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Es ist schon imposant, dieses gigantische, ausgebrannte, rauchende Flugzeugwrack, das die gesamte riesige Bühne der Felsenreitschule ausfüllt. Davor liegen überall Wrackteile und sitzen oder liegen in Decken gehüllte, zitternde, schluchzende, traumatisierte, überlebende Passagiere. All das sieht man schon, bevor die Musik anhebt, auch ein tiefes Brummen erfüllt permanent den Saal. Oben steht in den Arkaden in großen, roten Leuchtbuchstaben das Wort Glauben: Für Richard Wagners Lohengrin am Landestheater Salzburg haben sich Regisseur Roland Schwab und sein Bühnenbildner Piero Vinciguerra diese Konzeption ausgedacht. Offensichtlich wollte man die romantische und „traurigste“ Oper des Bayreuther Meisters dahin deuten, dass letztlich nur noch ein gemeinsamer Glaube an die endgültige Apokalypse bleibt, und in ein apokalyptisches Enddrama, in ein Endspiel aller Hoffnungen umfunktionieren. Natürlich gibt es keinen Schwan, kein Münster und kein Brautgemach, für alles muss das Wrack herhalten. Die scheinbar alle unverletzten Passagiere werden zu den Protagonisten und den Brabantern, die dann im zweiten Akt überraschend gestylt mit Smoking und Abendroben und Sektflaschen zur Hochzeit zum Flugzeugwrack kommen. Offenbar hat man die Koffer unversehrt gefunden und sich entsprechend umgezogen. Telramund wird nicht vom Titelhelden getötet, sondern stirbt infolge eines missglückten Bombenattentats seiner Mannen. Der verschollen geglaubte Bruder der Elsa, Gottfried, erscheint zum Finale am Dach des Flugzeugs mit einem Papierflugzeug spielend und wird plötzlich erschossen. Unklar, von wem und warum. Die eigentliche detaillierte, gut gezeichnete Personenführung, die auch die Arkaden der gigantischen Felsenreitschule immer wieder einbezieht, rückt Ortrud und Telramund ziemlich in den Mittelpunkt. Letztlich bleibt die unbeantwortete Frage, was sich mit dieser konzeptionellen Idee für das Werk gewinnen lässt, denn das erschließt sich nicht.

Wunderbar ausgewogen ist das Ensemble: Benjamin Bruns als Schwanenritter singt lyrisch und hell, mühelos in allen Höhen und lässt auch die Gralserzählung wunderbar erklingen. Jacquelyn Wagner ist eine innige, strahlende Elsa, die jedoch mit den Dimensionen der Felsenreitschule zu kämpfen hat. Ganz anders hört man da Miina-Liisa Värelä als kraftvolle, dunkle, dämonische Ortrud. Alexander Krasnov ist ein mächtig auftrumpfender, viriler Telramund, sehr aggressiv gezeichnet, auch immer wieder andere verprügelnd. Edel erlebt man Pavel Kudinov als blinden König Heinrich. Exzellent klingt Raimundas Juzuitis als Heerführer. Dadurch, dass der Chor und Extrachor des Landestheaters, dessen Einstudierung Ines Kaun besorgte, verstärkt durch den Philharmonia-Chor Wien in der Einstudierung von Walter Zeh, der eigentliche Hauptprotagonist des Werkes, auf der breiten Bühne weit auseinandergezogen singen muss, ist man nicht immer eines Sinnes, was man hört ist, stimmgewaltig und klangschön.
Feine Pianissimi-Klänge und ein silbriges Flimmern vernimmt man schon beim Vorspiel aus dem Graben. Der 35-jährige Leslie Suganandarajah kann bei seinem Operndebüt beim Mozarteumorchester Salzburg solch zauberhafte Klänge entlocken. Mit Energie und Gestaltungskraft hält er die Spannung, erreicht herrliche Farben, Tonschönheiten, Subtilität und bleibt immer sängerfreundlich.
Zum Schluss gibt es großen Jubel für die Sänger, den Dirigenten und das Orchester, aber doch einige lautvernehmbare Buhs für das Inszenierungsteam.
Helmut Christian Mayer