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Foto © Katrin Ribbe

Ich, ich – Bertolt Brecht

DIE VERLORENE OPER. RUHREPOS 
(Thorleifur Örn Arnarsson, Albert Ostermaier)

Besuch am
13. Juni 2018
(Urauf­führung)

 

Ruhrfest­spiele Reckling­hausen, Großes Haus

Die für eine „Indus­trieoper“ 192728 vorge­se­henen Autoren Brecht und Weill wollten sich durch einen Besuch vor Ort einen persön­lichen Eindruck vom diesem Indus­trie­moloch Ruhrgebiet verschaffen, auch der Isländer Thorleifur Arnarson und Albert Oster­maier aus München sind wohl mit dem Ruhrpott eher wenig vertraut. Zu einer Besich­ti­gungs­reise, die inkognito erfolgen sollte, ist es nicht gekommen …

Und auch auf das Ruhrepos, das ein „avant­gar­dis­ti­sches Theater­projekt episch-dokumen­ta­ri­schen Charakters“ hätte werden sollen, warten Theater und Publikum bis heute vergeblich – trotz der Urauf­führung während der diesjäh­rigen Ruhrfest­spiele. Nur dieje­nigen Zuschauer, die das Beiheft sorgfältig vor der Aufführung studiert haben, werden nicht überrascht sein von der Perspektive, „was für ein Werk hätte das werden können“. Bis heute „lebt das Ruhrepos in den Köpfen weiter“…

Der mit vier Stunden zu lange Abend gliedert sich in zwei Teile: Der erste, größere Teil schildert ausführlich die bürokra­tisch-politisch-drama­tur­gi­schen Überle­gungen und Verhand­lungen, die zwischen Brecht und Weill einer­seits und den Vertretern der Stadt Essen ander­seits ausge­tauscht wurden und schließlich zu der ernüch­ternden Mitteilung des Essener Beigeord­neten Hüttner führten, „dass ein Auftrag zur Herstellung … des geplanten Ruhr-Epos vorerst nicht erteilt werden könne“.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Auf den verzwickten Fluren und einer ganzen Reihe von Bürokra­tie­sta­tionen vulgo Schreib­ti­schen der damaligen Essener Stadt­ver­waltung sorgt eine ganze Schar von uniformen Bürokraten dafür, dass die Absichten des damaligen Oberbür­ger­meisters Franz Bracht langsam, aber sicher den normalen Verwal­tungstod sterben. Das Ende der Tragödie können auch die zahlreichen, zum Teil durchaus witzigen Bemer­kungen, Seiten­hiebe und Regie­ein­fälle zu Elfriede Jelinek und der Jury der Mülheimer Stücketage, mit denen Oster­maier diese Verwal­tungs­ge­schichte garniert, kaum verschönern – gut gemeint eben. Einem größeren Teil des Publikums reicht das nicht, sie suchen eine Linie, da helfen auch die Hinter­grund­pas­sagen des fleißigen Pianisten wenig – sie machen zur Pause „Schicht“.

Foto © Katrin Ribbe

Nach der Pause geht das „Epos“ weiter. Mit freien Texten und Gedichten präsen­tiert Oster­maier vertraute Mosaik­steine aus dem Pott: der einsame Kumpel, das Dunkel unter Tage, die Tauben im Schlag und beim Aufstieg, die Frage nach den Ewigkeits­kosten, die zwischen Kohle­industrie und dem Land  immer wieder hin und her geschoben werden. In Harlekin- und Clowns­kos­tümen verfremden die Schau­spieler und einge­spielte Barock­musik die Video­auf­zeich­nungen, die als Realauf­nahmen im Hinter­grund laufen, häufig überein­ander kopiert und eine dichte Atmosphäre erzeugend. Kurze Inter­view­aus­schnitte aus einem Gespräch mit einem der letzten Bergleute vermitteln eine emotionale Stimmung, deren Authen­ti­zität berührt. Lebendig und wirkungsvoll gelingen häufig die Video­ein­spie­lungen von Christian Schäfer und Jenny Kleemeyer, die Stimmungen und Sachver­halte einfangen. In einem manchmal bewegenden, langen Schluss­mo­nolog gewährt Aljoscha Stadelmann den Zuschauern einen Blick in das Innere eines Bergmanns, der vor dem Ende seines Arbeits­lebens steht.

Das Schlussbild wirkt zwiespältig: Wieder steigt ein großer Schwarm Brief­tauben auf, die Vögel scheren­schnitt­artig verfremdet, und nimmt immer mehr die Gestalt von Papier­schnipseln an, die der Wind durch die Video­pro­duktion weht – die letzten Überbleibsel des Ruhrepos? Die Geschichte des Ruhrpotts, der Alltag der Menschen, die dort arbeiten und leben, bietet mehr als die Spots und Kurzge­schichten, die Oster­maier und Arnarsson dem Publikum präsen­tieren. Noch immer wartet die Theaterwelt auf die „Refor­mierung des Theater­be­triebes“, wie sie der damalige Essener Opern­di­rektor Rudolf Schulz-Dornburgim Sinne hatte. Noch immer ist das Publikum gespannt, „was für ein Werk hätte das werden können“.

Auch wenn die Figuren zahlreiche Geschichten aus dem Bergmanns­alltag erzählen und Video­clips oder dokumen­ta­rische Filmstreifen die Stimmung der arbeitslos werdenden Bergleute einfangen, die Koope­ra­ti­ons­arbeit zwischen Reckling­hausen und Hannosver reicht nicht für ein Ruhr-Epos aus.

Horst Dichanz

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