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Meisterprüfung ohne Pep

DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG
(Richard Wagner)

Besuch am
13. April 2019
(Premiere)

 

Salzburger Oster­fest­spiele, Großes Festspielhaus

Der Auftritts­ap­plaus für Dirigenten und Orchester steigert sich von Akt zu Akt und erreicht dann zum Schluss regel­recht stürmische Ausmaße: So geschehen bei den Salzburger Oster­fest­spielen im Großen Festspielhaus bei der diesjäh­rigen Opern­pro­duktion von Richard Wagners Die Meister­singer von Nürnberg, einer Kopro­duktion mit der Semperoper Dresden und dem New National Theatre in Tokio. Eine Oper, die in Salzburg bisher nur in drei Produk­tionen, nämlich 1936 bis 1938 unter Arturo Toscanini sowie bei den Oster­fest­spielen 1974 unter Herbert von Karajan und dann erst wieder 2013 im Sommer aufge­führt wurde.

Und zu Recht, denn es ist faszi­nierend, mit welcher Klang­äs­thetik, mit welchem Kosmos an Schat­tie­rungen und Farben, mit welcher Durch­sich­tigkeit bis ins kleinste Detail und mit welch großer Eleganz, trotz fallweiser recht breiter Tempi, das meister­liche Werk von der Sächsi­schen Staats­ka­pelle Dresden unter dem manchmal nur noch mit minima­lis­ti­schen Gesten agierenden Christian Thielemann inter­pre­tiert wird. Der gilt aber auch als absoluter Spezialist für das Werk, es ist sein erklärtes Lieblingswerk des Bayreuther Meisters. Und er weiß dabei auch, die Sänger rücksichtsvoll durch den langen Abend zu tragen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Und die sind beinahe allesamt erste Sahne: Georg Zeppe­nfeld singt den intel­lek­tuell gezeich­neten Sachs zum ersten Mal, voller Selbst­zweifel mit exzel­lenter Phrasierung, wunder­schönem Timbre, sehr viril und präsent mit unerschöpf­licher Energie und großer Wortdeut­lichkeit. Er faszi­niert ganz besonders mit dem Wahnmo­nolog. Klaus Florian Vogt singt wieder einmal den Walter Stolzing, mit seiner ihm eigenen, unwirk­lichen Knaben­stimme mit herrlicher Höhe und gefällt mit seiner Seligen Morgen­traum-Deutweise. Eine subtile Charak­ter­studie par excel­lence und Glanz­leistung in stimm­licher und darstel­le­ri­scher Hinsicht ist jene von Adrian Eröd als ungeliebter Kritiker Sixtus Beckmesser mit blauem Auge nach der Prügel­szene. Sebastian Kohlhepp ist ein kecker, jugendlich ungestümer David, der mit feinsten Piani begeistert. Edel ist der Gesang von Vitalij Kowaljow als Meister Pogner und Levente Páll als Kothner. Jacquelyn Wagner ist eine selbst­be­wusste Eva, die vor allem bei den lyrischen Phasen gefällt, weniger hörbar ist ihre Mittellage im drama­ti­schen Bereich. Von den vielen kleineren Partien seien noch Christa Mayer als ideale Amme und Iurie Cionabu als tadel­loser Kunz Vogelsang erwähnt. Der Chor der Sächsi­schen Staats­opernchor Dresden, die Einstu­dierung besorgte Jörn Hinnerk Andresen, verstärkt durch den Bachchor Salzburg, den Alois Glaßner einstu­diert hat, singen stimm­ge­waltig, beein­drucken mit großer Homoge­nität und agieren mit enormer Spielfreude.

Foto © Monika Rittershaus

Als Theater im Theater hat Jens-Daniel Herzog, derzei­tiger Staats­in­tendant in Nürnberg, der mit seiner vorhe­rigen Insze­nierung dieses Werks in Mannheim, damals im Museum angesiedelt, ziemlich ausgebuht wurde, Wagners einzige komische Oper insze­niert: Nicht besonders originell und etwas beliebig. Und so sieht man schöne Logen mit Zitaten aus der Semper-Oper, eine Drehbühne mit Vorhang, wo anfänglich die Katha­ri­nen­kirche mit betenden Gläubigen in alten Gewändern zu sehen ist. Dann erblickt man eine Hinter­bühne, ein mit Büchern vollstopftes Inten­dan­tenbüro, wo Sachs als solcher residiert und Masken­kojen im zweiten Stock, wo auch immer wieder Paral­lel­hand­lungen statt­finden – die Bühne stammt von Mathis Neidhardt. Aber auch eine Schus­ter­werk­statt taucht plötzlich doch noch auf und ein vom Himmel schwe­bender Wunderbaum zum Finale. Das Volk und die Meister treten in heutigen Gewändern, letztere auf der Festwiese mit Smoking, Sachs im Frack auf. Die Kostüme erdachte Sibylle Gädeke. Wie wohl vieles psycho­lo­gisch heraus­ge­ar­beitet und vieles optisch opulent in Szene gesetzt wird, fehlt eine fesselnde oder politische Deutung. Das „Theater-im-Theater“-Setting geht zudem nicht auf, ist oft unver­einbar mit Wagners Text und schafft besonders im zweiten Akt Verwirrung. Schließlich verab­schiedet sich Sachs mit sarkas­ti­schem, lautem Lachen, ein befremd­liches Schlussbild.

Riesiger Jubel und ein paar Buhs für das Regieteam.

Helmut Christian Mayer

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