O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
L’ITALIANA IN ALGERI
(Gioacchino Rossini)
Besuch am
18. Mai 2018
(Premiere)
Verzweifelt versucht Elvira schon während der Ouvertüre, ihren Gatten Mustafa mit allen nur erdenklichen Tricks zu verführen. Aber es ist vergebliche Liebesmüh, denn er will von ihr nichts mehr wissen. Im riesigen Bilderrahmen über dem Ehebett sieht man gleich darauf ein köstliches Video über verliebte Kamele. Und immer wieder dazwischen hört man den ganzen Abend lang die Rufe des Muezzins. Die Arie des Lindoro wird durch erboste Bewohner von den Balkonen einer heutigen, hässlichen Häuserfront mit winzigen Wohneinheiten, mit zum Trocknen aufgehängter Wäsche und unzähligen Satelliten-Schlüsseln unterbrochen. Es wird auch immer tierisch mit Schafen, Ziegen, fliegenden Möwen und Plüschkamelen, wovon eines sogar mit dem Kopf wackeln kann und auf dem die Italienerin reitend erstmalig wie eine Touristin erscheint. Die immer wieder Wasserpfeife rauchenden Untergebenen des Bey tragen alle geschmacklose, bunte Trainingsanzüge – die Kostüme stammen von Agostina Cavalca – später bekommt auch Taddeo einen rosaroten, besonders kitschigen verpasst, als er zum Kaimakan ernannt wird. Mustafa selbst, der meist altmodische, weiße Unterwäsche sowie einen mächtigen, künstlichen Hängebauch trägt und mit einem alten Mercedes vorfährt, ist kein Herrscher, sondern der Boss einer elektronische Geräte schmuggelnden Gang.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Zum Schluss wird dann noch die italienische Fußballmannschaft aus dem Gefängnis befreit und aus einem großen Topf mit Spaghetti verköstigt: Es ist ein wahres Feuerwerk an frechen Ideen, köstlichen Gags, Klischees und voll Bewegungsfreude, das L’italiana in Algeri, der Geniestreich des erst 21-jährigen Gioachino Rossinis, im Haus für Mozart, die Eröffnungspremiere der Salzburger Pfingstfestspiele, versprüht. Ein Werk, das inhaltlich an die seit Mozart und Gluck so beliebten „Serail-Opern“ anknüpft.

Das bewährte Regie-Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier zieht hier alle Register seiner komödiantischen Kunst und zeigt uns ohne Scheu vor dem politisch schwer inkorrekten Libretto eine zeitgemäße, heutige Version des Geschlechterkampfes von Rossinis Klassiker, der die Männlichkeit nicht besonders gut aussehen lässt. Bei ihrer Inszenierung streifen die beiden immer an der Grenze zum Klamauk an, ohne diese jedoch zu überschreiten, sodass im Haus für Mozart viel gelacht werden darf. Und das in der praktikablen und verwandelbaren Bühne von Christian Fenouillat, in der sich zum Finale ein riesiger Schiffsbug zeigt.
Cecilia Bartoli, Künstlerische Leiterin und Zugpferd des feinen Salzburger Pfingstfestivals, steht als reizende und raffinierte Titelheldin Isabella im Mittelpunkt und singt die zahllosen koloraturverzierten Gesangslinien und Girlanden mit ungemeiner Leichtigkeit bravourös. Wie sie ihre Kavantine Per lui che adoro im Schaumbad einer Badewanne, von Männern umschwärmt, singt, ist ganz große Klasse. Als ihr schmachtender Liebhaber Lindoro hört man Edgardo Rocha mit lyrischer Emphase und großartigen Höhen seines Prachttenors. Peter Kálmán ist ein kernig voluminöser, witziger Mustafa. Rebeca Olvera ist seine tadellos singende Gattin Elvira. Alessandro Corbelli ist ihr verklemmt komischer und ideal singender Begleiter Taddeo mit Superman-Unterhose. José Coca Loca singt einen profunden Haly und Rosa Bove ist stimmlich eine gute Zulma. Der spielfreudige, nur männlich besetzte Philharmonia-Chor, dessen Einstudierung Walter Zeh besorgte, singt exzellent.
Jean-Christophe Spinosi am Pult sorgt für den notwendigen, rhythmischen Drive und die musikalische Frische. Er lässt mit zügigen Tempi im Ensemble Matheus Rossinis hinreißende Musik voll Temperament und Melodie, voll Witz und Verspieltheit, so richtig kichern und funkeln.
Stehende Ovationen für einen gelungenen Abend, bei dem das Publikum einmal ganz ungeniert lachen darf.
Helmut Christian Mayer