O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Operette zwischen Festspiel und Varieté

ORPHÉE EN ENFERS
(Jacques Offenbach)

Besuch am
21. August 2019
(Premiere am 14. August 2019)

 

Salzburger Festspiele, Haus für Mozart

Nunmehr gibt es auch Operette während der Salzburger Festspiele. Als Anlass dient der 200. Geburtstag des Kompo­nisten Jacques Offenbach. Ob das nunmehr zum Standard­pro­gramm neben Oper, Schau­spiel und Konzert eine weitere Sparte wird oder nur ein einma­liges Experiment, wird das Programm der nächsten Jahre zeigen. Das „seriöse“ Publikum, auf klassische Meister­werke ausge­richtet, zeigt sich begeistert, lacht über die Scherze herzlich und lässt sich auch von der geschickt verpackten Frivo­lität in dieser spritzig-witzigen und genauso schlüpf­rigen Insze­nierung von Barrie Kosky im Haus für Mozart nicht abschrecken.

Mit 14 Jahren kam der Deutsche Jakob Offenbach nach Frank­reich und fand dort seine neue Heimat. Als Jacques Offenbach reüssiert er in Paris zuerst als Cellist und später als Komponist zahlreicher Operetten mit zündender Musik und frechen Texten. Sein Orphée en enfers, 1858 urauf­ge­führt, gehört zu seinen Meister­werken sowie zu den Wegweisern für das Genre Operette. In einer zweiten Fassung wurde der Bühnenhit noch um weitere Nummern ergänzt. Die schwung­volle Parodie der altgrie­chi­schen Mytho­logie überzeugt mit der Explo­si­ons­kraft seiner Musik und der Eingän­gigkeit der Melodien, die Tanz- und Straßen­musik, aber auch die jüdische Klezmer-Musik aufgreift und einbindet. Der abschlie­ßende Galopp infernal ist als Can Can berühmt geworden und wird immer und überall zu den verschie­densten Gelegen­heiten gespielt. Filmmusik inklusive.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Immer ist in der Geschichte der Operette die Umsetzung auf der Bühne für den Erfolg von Bedeutung. Mehr als in der Oper, die auch durch die Musik allein­stehen kann, braucht die Operette die Wucht der Aufführung, um zu überzeugen. Das haben sich auch Kosky und sein Team zum Ziel gesetzt. Und es ist Ihnen dabei viel einge­fallen, um das Publikum über drei Stunden bei Laune zu halten. Rufus Didwiszus schafft ein einfach anmutendes, aber umso aussa­ge­kräf­ti­geres Bühnenbild. Eurydices Schlaf­zim­mer­wände sind bedruckte schwarz­weiße Stoff­bahnen, die Götterwelt haust auf einem übergroßen Sofa im Empirestil, die Unterwelt wird von einem übergroßen grünen Teufel auf einem Fahrrad überragt.  Viel Aufmerk­samkeit und unter­haltsame Wirkung steckt in den überaus komischen, verrückten, bunten Kostümen und Perücken von Victoria Behr, die viel Atmosphäre erzeugen. Trotz String­tangas, Korsetts oder offenen Dekol­letés wirkt nichts abstoßend, und der Reiz des Frivolen stößt nicht auf. Dazu gestaltet Otto Pichler eine Choreo­grafie, die keine Wünsche offen­lässt. Homoero­tische Tänze von männlichen Teufeln begleiten Jupiters Weg in die Unterwelt. Der berühmte Can Can wird von einem gemischten Ensemble gewirbelt. Die Beine fliegen hoch, die Röcke fliegen in die Luft, die Genitalien sind aufge­klebt und die Jauchzer fehlen auch nicht.

Als besonders humor­vollen Einfall ist die Ausge­staltung der Rolle des John Styx gelungen und ausge­zeichnet von dem Schau­spieler Max Hopp umgesetzt. Kosky lässt ihn alle Dialoge auf Deutsch sprechen. Die Musik und der Gesang sind franzö­sisch, die gespro­chenen Worte auf Deutsch. Dazu beherrscht Max Hopp auch die Fähigkeit, eine Vielzahl von Geräu­schen markant zu imitieren, so dass sich die komische Wirkung noch verstärkt. Da knarrt die Türe, da klappert die Sohle am Boden, da wird geschnarcht, gerülpst und geräuspert. Zahlreiche Handlungen bekommen noch Gehör.

Foto © Monika Rittershaus

Ebenbür­tiges schau­spie­le­ri­sches Talent steuert auch Kathryn Lewek als Eurydice bei. Mit prägnanter, üppiger Figur ist sie wendig geblieben und zeigt ihre humoris­tische Seite und selbst­be­wusstes Spiel. Im kessen Korsett mit Fülle wirbelt sie herum, schafft dabei die Spitzentöne bis zum hohen Anschlag sicher und lässt sich noch Raum für Nuancen. Als Königin der Nacht hat sie sich weltweit einen Ruf aufgebaut. Ihre Kolora­turen flicht sie auch hier ein.  Sehr elegant mit langem Haar und schlanker Figur ist Joel Pietro als Orphée auch ein Abbild des magischen Geigers Nicolo Paganini, der Jacques Offenbach für die Ausge­staltung der Rolle inspi­rierte. Anklänge der Musik Paganinis stecken auch in der Partitur. Orphée ist ja Geigen­vir­tuose und Lehrer und darf hier mit einer Unzahl von Geigen Eurydike erfolglos bezirzen. Gesanglich ist er sicher, bleibt aber farblos. Anne Sofie von Otter hat sichtlich Freude an der Rolle der allge­meinen Meinung und spaziert mal schwarz, mal kunterbunt gekleidet durch das muntere Geschehen auf der Bühne und setzt dabei gesanglich ihre Akzente. Marcel Beekmann stolziert akroba­tisch auf seinen hufgleichen Schuhen als Pluto im orange­far­benen Fransen­kleid und verführt nebst Eurydice gleich die Götterwelt. Martin Winkler lässt sich als Jupiter nur zu gerne in das laster­hafte Leben einführen und schlüpft in verschiedene Outfits. Als Fliege verkleidet, lässt er seiner Lust freien Lauf und bringt dabei noch gesanglich eine perfekte Leistung. Ebenso meistern eine Vielzahl von Solisten als auch das Vocal­consort Berlin ihre Rollen, und es entsteht gemein­schaftlich ein knall­buntes Bild aus Gesang, Spiel und Ausstattung, das Freude macht.

Enrique Mazzola hat sich bereits intensiv mit dem franzö­si­schen Reper­toire ausein­an­der­ge­setzt und wurde dafür auch zum Chevalier ernannt. Die Wiener Philhar­mo­niker lässt er hier nuancen­reich aufspielen. Vom tänze­ri­schen Sympho­nie­or­chester bis hin zum Varie­té­en­semble spannt er den klang­lichen Bogen. Ein sicherlich sehr unter­halt­samer Abend auf höchstem Niveau. Ein neues Genre wird festspiel­fähig, sofern es in das Gesamtbild mit seinem musika­li­schen Anspruch passt.

Helmut Pitsch

Teilen Sie O-Ton mit anderen: