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Pathos bis zur Trance

OEDIPE
(George Enescu)

Besuch am
24. August 2019
(Premiere am 11. August 2019)

 

Salzburger Festspiele, Felsenreitschule

Die Arbeit des Kompo­nisten George Enescu erlebt in den letzten Jahren eine Wieder­be­lebung. Die schil­lernde Musiker­per­sön­lichkeit ist vielen als zu Lebzeiten gefei­erter Geiger und Dirigent sowie Lehrer von Yehudi Menuhin bekannt. Seine Kompo­si­tionen gerieten im Westen in Verges­senheit. In seiner Heimat findet im September ein nach ihm benanntes inter­na­tio­nales Musik­fes­tival statt, das immer mehr Beachtung auf sich zieht. 1881 geboren, bekam er bereits mit fünf Jahren Geigen­un­ter­richt und kam mit sieben Jahren nach Wien und später nach Paris, wo er unter anderem bei Jules Massenet und Gabriel Fauré studierte. Seine ausge­dehnte Tätigkeit als Violin-Virtuose und Lehrer ließ ihm wenig Zeit zum Kompo­nieren. 1955 verstarb der Komponist in Paris, verbrachte aber einen großen Teil seines Lebens in seiner Heimat, wo er insbe­sondere einen engen Kontakt zum Königshaus, den Hohen­zollern, pflegte.

Seine – vornehmlich – Orchester- und Kammer­mu­sik­werke wie unter anderem die beiden rumäni­schen Rhapsodien werden immer wieder gespielt. Seine einzige Oper Oedipe nach der griechi­schen Mytho­logie-Vorlage findet während der diesjäh­rigen Festspiele in Salzburg eine Neuent­de­ckung. Enescus Kompo­si­ti­onsstil ist schwer einzu­ordnen. Es finden sich Anklänge vieler Zeitge­nossen wie die monumentale Romantik eines Richard Wagners, die Expres­si­vität eines Richard Strauss. Auch die Volks­musik seiner Heimat und die Chromatik der Orgel­musik haben in seinem indivi­du­ellen Stil ihren Nieder­schlag gefunden.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Das franzö­sische Libretto des Oedipe stammt von Edmond Fleg und orien­tiert sich an der griechi­schen Tragödie von Sophokles. Inhaltlich wird das gesamte Leben des tragi­schen Helden aufbe­reitet. Beginnend mit der vom Gott Apollon verbo­tenen Zeugung durch Laios und den Prophe­zei­ungen des blinden Sehers Tiresias folgt der Zuschauer seinen schick­sal­haften Begeg­nungen mit dem Orakel in Delphi, seiner Flucht vor den vermeint­lichen Eltern Merope und Polybos, der Tötung seines Vaters Laios, sowie seinem Triumph über die Sphinx und der Rettung Thebens.  Raumgreifend werden in der Oper seine letzten Stunden erzählt. Angesichts der Pest in Theben erkennt Oedipe die Erfüllung der Prophe­zei­ungen. Die Heirat mit seiner Mutter Iocaste und die inzes­tuöse Zeugung seiner Kinder. Überwältigt von seinen Schre­ckens­taten sticht er sich die Augen aus und wird aus Theben vertrieben. Seine Tochter Antigone teilt sein Schicksal und führt den Irrenden. Erlöst stirbt er vor den Toren Athens.

Mystisch gefühlvoll nähert sich Regisseur Achim Freyer der antiken Erzählung. Ausdrucks­stark und bunt gestaltet er die aufwän­digen Kostüme und führt so den Betrachter in eine Märchenwelt. Zu Beginn wälzt sich ein übergroßer Fötus oder Babykörper im Zentrum der großen Bühne der Felsen­reit­schule. Aus den Arkaden an der Hinterwand der Bühne zeichnen die theba­ni­schen Frauen und der Hohepriester die Umstände der Zeugung und Geburt des Verwun­schenen. Als übermächtige Erscheinung wandert der blinde Seher Teresias, geführt von einer Kinder­puppe in einem langen, weißen Gewand, mit einer gelben Blinden­binde um den Körper. Aus dem Säugling wird schnell ein muskel­be­packter, junger Kämpfer in Boxer­shorts. Fanta­sievoll erscheinen seine Eltern als Traum­fi­guren. Iocaste gleicht einer blauen Blüte, Laios einer verpackten Roboter­figur. Viele bildhafte Ereig­nisse lässt der Regisseur mit Gemach auf der dunklen, nur matt ausge­leuch­teten Bühne aufein­ander folgen. In nur wenigen Szenen erscheint der große Chor der Konzert­ver­ei­nigung Wiener Staats­opernchor. In dunklen Kleidern mit schrägen Details brilliert der Chor als Bewohner Thebens. Lange, rote Blutfäden sprießen abstoßend aus Oedipes Augen, seine Tochter Antigone führt den Blinden im makellos weißen Kleid mit leuch­tendem Stab.

Foto © Monika Rittershaus

Die ruhige, bedachte Perso­nen­regie Freyers passt zur monotonen, pathe­ti­schen Musik George Enescus. Nur wenige drama­tisch expressive Klang­erup­tionen wühlen auf. Die Stetigkeit des leblosen Pathos unter­mauert das unauf­haltbare Schicksal, das unaus­weichlich wie ein Uhrwerk Raum einnimmt. Ingo Metzmacher widmet sich wiederum der Entde­ckung dieses modernen, relativ unbekannten Werkes. Er hat sich in den letzten Jahren in solchen Aufgaben einen erstklas­sigen Ruf aufgebaut. Die Wiener Philhar­mo­niker folgen ihm in gewohnter Präzision. Immer wieder muss der Dirigent Musiker außerhalb des Orches­ter­grabens integrieren, um spezi­fische Klang­ef­fekte zu erzeugen. Das musika­lische Ergebnis berührt, versetzt den gedul­digen Zuhörer nahezu in Trance.  In der musika­li­schen Ausge­staltung nähert sich diese Oper einem sakralen Charakter wie bei einem Oratorium.

Präzision ist auch von den Sängern gefragt. Es fehlen ausla­dende Melodien, der Gesang reduziert sich auf einen ausdrucks­starken Sprech­gesang. Chris­topher Maltman feiert immer wieder in außer­ge­wöhn­lichen Rollen wie der des Oedipe Erfolge. Sein schau­spie­le­ri­sches Talent und bewusster körper­licher Einsatz verleiht dem Rollenbild besondere Ausdrucks­stärke und Überzeugung. John Tomlinson verfügt über eine gealterte, kräftige Stimme, die dem Teresias die notwendige orakel­hafte Durch­schlags­kraft gibt. Anaik Morel präsen­tiert die exzen­trische Iocaste, Chiara Skerath die engels­gleiche fürsorg­liche Tochter Antigone.

Eine ergrei­fende Inter­pre­tation mit Tiefen­wirkung in Bild und Ton dieses selten gespielten Werkes geht nach drei Stunden mit großem Beifall des Publikums zu Ende.

Helmut Pitsch

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