O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Ruth Walz

Spannende Opernrarität

DER SPIELER
(Sergej Prokofjew)

Besuch am
12. August 2024
(Premiere)

 

Salzburger Festspiele, Felsenreitschule

Nach der Rarität Der Idiot von Weinberg folgte im Premie­ren­reigen der diesjäh­rigen Salzburger Festspiele die nächste Oper: Sergej Prokofjews Der Spieler. Die Story basiert ebenso wie erstere auf der gleich­na­migen Roman­vorlage von Fjodor Dosto­jewski: In einer fiktiven deutschen Stadt Roulettenburg kommt eine finan­ziell herun­ter­ge­kommene, faule Gesell­schaft, wobei alle in einem Abhän­gig­keits- und Bezie­hungs­ge­flecht zuein­an­der­stehen, in einem Hotel zusammen und wartet eigentlich nur darauf, dass die reiche Großmutter in Moskau endlich stirbt und alle auf das Erbe zugreifen können. Die tut ihnen den Gefallen aber nicht, sondern verspielt ihr Vermögen am Roulette­tisch. Das Werk ist äußerst anspruchsvoll und hat sich nie wirklich durch­ge­setzt. Zunächst hatte die Oktober­re­vo­lution eine Urauf­führung in Russland verhindert. Erst 1929 war die Oper dann in überar­bei­teter Form erstmals auf einer Bühne zu erleben – in Brüssel, das schon damals als eines der innova­tivsten Theater galt.

Sieben seltsame Gebilde schweben immer wieder auf der riesigen Bühne der Felsen­reit­schule, die mit Spiegeln ausge­kleidet ist, was besondere Effekte erzeugt, auf und ab. Sie wirken wie UFOs, es sind aber Roulette­kessel, die an drama­tur­gisch geeig­neten Stellen heftig zu blinken beginnen. Eine Art Mini Las Vegas sieht man auf der ansonsten leerge­räumten Bühne von George Tsypin, die nicht von den europäi­schen Adligen aus Dosto­jewskis Roman­vorlage, sondern von sehr heutigen Normalos, ausge­rüstet mit Handys in zeitge­mäßen Kostümen, bevölkert wird. Regisseur Peter Sellars zeigt dabei aber nicht die Spannungen zwischen Westeu­ro­päern und Russen, die im Roman deutlich zu erkennen sind. Obwohl Sellars die Konflikte bisweilen in rohe Gewalt ausarten lässt, stellt sich zu selten Spannung ein, einfach zu konven­tionell wirkt die Arbeit des einstigen Enfant terrible der Opern­regie in diesem Fall.

Foto © Ruth Walz

In erster Linie setzt er auf Bebil­derung. Und er baut, typisch für ihn, den Kampf gegen den Klima­wandel wieder szenisch ein. Die Wand der Felsen­reit­schule ist teilweise bemoost, auf den Roulette­ti­schen wächst Gras und ein deutsches Fürstenpaar wird mit oranger Farbe beschüttet. Sellars zeigt zwar intensiv die einzelnen Charaktere, schöpft aber nicht das psycho­lo­gische Bezie­hungs­gefüge der Personen unter­ein­ander aus.

In dieser Oper ohne Arien, Ensembles und Chöre werden die Gefühle und Stimmungen musika­lisch sehr exponiert demons­triert, oft hart abgerissen, aber mit großer Sogwirkung. Das Ensemble ist großartig: Allen voran ist Sean Panikkar als Titelheld fast im stimm­lichen Dauer­einsatz. Er singt die Partie mit enormer Energie und Ausdauer, mit extremen Höhen und bietet ein facet­ten­reiches Porträt des von Süchten, Leiden­schaften und den Sitten der Zeit aufge­zehrten Alexej. Asmik Grigorian ist eine Paulina mit lyrischer Grundierung und Expan­si­ons­fä­higkeit ins Drama­tische. Sie wird als linke Aktivistin gezeigt, die mit hässlichen Jeans bekleidet meist ziemlich zickig über die Bühne schlurft oder hinten sitzen muss. Violeta Urmana bietet als Babulenka eindrucks­volle Höhen und schöne Lyrismen in der tieferen Lage. Der dunkle Bass Peixin Chin prunkt als General nicht nur mit Farben und Resonanz, er meistert auch den dekla­ma­to­ri­schen Stil der Oper, der dem gesamten Sängerteam viel abver­langt. Ideal besetzt auch Juan Francisco Gatell als Marquis, Nicole Chirka als Blanche.

Prokofjews farben­reiche und rhyth­mus­ori­en­tierte Musik im Dekla­ma­ti­onsstil wird von den bestens dispo­nierten Wiener Philhar­mo­nikern unter dem erst 30-jährigen russi­schen Dirigenten Timur Zangiev, der damit sein Debüt bei den Festspielen gibt, fiebrig, nervös, siedend mit extremen Attacken vorangetrieben.

Riesiger Jubel im Publikum.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: