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Foto © Ruth Walz

Wie schön singt die Prinzessin Salome heute Nacht

SALOME
(Richard Strauss)

Besuch am
12. August 2018
(Premiere am 28. Juli 2018)

 

Salzburger Festspiele, Felsenreithalle

Sie ist nicht nur schön, die Prinzessin, wie der in sie verliebte Narraboth gleich zu Beginn schwärmt, sondern auch lasziv und verfüh­re­risch. Sie wird nicht nur begehrt, sondern ist auch naiv und dem Erwach­sen­werden ihres Körpers in hilfloser Unschuld ausge­liefert, wie ein Blutfleck auf ihrem weißen Kleidchen am Gesäß andeutet. Sie kann auch hart wie auch zerbrechlich ebenso wie trotzig und abscheulich sein: Asmik Grigorian spielt die Salome von Richard Strauss bei den Salzburger Festspielen bis zur Selbst­aufgabe. Die litauische Sopra­nistin – im Vorjahr sang sie hier in Salzburg die Wozzeck-Marie – ist darstel­le­risch eine Wucht, denn da passt jedes Detail, jede Bewegung und jede Mimik, wie man auch bei der TV-Übertragung in Großauf­nahme sehen konnte. Und sie singt die Titel­figur auch phäno­menal: Da passt jede Phrase, jede Nuance, jeder Spitzenton und man versteht jedes Wort. Ihr Lass mich deinen Mund küssen, Johanaan sowie ihr Schluss­gesang werden zum Ereignis.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Ihr begehrter Johanaan ist ausstaf­fiert wie ein schwarz­ge­sich­tiger Urmensch mit Fell und Federn und wird von Gabor Bretz mit schönem, durch­schlags­kräf­tigem Bariton gesungen. John Daszak ist ein manchmal etwas scharfer, aber immer markanter und höhen­si­cherer Herodes. Anna Maria Chiuri ist eine etwas zu hyste­rische und schrille Herodias. Auffallend schön klingt der Tenor von Julian Prégardien als Narraboth. Auch die vielen kleineren Partien sind alle sehr gut besetzt.

Mit zum musika­li­schen Erfolg tragen natürlich auch die Wiener Philhar­mo­niker unter Franz Welser-Möst bei: Ungemein kammer­mu­si­ka­lisch, trans­parent, detail­liert und mit durch­ge­hendem spannungs­vollen Musizieren, zugespitztem Expres­sio­nismus und schil­lernden, fasset­ten­reichen Orches­ter­farben sowie ausge­klü­gelter Dynamik wird musiziert.

Foto © Ruth Walz

Te saxa loquuntur – Von dir sprechen die Steine, jene Inschrift über dem Salzburger Siegmundstor neben dem Festspielhaus, prangt schon zu Beginn auf dem Vorhang. Und mit Steinen hat Romeo Castel­lucci, Regisseur, Ausstatter, Konzept­künstler und Symbol- und Metapher-Erfinder, die Arkaden der Felsen­reit­schule völlig zugebaut. Dadurch wirkt der Raum archaisch, bedrohlich einengend wie ein Gefängnis, ein Ersti­ckungsraum, ein brutaler Stein­kerker voller Konflikte. Auf einem goldenen Stein mit der Aufschrift Saxa wird die knieende, mit einem Band gefes­selte, nackte Salome von einem sich von oben langsam senkenden Stein anstelle des Schlei­er­tanzes zermalmt bezie­hungs­weise verschwindet darin. Johanaan erscheint im Auge eines schwarzen, immer größer werdenden Mondes. Am Hofe geht es blutrünstig zu, immer wieder werden blutver­schmierte Leichen in Plastik­säcken herein­ge­schleppt. Alle anderen Protago­nisten wie auch Herodes tragen dunkle Anzüge und haben Hüte auf, die untere Hälfte aller Gesichter ist blutig. In Johanaans Zisterne hält sich auch ein Rappen auf, dessen abgeschnit­tener Kopf wird Salome später zu ihren Füßen gelegt. Salome badet in Milch. Der Kopf des Propheten wird ihr vorent­halten, am Ende bekommt Salome gleich seinen ganzen abgetrennten Torso serviert, auf den sie dann etwas hilflos die Krone oder den Pferdekopf aufsetzt. Zum Finale ertränkt sich die Prinzessin im Wasser. Castel­lucci besticht bei seiner ersten Salzburger Arbeit mit einer Serie von minima­lis­ti­schen, aber eindrucks­vollen Bildern und einem ungemein starken Symbolismus.

Riesen­jubel, Ovationen und keinerlei Wider­spruch und ein bei der Premiere vor Asmik Grigorian nieder­knie­ender Regisseur, die mit diesem Erfolg sicher ihren inter­na­tio­nalen Durch­bruch geschafft hat.

Helmut Christian Mayer

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