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Foto © Ruth Walz

Diese Salome ist wieder eine Wucht

SALOME
(Richard Strauss)

Besuch am
25. August 2019
(Premiere am 27. Juli 2018)

 

Salzburger Festspiele, Felsenreitschule

Es war die Erfolgs­pro­duktion der Salzburger Festspiele von 2018: Richard Strauss‘ Salome, weswegen sie diesen Sommer wieder aufge­nommen wurde und im Nu wieder ausver­kauft war. Auch dieses Jahr besticht Romeo Castel­lucci mit einer Serie von minima­lis­ti­schen, aber eindrucks­vollen Bildern und einem ungemein starken Symbo­lismus, auch wenn sie nicht mehr so beein­dru­ckend und natur­gemäß überra­schend wirken wie vor einem Jahr.

„Te saxa loquuntur“ – Von dir sprechen die Steine – jene Inschrift über dem riesigen Salzburger Siegmundstor neben dem Festspielhaus, prangt schon zu Beginn auf dem Vorhang. Und mit Steinen hat Castel­lucci, Regisseur, Ausstatter, Konzept­künstler und Symbol- und Metapher-Erfinder, die Arkaden der Felsen­reit­schule völlig zugebaut. Dadurch wirkt der Raum archaisch, bedrohlich einengend wie ein Gefängnis, ein Ersti­ckungsraum, ein brutaler Stein­kerker voller Konflikte. Auf einem goldenen Stein mit der Aufschrift „Saxa“ wird die knieende, mit einem Band gefes­selte, nackte Salome von einem sich von oben langsam senkenden Stein anstelle des Schlei­er­tanzes zermalmt oder verschwindet darin. Jochanaan erscheint sehr beein­dru­ckend im Auge eines schwarzen, immer größer werdenden Mondes. Am Hofe geht es blutrünstig zu, immer wieder werden blutver­schmierte Leichen in Plastik­säcken herein­ge­schleppt. Alle anderen Protago­nisten wie auch Herodes tragen dunkle Anzüge und haben Hüte auf, die untere Hälfte aller Gesichter ist blutig. In Jocha­naans Zisterne hält sich auch ein Rappe auf, dessen abgeschnit­tener Kopf Salome später zu ihren Füßen gelegt wird. Salome badet in Milch. Der Kopf des Propheten wird ihr vorent­halten, am Ende bekommt Salome dafür gleich seinen ganzen abgetrennten Torso serviert, auf den sie dann etwas hilflos die Krone oder den Pferdekopf aufsetzt. Zum Finale ertränkt sich die Prinzessin im Wasser.

Foto © Ruth Walz

Und wieder gefällt Asmik Grigorian als Titel­heldin darstel­le­risch und sänge­risch ungemein. Sie kann lasziv und verfüh­re­risch sein. Sie wird nicht nur begehrt, sondern ist auch naiv und dem Erwach­sen­werden ihres Körpers in hilfloser Unschuld ausge­liefert, wie ein Blutfleck auf ihrem weißen Kleidchen am Gesäß andeutet. Sie kann hart wie auch zerbrechlich, ebenso wie trotzig und abscheulich sein: Die Sopra­nistin ist schlichtweg eine Wucht, denn da passt jedes Detail, jede Bewegung und jede Mimik. Und sie singt die Titel­figur auch phäno­menal: Da passt bei absoluter Textver­ständ­lichkeit jede Fassette und jeder Spitzenton.

Ihr begehrter Jochanaan schaut aus wie ein schwarz­ge­sich­tiger Urmensch mit Fell und Federn und wird von Gabor Bretz mit schönem, diesmal zu wenig durch­schlags­kräf­tigem Bariton gesungen. John Daszak ist ein manchmal etwas scharfer, aber immer markanter und nicht immer höhen­si­cherer Herodes. Anna Maria Chiuri ist eine etwas zu hyste­rische und schrille Herodias. Auffallend schön klingt der Tenor von Julian Prégardien als Narraboth. Auch die vielen kleineren Partien sind alle sehr gut besetzt.

Wiewohl die Wiener Philhar­mo­niker unter Franz Welser-Möst ungemein kammer­mu­si­ka­lisch, trans­parent, detail­reich und mit schil­lernden Farben musizieren, fehlt es diesmal an akzent­rei­cherem, spannungs­vol­lerem Musizieren und zugespitz­terem Expressionismus.

Wieder Riesen­jubel und Ovationen, am meisten für die Salome Asmik Grigorian.

Helmut Christian Mayer

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