O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Bernd

Von Neurotikern und Fanatikern

THE BASSARIDS
(Hans Werner Henze)

Besuch am
19. August 2018
(Premiere am 16. August 2018)

 

Salzburger Festspiele, Felsenreitschule

Dionysus wurde von Zeus und Semele gezeugt. Semele verbrannte, als sich ihr Gottvater in voller Pracht zeigte. Theben ist seither in zwei Lager gespalten, in Gläubige und Ungläubige: In einem 15-minütigen, teils gespro­chenen Prolog ohne Musik zeigt uns Krzysztof Warli­kowski zum besseren Verständnis die Vorgeschichte.

Erst hier setzt nun die Oper The Bassarids von Hans Werner Henze ein. Der polnische Regisseur, der als Psycho­ana­ly­tiker der Oper gilt, ist in erster Linie an den Traumata der handelnden Figuren der auf den Bakchen von Euripides – aus 406 v. Chr. – basie­renden antiken, grausamen Geschichte von Wystan Hugh Auden und Chester Simon Kallman inter­es­siert: Pentheus, der Enkel des Gründers von Theben Kadmos, wird König der Stadt. Zur großen Verun­si­cherung der Situation tragen die Gerüchte von der Rückkehr des Halbgottes Dionysus bei. Zum Schluss eskaliert die Lage: Pentheus wird von der eigenen Mutter geköpft und Theben geht in Flammen auf. Warli­kowski zeigt eine zeitlose, aktuelle Story über Radika­li­sierung und Macht­struk­turen sowie die Verführ­barkeit der Massen, wobei die Anhänger des Dionysus-Kultes wie blinde Fanatiker ihrem Idol mordlüstern folgen. Pentheus wird zwar als Vertreter des ratio­nalen Prinzips gezeigt. Er steckt jedoch voller Neurosen und zieht ein brutales Unter­drü­ckungs­system mit Folter und Hinrich­tungen auf.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Breit­wand­bühne der Felsen­reit­schule ist in drei moderne Einzel­räume, die Bühnen­bilder hat die ständige Mitstrei­terin des Regis­seurs Malgorzata Szczesniak erdacht, aufge­teilt, wo Paral­lel­hand­lungen statt­finden, die nicht alle gleich­zeitig beobachtet werden können. Warli­kowski bezieht auch die mehrstö­ckigen Arkaden der Felsen­reit­schule ein, wo der mit einer Kapuze verhüllte Dionysos das erste Mal geheimnis- und sehr stimmungsvoll erscheint. Mit präzise geführten Figuren und beein­dru­ckenden Bildern, die viel Blut und Nacktheit zeigen, lässt er die beiden Welten, wie auf einer Kinoleinwand, sehr spannend aufein­an­der­prallen. Manchmal wird es jedoch auch zu viel des Guten, und die Bühne wirkt überfachtet.

Foto © Bernd Uhlig

Henze, der als einer der größten Opern­kom­po­nisten des 20. Jahrhun­derts gilt, hat eine spannende Musik mit inten­siver Sogwirkung geschrieben.  Erfreulich ist, dass das Musik­drama nach der Urauf­führung hier im Jahre 1966 jetzt nach 52 Jahren wieder in Salzburg zu hören ist. Die stilis­tisch reichen, auch spätro­man­ti­schen Klänge mit Schran­ken­lo­sigkeit und Fülle – Dionysos war nun mal der Gott der rausch­haften Maßlo­sigkeit und Sinnlichkeit – durchaus von melodiöser Schönheit, die aber auch immer wieder von radikalen Brüchen durch­zogen und von großer rhyth­mi­scher Entfaltung sind, werden von den groß besetzten Wiener Philhar­mo­nikern mit einer riesigen, ausge­la­gerten, seitlich situierten Schlag­werk­gruppe unter Kent Nagano mit atmosphä­ri­scher Dichte und Sensi­bi­lität gespielt.

Gesungen wird auf Englisch und eigentlich ohne Schwach­stelle: Sean Panikkar ist der geheim­nis­volle Dionysus, ein toller Tenor mit ungebro­chener heldi­scher Kraft, von dem man sicher noch hören wird. Russell Braun singt den König Pentheus mit edlem, stets fokus­siertem, aber auch exzes­sivem Bariton. Willard White singt den Kadmos sehr sicher und markant. Nikolaus Schukoff ist ein höhen­si­cherer und inten­siver Seher Teresias und Kalliope im Inter­mezzo-Spiel Das Urteil der Kalliope. Tanja Arianne Baumgartner singt mit famosem Mezzo­sopran und inten­sivem Ausdruck die Agave, Mutter von Pentheus. Vera-Lotte Böcker ist sowohl als Autonoe wie auch als Proserpine tadellos. Karoly Szemerédy ist ein befehl­streuer Captain respektive Adonis mit schönem Organ. Anna Maria Dur singt die Amme Beroe fein. Der Wiener Staats­opernchor, dessen Einstu­dierung Huw Rhys James besorgte, singt ebenfalls tadellos.

Großer Jubel und immer ein volles Haus.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: