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LES PÊCHEURS DE PERLES
(Georges Bizet)
Besuch am
26. August 2018
(Premiere 23. August 2018)
Da gibt es eine jungfräuliche Priesterin, in die zwei Jugendfreunde vor vielen Jahren verliebt waren. Um ihrer Männerfreundschaft willen hat man der Liebe zu ihr jedoch entsagt und darüber sogar einen Freundschaftsschwur geleistet. Jetzt kommt es zur Wiederbegegnung mit dieser Traumfrau. Und schon in der ersten Nacht ist es wegen des aufdringlichen Tenors um die Unschuld des Mädchens geschehen. Zwei Hinrichtungen stehen im Raum, aber es kommt zur Begnadigung, denn einer verzichtet, und zum Happyend für die Liebenden: So krud und kaum nachvollziehbar ist die Handlung von Georges Bizets Les Pêcheurs de Perles, die sicherlich einen Spitzenplatz auf einer Liste hanebüchener Opernhandlungen bekommen hätte. Aber nach solchen Kriterien darf man Opernlibretti ohnehin nicht durchforsten. Und sie spielt irgendwo im exotischen Nirwana, Ceylon oder so. Exotische Stoffe waren um 1860 en vogue, wiewohl man herzlich wenig über die Sitten und Gebräuche der Völker in den entlegenen Teilen der Welt wusste.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Deswegen taten die Salzburger Festspiele auch gut daran, bei dieser Oper auf die Szenerie zu verzichten und sie nur konzertant zu zeigen. In erster Linie war sie auf dem Spielplan, um Plácido Domingo einen Gefallen zu tun. Und dieser ist wahrlich ein Phänomen. Seit ungefähr vier Jahren vom Tenor zum Bariton mutiert, erarbeitete er sich mit mittlerweile 77 Jahren mit der Partie des Zurga seine 150. Opernrolle. Zweifellos sind die Jahre nicht spurlos vorüber gegangen und haben an seiner Stimme Spuren hinterlassen. Aber sein samtiges Timbre in der Mittellage betört noch immer, wenngleich seine Tiefe teils etwas diffus klingt. Aber ist ein großer Gestalter und steigert sich von Szene zu Szene. Die Stimme gewinnt an Fundament und Energie. Seine Soloszene im dritten Akt, wo ihn Selbstzweifel plagen und er vom hasserfüllten Rächer zum Humanisten mutiert, macht ihm gestalterisch keiner so schnell nach. Sein Gegenspieler um die Liebe zur gleichen Frau wird vom mexikanischen Tenor Javier Camarena verkörpert. Er verbindet Leichtigkeit und Eleganz mit Schmelz und leuchtenden Spitzentönen. Das berühmte Männerduett, Au fond du temple saint …, das die Oper berühmt gemacht hat, gelingt den beiden trefflich, wenngleich sich die beiden Stimmfarben zu wenig unterscheiden. Hingegen kann Camarena mit seiner Arie Je crois entendre encore, außer einem etwas angestrengt klingenden Spitzenton, sehr überzeugen.

Bei der russischen, derzeit sehr hoch gehandelten Sopranistin Aida Garifullina als Leila und als Objekt beider Begierden, eine optische Augenweide, perlen die Koloraturen absolut sicher und locker, und sie verfügt auch über ein sehr ansprechendes Timbre. Nur, sie berührt damit viel zu wenig. Weder äußerlich noch musikalisch macht sie das Drama erlebbar. Zwischentöne sind ihre Sache nicht. Stanislav Trifomov hört man in der undankbaren Rolle des Priesters Nourabad mit gut geerdetem, warmem Bass. Der viel beanspruchte Philharmonia-Chor Wien, dessen Einstudierung Walter Zeh besorgte, singt klangschön, ausbalanciert und gewandt.
Die teils hart am Kitsch und an der Trivialität vorbeischrammende Musik von Bizet wird vom Mozarteum-Orchester Salzburg unter Riccardo Minasi sehr akkurat, schmissig, teils recht laut, aber trennscharf und präzise herausgearbeitet. Der Dirigent dreht auch um des Effektes willen immer wieder an der Temposchraube. Was jedoch etwas untergeht, ist das feine Parfüm, die ins Impressionistische gehende Zartheit und reiche Farbigkeit.
Unfassbarer Jubel und stehende Ovationen.
Helmut Christian Mayer