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Finales Duell

TOSCA
(Giacomo Puccini)

Besuch am
24. März 2018
(Premiere)

 

Oster­fest­spiele Salzburg, Großes Festspielhaus

Mit gezückten Pistolen stehen sie sich Aug in Auge gegenüber. Auf einer Dachter­rasse eines Buben­in­ternats vor der Kuppel des Petersdoms kommt es zum finalen Duell zwischen Tosca und Scarpia. Denn die Sängerin hat zuvor offen­sichtlich nicht treff­sicher zugestochen, und der bösartige Polizeichef hat ihre Messer­at­tacke überlebt. Jetzt erschießen sich beide gegen­seitig, anstelle ihres Sprungs von der Engelsburg. Zuvor wird aber noch Cavara­dossi von ausge­wählten Zöglingen des Inter­nates, die damit aber keine besondere Freude haben und teils gezwungen werden müssen und was eher doch geschmacklos erscheint, hinge­richtet. Haupt­sächlich beim Finale aber auch zu Beginn sind Michael Sturminger einige neue, doch etwas abson­derlich wirkende Ideen bei Giacomo Puccinis Tosca, der diesjäh­rigen Opern­pro­duktion der Salzburger Oster­fest­spiele, einge­fallen. Denn noch bevor die Musik anhebt, gibt es eine an eine Mafia-Aktion erinnernde, wilde Schie­ßerei in einer Tiefgarage unter der Kirche Sant‘Andrea della Valle, von wo Angelotti dann in den Kirchenraum flüchtet. Alles Abson­der­lich­keiten, die für die thril­ler­hafte Geschichte eigentlich ohne Relevanz sind und keinerlei Neudeutung darstellen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Denn ansonsten ist die Insze­nierung des Regis­seurs, außer dass er sie in die Gegenwart verlegt, um offen­sichtlich die berech­tigte Zeitlo­sigkeit der Themen wie Macht­miss­brauch, Willkür und so weiter aufzu­zeigen, über die weitesten Strecken völlig konven­tionell und hart am Libretto. Renate Martin und Andreas Donhauser zeigen eine an das Original gemah­nende histo­rische Kulisse der römischen Kirche Sant‘Andrea della Valle mit beweg­lichen Säulen, um Räume zu schaffen, des Palazzo Farnese und der Engelsburg im Hinter­grund in heutigen Gewändern.

Mit Anja Harteros ist auch darstel­le­risch von eifer­süchtig bis liebend, von kess bis zickig, eine außer­ge­wöhn­liche Titel­heldin aufge­boten, die mit feinsten Details und farblichen Abstu­fungen faszi­niert und als Höhepunkt bei ihrem Gebet Vissi d’arte mit inniger Piano­kultur und tiefer Emotion punkten kann. Schier grenzenlos erscheinen die Nuancen ihres flexiblen Soprans zu sein.

Foto © Karl und Monika Forster

Aleksandrs Antonenko singt einen robusten, mächtigen Cavara­dossi, mit viel Schmelz und mühelosen Höhen, der das „Vittoria!“ strahlend schmettern kann. Insgesamt ist seine Leistung jedoch zu eindi­men­sional. Ludovic Tézier ist ein Scarpia mit feiner, edler barito­naler Eleganz, dem es jedoch an angst­ma­chender Bösar­tigkeit fehlt.

Bei den vielen kleineren Rollen sticht vor allem Andrea Mastroni als schön­stim­miger Cesare Angelotti hervor. Matteo Peirone als Mesner ist vom Stimm­vo­lumen her etwas unter­be­lichtet. Wunderbar singt der junge Knabe Benjamin Aster den Hirten. Verlässlich wie immer der Salzburger Bachchor, dessen Einstu­dierung Alois Glaßner besorgte, und der Salzburger-Festspiele- und Theater-Kinderchor, den Wolfgang Götz einstudierte.

Christian Thielemann dirigiert seine dritte italie­nische Oper in Salzburg mit Akribie und großem Sinn für Effekte, extrem ausge­reizter und geschärfter Dynamik, nur selten zu überhitzt laut und versteht in der Sächsi­schen Staats­ka­pelle Dresden eine überwiegend atembe­rau­bende Hochspannung, aber auch duftige Klang­schönheit und durch­hörbare Zartheit zu erzeugen. Es fehlt jedoch beim veris­ti­schen Edelreißers teils an aufblü­hender Italianità.

Dafür werden er, die Musiker, die wie üblich zum Schluss­ap­plaus wieder auf die Bühne kommen, und die Sänger bejubelt, der Regisseur bekommt doch auch einige wenige Buhs ab.

Helmut Christian Mayer

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