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Foto © Arno Declair

Chomosomologisch – blondäugig – blauhaarig

WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF?
(Edward Albee)

Besuch am
24. Mai 2019
(Einma­liges Gastspiel)

 

Ruhrfest­spielhaus Reckling­hausen, Großes Haus

Was aus dieser von einigen Papier­lam­pions spärlich beleuch­teten Mitter­nachts­party im Garten des Geschichts­pro­fessors George und seiner etwas älteren Gattin Martha noch alles werden soll, ahnen selbst die Betei­ligten nicht. Zwar lassen die beiden hochpro­zentig bestückten Barwagen manches erahnen, der dunkel die Bühne überra­gende ast- und blattlose Baumstamm hinter der Szene  bleibt rätselhaft, und George unwillig bis zum Wider­stand gegenüber den von Martha zu später Stunde einge­la­denen Gästen. Jeder Betrachter kennt dieses zwischen Illusion und Wirklichkeit changie­rende Bezie­hungs­spiel. In der Insze­nierung von Karin Beier, Hamburg, hat Thomas Dreißig­acker diesen Klassiker des modernen Kammer­spiels äußerst sparsam einge­richtet: Ein zweistu­figes, bühnen­fül­lendes Podest, zwei Servier­wagen mit reichlich Prozenten und ein Baumstamm, dessen Bedeutung erst in der Schluss­szene enträtselt wird. Alle übrige Inter­pre­tation liegt bei den Schau­spielern und den Zuschauern und ist dort bestens aufge­hoben. Dabei bleibt das Stück in der Perso­nenzahl mit zwei Paaren sehr übersichtlich.

Wenn schon das Programmheft in Stil einer Trauer­an­zeige warnend darauf hinweist, dass im Stück „lebens­ge­fähr­liche Mengen alkoho­li­scher Getränke konsu­miert“ werden, die Figuren aber von „nicht alkohol­kranken Darstellern gespielt werden“, ist bereits eine der Energie­quellen des Stückes genannt: der Alkohol. Zum anderen lebt das Stück von der Darstel­lungs­kraft und Spiel­freude der Schau­spieler. Doch ihr Spiel rankt sich um und belebt einen origi­nellen und witzigen Text, den zwei Meister der deutschen Sprache, Alissa und Martin Walser treffend und erfin­dungs­reich ins Deutsche übersetzt haben.

Foto © Arno Declair

Die entschei­dende Frage, die Edward Albee detail­genau und wortge­wandt in Wer hat Angst vor Virginia Woolf? stellt, ist wirklich nicht neu und überrascht den Zuschauer dennoch immer wieder: Illusion oder Wirklichkeit?  Und Maria Schrader, David Striesow, Josefine Israel und Matti Krause bringen sie verwirrend, authen­tisch und mit viel Spielwitz auf die Bühne. Maria Schrader alias Martha gibt eine neuro­tische, gern auch ein wenig obszöne und streit­süchtige Partnerin des neuro­ti­schen Professors, dem David Striesow sowohl herrsch­süchtige wie weltfremde Züge verleiht. Josefine Israels Kopfleis­tungen sind die langen blonden Haare, und Matti Krause als etwas zurück­ge­nom­mener Biologe Nick macht bei der blonden Süßen nicht halt. Ihre Antworten sind chaotisch, lebensnah oder absurd und schmerzen mehr als einmal. Die Figuren nehmen sich Zeit für ihre Konver­sation, Karin Beier setzt auch Momente des Schweigens geschickt ein und trägt so zur Spannung bei. Auch wenn einige Szenen im entspre­chend plüschigen Arran­gement an die „Grenzen“ gehen, entschuldigt sich das Team im Programmheft, dass „unter keinen Umständen Nackte zu sehen sein werden.“ – jeden­falls nicht auf der Bühne. Die verbor­genen Gedanken der Zuschauer, … Illusion oder Wirklichkeit? Der Alltag in Bezie­hungen – heftig überzogen und lebensnah. Ein begeis­tertes Publikum hat allen Grund, diese Aufführung zu feiern und seiner Begeis­terung über reichlich lange Minuten Ausdruck zu verleihen: Wirklichkeit.

So erleben die Zuschauer einen sparsam insze­nierten, modernen Klassiker in neuem Gewand, der die haarsträu­benden Probleme einer Beziehung bissig und genau auf den Punkt bringt, sie scharf überzeichnet und schließlich doch – für die Protago­nisten schmerzhaft – zurück in die Wirklichkeit holt. Ausgezeichnet.

Horst Dichanz

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