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REBECCA SAUNDERS PORTRAIT
(Rebecca Saunders)
Besuch am
25. August 2018
(Einmalige Aufführung)
Es ist nicht selbstverständlich, dass erstaunlich viele Frauen ausgerechnet auf dem nicht gerade populären Feld der Avantgarde über Jahrzehnte hinweg dauerhafte Erfolge feiern können. Auch oder gerade, wenn man so kompromisslos auftritt wie Sofia Gubaidulina, Adriana Hölszky oder Olga Neuwirth. Rebecca Saunders, die 50-jährige Engländerin, die seit langem in Berlin arbeitet, gehört zu den Sensibelsten unter ihnen. Ihr widmete die Ruhrtriennale jetzt ein denkwürdiges Portrait-Konzert mit drei charakteristischen Werken im nahezu voll besetzten Salzlager der Essener Zeche Zollverein. Wenn eine Spitzenformation wie das Ensemble Modern, das mit der Musik von Rebecca Saunders quasi aufgewachsen ist, mit von der Partie ist, können sich die Schönheiten ihrer Musik makellos entfalten.
| Dirigent | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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| Programm | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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Auch wenn der Abend wenig zum zentralen, um den afrikanischen Kontinent kreisenden Generalthema der diesjährigen Triennale beitragen konnte, wurde durch den aus Simbabwe stammenden Dirigenten Vimbayi Kaziboni ein Bezug zum Leitmotto hergestellt. Und Kaziboni ist mit der Neue-Musik-Szene Deutschlands so eng vertraut, dass er das wie immer fabelhafte Ensemble Modern sicher durch den ebenso entspannenden wie spannenden Abend führen kann. 1988 in Simbabwe geboren, sammelte der junge Dirigent in Amerika und in Deutschland reiche Erfahrungen im Umgang mit Neuer Musik, unter anderem auch als Assistenzdirigent des Ensembles InterContemporain unter Leitung von Matthias Pintscher.

Drei Werke stehen auf dem Programm, von denen man auf dem dürftigen Programmblatt leider wenig erfährt. Das betrifft vor allem Skin für Sopran und dreizehn Instrumente aus dem Jahre 2016. Die von der Komponistin und Samuel Beckett stammenden Texte hätten unbedingt abgedruckt werden müssen. Skin, die Verletzlichkeit der Haut, spiegelt sich in den äußerst filigran geschliffenen klanglichen Glasperlenspielen des Ensemble-Parts wider, die durch die expressive Gesangsleistung von Juliet Fraser emotional aufgeheizt wird. Eine Sopranistin, die alle Techniken avantgardistischer Tonerzeugung vom Röcheln bis zum hochdramatischen Ausbruch souverän beherrscht. Ein Werk, das unter die Haut geht und im dynamisch weit gefächerten Solo-Part die Belastbarkeit der „Häute“ intensiv ausreizt, ohne sie zu verletzen. Hier erweist sich die stilistische Flexibilität der englischen Sopranistin, die sich sowohl in der Barockmusik als auch in der Avantgarde gleichermaßen wohlfühlt, als zusätzlicher Gewinn.
Ruhiger geht es vor der Pause im Konzert für Kontrabass und Ensemble Fury II zu, dessen an der Grenze des Hörbaren entlang schlängelnde Klänge sich kaum von denen des Stücks a visible trace für elf Solisten und Dirigent unterscheidet, so dass die minutiös ausgefeilten Töne eine eher narkotisierende Wirkung erzielen. Im Kontrabasskonzert ist das Solo-Instrument so eng in den Orchesterklang integriert, dass die spieltechnischen Anforderungen, die Paul Cannon bewältigen muss, kaum wahrgenommen werden können.
Und der im Untertitel versteckte Widerspruch im Ensemblestück a visible trace, einem Werk für „elf Solisten und einem Dirigenten“, was sich im Grunde ausschließt, wird angesichts der zarten, äußerst raffiniert gestrickten Klangdelikatessen geradezu aufgesogen. Ein kleines Manko im Rahmen eines Konzerts, das der Bedeutung der Komponistin dennoch vollauf gerecht wurde. Nicht zuletzt durch die versierten Leistungen des Ensembles Modern und seiner Mitstreiter.
Viel Beifall für alle Mitwirkenden und die anwesende Komponistin. Ein Abend, der zeigt, dass Musik auf der Höhe der Zeit nicht abschreckend wirken muss und von tiefer emotionaler Wärme erfüllt sein kann. Eine Botschaft, die viele ihrer Kollegen ernst nehmen sollte.
Pedro Obiera