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Komödiantisches Fest

L’ITALIANA IN ALGERI
(Gioac­chino Rossini)

Besuch am
18. Mai 2018
(Premiere)

 

Salzburger Pfingst­fest­spiele, Haus für Mozart

Verzweifelt versucht Elvira schon während der Ouvertüre, ihren Gatten Mustafa mit allen nur erdenk­lichen Tricks zu verführen. Aber es ist vergeb­liche Liebesmüh, denn er will von ihr nichts mehr wissen. Im riesigen Bilder­rahmen über dem Ehebett sieht man gleich darauf ein köstliches Video über verliebte Kamele. Und immer wieder dazwi­schen hört man den ganzen Abend lang die Rufe des Muezzins. Die Arie des Lindoro wird durch erboste Bewohner von den Balkonen einer heutigen, hässlichen Häuser­front mit winzigen Wohnein­heiten, mit zum Trocknen aufge­hängter Wäsche und unzäh­ligen Satel­liten-Schlüsseln unter­brochen. Es wird auch immer tierisch mit Schafen, Ziegen, fliegenden Möwen und Plüsch­ka­melen, wovon eines sogar mit dem Kopf wackeln kann und auf dem die Italie­nerin reitend erstmalig wie eine Touristin erscheint. Die immer wieder Wasser­pfeife rauchenden Unter­ge­benen des Bey tragen alle geschmacklose, bunte Trainings­anzüge – die Kostüme stammen von Agostina Cavalca – später bekommt auch Taddeo einen rosaroten, besonders kitschigen verpasst, als er zum Kaimakan ernannt wird. Mustafa selbst, der meist altmo­dische, weiße Unter­wäsche sowie einen mächtigen, künst­lichen Hänge­bauch trägt und mit einem alten Mercedes vorfährt, ist kein Herrscher, sondern der Boss einer elektro­nische Geräte schmug­gelnden Gang.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Zum Schluss wird dann noch die italie­nische Fußball­mann­schaft aus dem Gefängnis befreit und aus einem großen Topf mit Spaghetti  verköstigt: Es ist ein wahres Feuerwerk an frechen Ideen, köstlichen Gags, Klischees und voll Bewegungs­freude, das L’italiana in Algeri, der Genie­streich des erst 21-jährigen Gioachino Rossinis, im Haus für Mozart, die Eröff­nungs­pre­miere der Salzburger Pfingst­fest­spiele, versprüht. Ein Werk, das inhaltlich an die seit Mozart und Gluck so beliebten „Serail-Opern“ anknüpft.

Foto © Monika Rittershaus

Das bewährte Regie-Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier zieht hier alle Register seiner komödi­an­ti­schen Kunst und zeigt uns ohne Scheu vor dem politisch schwer inkor­rekten Libretto eine zeitgemäße, heutige Version des Geschlech­ter­kampfes von Rossinis Klassiker, der die Männlichkeit nicht besonders gut aussehen lässt. Bei ihrer Insze­nierung streifen die beiden immer an der Grenze zum Klamauk an, ohne diese jedoch zu überschreiten, sodass im Haus für Mozart viel gelacht werden darf.  Und das in der prakti­kablen und verwan­del­baren Bühne von Christian Fenouillat, in der sich zum Finale ein riesiger Schiffsbug zeigt.

Cecilia Bartoli, Künst­le­rische Leiterin und Zugpferd des feinen Salzburger Pfingst­fes­tivals, steht als reizende und raffi­nierte Titel­heldin Isabella im Mittel­punkt und singt die zahllosen kolora­tur­ver­zierten Gesangs­linien und Girlanden mit ungemeiner Leich­tigkeit bravourös. Wie sie ihre Kavantine Per lui che adoro im Schaumbad einer Badewanne, von Männern umschwärmt, singt, ist ganz große Klasse. Als ihr schmach­tender Liebhaber Lindoro hört man Edgardo Rocha mit lyrischer Emphase und großar­tigen Höhen seines Pracht­tenors. Peter Kálmán ist ein kernig volumi­nöser, witziger Mustafa. Rebeca Olvera ist seine tadellos singende Gattin Elvira. Alessandro Corbelli ist ihr verklemmt komischer und ideal singender Begleiter Taddeo mit Superman-Unterhose. José Coca Loca singt einen profunden Haly und Rosa Bove ist stimmlich eine gute Zulma. Der spiel­freudige, nur männlich besetzte Philhar­monia-Chor, dessen Einstu­dierung Walter Zeh besorgte, singt exzellent.

Jean-Chris­tophe Spinosi am Pult sorgt für den notwen­digen, rhyth­mi­schen Drive und die musika­lische Frische. Er lässt mit zügigen Tempi im Ensemble Matheus Rossinis hinrei­ßende Musik voll Tempe­rament und Melodie, voll Witz und Verspieltheit, so richtig kichern und funkeln.

Stehende Ovationen für einen gelun­genen Abend, bei dem das Publikum einmal ganz ungeniert lachen darf.

Helmut Christian Mayer

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