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Foto © Ruth Walz

Grandiose musikalische Wiederaufnahme

MACBETH
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
14. August 2025
(Premiere am 29. Juli 2023)

 

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus

Man kennt die Insze­nierung. Denn sie hatte schon vor zwei Jahren Premiere. Wegen des großen Erfolgs und der enormen Nachfrage hat man daher seitens der Salzburger Festspiele entschieden, Giuseppe Verdis Macbeth diesen Sommer wieder­auf­zu­nehmen. Und so sieht man wieder die leere Bühne mit der langen Wartebank, wo Lady Macbeth auf ihren Gynäko­logen wartet. Ein Tunnel mit Vorhängen wird herein­ge­schoben, in dem sie unter­sucht wird. Als sie vom Gynäko­logen erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann, bricht sie fast zusammen. Das ist eine Schlüs­sel­szene in Krzysztof Warli­kowskis Insze­nierung: Kein Kind, dann Flucht und Erfüllung durch Macht, wie es ihrem Mann von den Hexen prophezeit wird. Ihr Ehrgeiz erwacht und Rache­ge­danken blitzen auf. Sie animiert ihren Gatten zu den folgenden Morden.

Foto © Ruth Walz

Auf der riesigen Bühne des Großen Festspiel­hauses wird mit Simul­tan­szenen und filmi­schen Video­pro­jek­tionen, mit denen etwa auch der Mord an König Duncan gezeigt wird, gearbeitet. Die Hexen sind blind, bestehen überwiegend aus kleinen Mädchen und werden immer mit einem Kubus herein- oder hinaus­ge­schoben. Warli­kowski greift immer wieder in seine Psycho­kiste, wofür seine Frau Malgorzata Szcześniak einen durchaus ästhe­ti­schen Psychoraum entworfen hat, der wie auch die Kostüme an die 1930-er Jahre erinnert. Etwa werden auf einer langen, ebenfalls herein­ge­scho­benen Tribüne für den Chor beim Festmahl später kleine Kinder, es sind jene von Macduff, vergiftet, denn Kinder von anderen erscheinen Macbeth eine Bedrohung. Gleich­zeitig sieht man per Video den Herodes-Feldzug gegen die Erstge­bo­renen aus Pasolinis Matthäus-Evangelium. Als Macbeth glaubt, den ermor­deten Banco zu sehen, tragen Kinder entspre­chende Masken. Zum Finale sind jeden­falls Macbeth jetzt schon im Rollstuhl und seine Lady blutüber­strömt gefesselt und werden von Macduff nicht erschossen, obwohl er mehrmals die Pistole auf sie richtet, sondern dem Volk zur Lynch­justiz übergeben.

Asmik Grigorian ist wieder die Lady Macbeth, hat sich in die Rollen­ge­staltung noch vertieft und sie verbessert. Darstel­le­risch umwerfend vielseitig, kann sie Macht­rausch, Depression, Kälte und Wahn vereinen. Auch stimmlich ist sie noch beein­dru­ckender als vor zwei Jahren. Sie singt reicher an Emotionen und Abstu­fungen und kann enorm kraftvoll aufdrehen. Ihr Trinklied darf sie im Zentrum eines Strah­len­kranzes singen, sonst muss sie während ihrer großen Szenen mit dem Feuer spielen, sich umziehen oder mit Stöckel­schuhen über die lange Bahnhofsbank klettern. Ihr fast ebenbürtig ist auch wieder Vladislav Sulimsky in der Titel­rolle zu erleben. Er verfügt über einen sehr edel geführten Bariton, fast zu schön für einen Bösewicht, aber durchaus auch zur Dramatik fähig.  Tareq Nazmi ist ein profunder, kraft­voller Banco, Joshua Guerrero ein Macduff mit einem höhen­si­cheren Tenor. Die Konzert­ver­ei­nigung Wiener Staats­opernchor singt machtvoll und mitreißend. Wunderbar erlebt man die Wiener Philhar­mo­niker unter der Leitung von Philippe Jordan. Man hört das Orchester ungemein farben­prächtig, fein ausba­lan­ciert, drama­tisch wuchtig und ganz zart in den Lyrismen.

Am Ende gibt es riesigen Jubel.

Helmut Christian Mayer

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