen Inszenierung, einem herrlichen Bühnenspaß gemeinsam mit zahlreichen Wegbegleitern von den Ruhrfestspielen und seinem Publikum, damit es für die große Schlussgala am Sonntag wieder fit ist.
Horst Dichanz