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Foto © Marco Borelli

Gelungener Abschluss

LUISA MILLER
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
31. August 2019
(Premiere am 25. August 2019)

 

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus

Mit einem fulmi­nanten Opern­abend gehen die diesjäh­rigen Salzburger Festspiele zu Ende. Kurz davor berichtete die Festspiel­leitung mit beein­dru­ckenden Zahlen über den Erfolg des wohl größten klassi­schen Musik­fes­tivals. Über 97% Auslastung bestä­tigen das inter­na­tional große Interesse und die Akzeptanz des umfang­reichen Programms. Wieder konnten die Zuschauer und Zuhörer zahlreiche führende Künstler erleben und das besondere Ambiente rund um die Festspiele genießen.

Luisa Miller zählt nicht zu den belieb­testen Opern von Giuseppe Verdi. Friedrich Schillers Drama Kabale und Liebe lieferte die Litera­tur­vorlage. Salvatore Cammarano schuf auf Wunsch des Kompo­nisten daraus ein sperriges Libretto, um die edle reine Liebe Luisa Millers zu Rodolfo, dem Sohn des harten, verächt­lichen Grafen Walter. Aus dessen unerbit­ter­lichem Macht­be­wusstsein wird sie gezwungen, diese Liebe zu verleugnen, um den geliebten, aufrich­tigen Vater aus dem Kerker zu retten.  Sturm und Drang pur, mit Romantik gespickt. Ein berüh­render Stoff, der Einblick in das harte bürger­liche Leben während des Absolu­tismus gewährt, soziale Gegen­sätze aufzeigt und so zu einem politi­schen wie auch psycho­lo­gi­schen Werk wird. 1849 wurde das Werk in Neapel uraufgeführt.

Foto © Marco Borelli

Die Festspiel­leitung hat sich für eine konzer­tante Aufführung dieser Verdi-Oper entschieden und es in der Planung sicherlich auch als Ehrerbietung an Plácido Domingo, seit Jahrzehnten Stammgast auf deren Bühne, auf den Spielplan gesetzt. Durch die Gescheh­nisse um die Vorwürfe sexuellen Fehlver­haltens des bekannten Sängers wurde den zwei Opern­abenden noch weiteres mediales Interesse zu teil. Sichtlich gezeichnet und betroffen wirkt der beliebte Bariton, seine treuen Fans heißen ihn wie auch seine Kollegen mit stehenden Ovationen zu Beginn willkommen. Die Rolle des reifen, durch Erfahrung geläu­terten, stolzen und liebenden Vaters gibt dem Ausnah­me­sänger die Möglichkeit, seine schau­spie­le­rische Begabung – trotz fehlender Bühne – und stimm­liche Bandbreite nochmals zur Schau zu stellen. Sicherlich ist seine Stimme gealtert, vom Tenor- in das Baritonfach gesenkt, aber nach den ersten zitternden und in der Inton­antion noch wacke­ligen Tönen öffnet sich schnell sein betörender Schmelz. Seine ausge­feilte Stimm­technik erlaubt ihm, die langen Melodie­bögen unver­ändert in satter Tonfülle breit zu ziehen. Passagen im angren­zenden Tenorfach, seiner eigent­lichen Heimat, lässt er sichtlich mit Freude besonders aufblühen. Unerwartet kraftvoll stemmt er sich gegen den mächtigen, eisernen Grafen Walter, vollendet gesungen von dem jungen Roberto Tagliavini. Immer wieder wird Plácido Domingo von der gefühl­vollen Musik zu ausdrucks­vollen Gesten mitge­rissen und steigert so die Spannung. Seinen strengen Kritikern zeigt er, dass er immer noch zu außer­ge­wöhn­lichen stimm­lichen Inter­pre­ta­tionen trotz fortge­schrit­tenen Alters fähig ist.

Foto © Marco Borelli

In bester Form zeigt sich Piotr Bezcala als Rodolfo und zählt sicherlich derzeit zu den Besten seines Faches. Kraft und Farbe hat sein Tenor in den letzten Jahren gewonnen. Dazu kommt eine perfekte Beherr­schung der Stimme. Immer wieder öffnet er sich weit in den hohen Tönen, formt die Spitzentöne aus sicherer Intonation heraus und spielt in feinsten Nuancen. Keinen Druck oder Schmettern, sondern feiner Gesang zeichnet seinen Ausdruck aus. Nina Michaidze setzt eine streitbare, aber ebenso verletz­liche Titel­heldin in die dominante absolu­tis­tische Männerwelt. Auch ihr Sopran hat sich weiter­ent­wi­ckelt, gibt ihr auch drama­tische Momente. Neben einer hellen, weichen Höhe kommen jetzt eine sichere Mittellage und auch klare Tiefe. Wunderbar versteht sie ihre Stimme in Duette einzu­flechten, ohne in der Höhe zu überstrahlen. John Relyea setzt mit seiner verraucht klingenden Stimme einen verruchten, schrägen Wurm ausdrucks­stark in Szene.

James Conlon führt das Mozarteum-Orchester Salzburg und die Konzert­ver­ei­nigung Wiener Staats­opernchor mit dem ausge­zeich­neten Sänger­ensemble zusammen. Wohlab­ge­stimmt in Lautstärke und Tempi, gelingt ihm eine einfühlsame, spritzige Gestaltung. Heraus­for­dernd lässt er das Orchester begleiten, hebt Instru­men­tensoli markant hervor und spart auch nicht mit gewalt­vollen Ausbrüchen. Trotzdem überwiegt ein intimer Charakter und lässt so Raum für gestal­te­rische Freiheiten der Sänger.

Ein großar­tiger musika­li­scher Abend und würdiger Abschluss für die Festspiele mit inter­na­tio­nalem Führungsanspruch.

Helmut Pitsch

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