O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Bernd

Packendes Psychodrama im schicken Ambiente

ELEKTRA
(Richard Strauss)

Besuch am
24. August 2020
(Premiere am 1. August 2020)

 

Salzburger Festspiele, Felsenreitschule

Wie schon bei Salome 2018 zirpen zu Beginn auch diesmal die Grillen: „Nicht ich, nicht ich! Er ist der Dämon“, schreit sie ins Mikrofon. Nicht der markerschüt­ternde Fortissimo-Akkord des vollen Orchesters setzt die Famili­en­tra­gödie im dunklen Mykene in Gang, sondern Klytäm­nestra, Elektras Mutter, ihr Hassobjekt und selbst Mörderin ergreift gleich zu Beginn das Wort und recht­fertigt sich zum Mord an ihrem Mann Agamemnon. Krzysztof Warli­kowski stellt der Oper Elektra der beiden Festspiel­gründer Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal Klytäm­nestras Monolog frei nach der Orestie von Aischylos bei den Salzburger Festspielen voran, um die Komple­xität des Stoffes der Atriden-Saga noch begreif­barer zu machen.

Der Regisseur lässt das antike Rache­drama in einem schicken Ambiente auf einem gut bürger­lichen Anwesen im Heute spielen. Wie schon Romeo Castel­luccis Salome-Insze­nierung in den Vorjahren sind die Arkaden der Felsen­reit­schule zugemauert. Ein länglicher Pool erstreckt sich über die Bühne, mit Duschen und Metall­wänden im Hinter­grund. Links sieht man einen Glaskasten, der geschmackvoll mit Sofas einge­richtet ist. Elegant gekleidete Leute, die wie heutige Schicki­micki-Typen aussehen, bevölkern auch sonst die Bühne. Lediglich Orest trägt einen völlig altmo­di­schen Winter­pullover mit Norwe­ger­muster, um die ärmliche Umgebung darzu­stellen, in der er sich in letzter Zeit aufge­halten hat. Die Ausstattung stammt von Malgorzata Szczesniak, mit der Warli­kowski meist zusam­men­ar­beitet. Etwas plakativ werden beim Mord an der Mutter riesige Blutspritzer auf die Rückwand der Felsen­reit­schule proji­ziert, wo sich bald Fliegen und dann verschiedene andere Insekten schwirrend nieder­lassen. Warli­kowski bedient sich der Psycho­analyse, um das Seelen­leben dieser Familie zu ergründen. Die Perso­nen­führung ist sehr fokus­siert, Paral­lel­hand­lungen finden statt, sind aber auf höchstens zwei Brenn­punkte konzen­triert. Er rückt damit die drei Frauen in den Mittel­punkt des Geschehens.

Foto © Bernd Uhlig

Die sind von Singschau­spiel­rinnen ersten Ranges besetzt: Obwohl Ausrine Stundyte in der Titel­partie eigentlich über keinen für die Rolle notwen­digen hochdra­ma­ti­schen Sopran, vor allem in der Tiefe, verfügt – fallweise geht sie deshalb sogar in den Orches­ter­wogen unter – liegen ihre Stärken in den Lyrismen und einer bomben­si­cheren, feinen Höhe, die ihr eine kindliche Färbung verleiht. Außerdem singt sie extrem wortdeutlich. Vor allem die Erken­nungs­szene mit ihrem totge­glaubten Bruder wird so von stark berüh­render Innigkeit erfüllt. Sie wird auch nicht als eindi­men­sio­naler Rache­engel gezeigt, sondern es werden ihre vielen Fassetten und Wider­sprüch­lich­keiten gekonnt zur Schau gestellt.

Vor zwei Jahren gelang es Asmik Grigorian nach ihrer großar­tigen Salome in Salzburg, auch inter­na­tional durch­zu­starten, jetzt meistert sie auch als Chryso­t­hemis mühelos die extremen Schwie­rig­keiten dieser Partie mit ihrem klar fokus­sierten Sopran. Tanja Ariane Baumgartner weiß als Klytäm­nestra mit ihrem schönen, dunklen, wandlungs­fä­higen Mezzo zu faszi­nieren, allein sie ist zu wenig textver­ständlich. Derek Walton zeigt einen ziemlich verstörten Orest mit schönem, geschmei­digem Bass, der am Schluss vor den proji­zierten Insekten über den Zuschau­erraum flieht. Seinen Kurzauf­tritt als Ägisth weiß Michael Lorenz mit klarem, kraft­vollem Tenor zu nutzen. Auch die vielen kleineren Partien sind rollen­de­ckend und makellos besetzt.

Fesselnd ist der Spannungs­bogen, den Franz Welser-Möst bei den Wiener Philhar­mo­nikern über die gesamte Dauer des Werks erzielen kann. Nur manchmal etwas zu laut, ist eine fasset­ten­reiche und dynamisch ausge­feilte Klang­dra­ma­turgie feststellbar, die von den Musikern hochkon­zen­triert und ungemein vital umgesetzt wird. Offenbar wurde auch an vielen Details und Nuancen gefeilt, um eine derartig plastische Wiedergabe zu erreichen.

Und dieses musik­dra­ma­tische Gesamt­kunstwerk wird entspre­chend vom Publikum gewürdigt und umjubelt.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: