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Foto © Marco Borelli

Krieg der Primadonnen

ADRIANA LECOUVREUR
(Francesco Ciléa)

Besuch am
28. Juli 2019
(Premiere)

 

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus

Tausende Swarovski-Kristalle funkelten auf ihrer edlen smaragd­grünen Robe schon bei ihrem ersten Auftritt und dann im nächsten Akt auf ihrem ebenso geschmack­vollen orange­far­benen Kleid. Und von Anfang funkelt auch ihr edler Sopran: Anna Netrebko singt nicht nur großartig, sondern sie weiß sich auch zu insze­nieren: So wie diesmal bei Adriana Lecou­vreur von Francesco Cilèa, eine Oper, die jetzt in konzer­tanter Form bei den Salzburger Festspielen aufge­führt wurde. Und man wundert sich, warum dieses Werk, das seine Urauf­führung 1902 in Mailand erlebte, so selten aufge­führt wird. Zwar hat der italie­nische Komponist außer dieser Oper bei immerhin fünf Opern insgesamt keinen weiteren musik­dra­ma­ti­schen Erfolg liefern können. An der Musik kann es nicht liegen, denn dieser Verismo-Edelreißer sprüht nur so von eingän­gigen Melodien, einige Arien haben auch durchaus Ohrwurm­cha­rakter, schim­mernder Lyrik und Leitmo­tiven, die das Geschehen zart durch­ziehen wie auch von donnernder Dramatik. Wahrscheinlich liegt es doch vielmehr am Libretto von Arturo Colautti, dem ein Stoff von Eugéne Scribe zugrunde liegt, mit der schwer nachzu­voll­zie­henden Brief­in­trige, der heute kaum glaub­haften Ermordung durch giftver­seuchte Veilchen. Dazu haben außer den beiden um den gleichen Mann kämpfenden Rivalinnen, die Titel­heldin und die Fürstin Bouillon, weder der gemeinsame Liebhaber Maurizio, Graf Moritz von Sachsen, noch der Fürst Bouillon wie auch der alte, die Schau­spie­lerin schon ewig liebende Inspi­zient Michonnet ein echtes Profil. Aber immerhin setzt das Dreiecks­ver­hältnis rund um die Diva packende, drama­tische Effekte frei.

Foto © Marco Borelli

Adriana, eine histo­rische Figur aus der Voltaire-Zeit, ist eine hübsche Prima­donna der Schau­spiel­bühne. Netrebko ist eine hübsche Prima­donna der Opern­bühne, die diese Partie geradezu ideal verkörpert. Und trotz konzer­tanter Aufführung gemeinsam mit den anderen Protago­nisten durchaus spielt. Sie wird zum mädchen­haften Wesen, das in eine Traumwelt eintaucht und das zwischen realen Leben und Schau­spiel nicht immer zu unter­scheiden weiß. Bestechend sind ihre Pianissimi, ihre makellose Technik, ihr Legato, alle ihre Spitzentöne und ihre hohe musika­lische Sensi­bi­lität. Ihre lange Sterbe­szene weiß sie mit vielen, zarten Schat­tie­rungen zum Schluss völlig entrückt voll auszu­kosten. Eine prächtige Bühnen­er­scheinung mit enormer Präsenz und manchmal fast zu großer Wucht ist auch Anita Rachve­lishvili als ihre Rivalin. Sie singt die Fürstin Bouillon mit dunklem Mezzo. Die drama­tische Wucht ihrer Töne verschmilzt mit nie bröckelnder Klang­fülle. Yusif Eyvazov als umwor­bener Maurizio wirkt anfänglich etwas angestrengt, singt ihn dann mit ungefähr­deten Spitzen­tönen und dem ihm eigenen, gewöh­nungs­be­dürf­tigen Timbre in den unteren Lagen. Nicola Alaimo als verliebter Michonnet singt aber sehr kraftvoll und kernig. Er ist der Ruhepol des Geschehens und stets anwesender freund­schaft­licher Halt für die Prima­donna. Vom übrigen, reich besetzten Ensemble gefallen noch Andrea Giovanini als intri­ganter Abate mit schön geführtem Tenor, wie auch Mika Kares als stimm­ge­wal­tiger Fürst. Homogen hört man den Philhar­monia Chor Wien, den Walter Zeh in bewährter Form einstu­diert hat.

Reich aufge­fä­chert hat Marco Armiliato die reizvollen Klang­farben der vielschich­tigen Partitur im Mozarteum-Orchester Salzburg. Da ist Platz für Lyrik, Ironie und Dramatik. Nur ganz selten werden die Emotionen zu hitzig und der Phonpegel etwas überzogen.

Am Ende überschlägt sich das Publikum mit Jubel und stehenden Ovationen.

Helmut Christian Mayer

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