O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Mit praller Komödiantik und veristischer Schärfe

IL TRITTICO
(Giacomo Puccini)

Besuch am
9. August 2022
(Premiere)

 

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus

Obwohl von höchst unter­schied­lichem Charakter werden die drei Opern­ein­akter immer wieder gern mit den Sätzen einer Symphonie verglichen. Il tabarro als leiden­schaft­liches, stürmi­sches Allegro, Suor Angelica als bleiches, schwer­mü­tiges Andante und Gianni Schicchi als Feuerwerk eines heiteren Finales. Gemeinsame Auffüh­rungen der drei Opern von Giacomo Puccini, die unter dem Titel Il Trittico gemeinsam 1918 in New York urauf­ge­führt wurden, sind heute, vor allem im deutsch­spra­chigen Raum, sehr selten geworden. Am häufigsten wird Gianni Schicchi kombi­niert mit einem anderen Einakter gezeigt.

Jetzt haben sich die Salzburger Festspiele entschlossen, diese Rarität aufzu­führen, wohl auch um es für Publi­kums­liebling Asmik Grigorian, die in den letzten Jahren beim Festival sowohl als Salome und als Chryso­t­hemis bei Elektra, beides von Richard Strauss, höchst erfolg­reich mitwirkte, zu ermög­lichen, alle drei Frauen­partien singen zu können. Wobei von Regisseur Christoph Loy die übliche Reihen­folge umgestellt und Gianni Schicchi gleich zu Beginn gezeigt wird. Und die Sopra­nistin erfüllt die hohen Erwar­tungen: Sie weiß in allen drei Rollen, die unter­schied­licher nicht sein können, zu faszi­nieren: Als naive Lauretta kann sie mit dem Ohrwurm Il mio babbino caro ungemein gefallen. Ebenso singt sie eine ausdrucks­starke Giorgetta, die ihre zerris­senen Gefühle zwischen Luigi und Michele ideal vermitteln kann. Um dann mit reichen Farben und inten­siver Gestaltung der Angelica alle zu Tränen zu rühren. In dem abschlie­ßenden Monolog der Nonne, die sich selbst vergiftet, nachdem sie vom Tod ihres Sohnes erfahren hat, erweist sich Grigorian einmal mehr als intensive Sänger­schau­spie­lerin. Gerade in den Höhen entfaltet sich die volle Pracht ihrer Stimme.

Foto © Monika Rittershaus

Hochstehend ist auch das Niveau der anderen Sänger:  Misha Kiria singt einen stimm­kräf­tigen Gianni Schicchi mit praller komödi­an­ti­scher Präsenz. Joshua Guerrero erlebt man im Mantel als Luigi mit viel Schmelz und müheloser Höhe seines Tenors. Michele wird von Roman Burdenko sehr schön­stimmig gesungen. Alexey Neklyudov gefällt mit seinem wunderbar lyrischen, etwas kleinen Tenor als Rinucccio. Es gefällt auch Enkelejda Shkosa in allen drei Einaktern als Zita, la Frugola und als Suora Zelatrica. Karita Mattila ist die böse, furcht­erre­gende La Zia Principessa und Hanna Schwarz beein­druckt als Badessa. Auch in den kleineren Partien wird wohltuend gesungen. Die Konzert­ver­ei­nigung Wiener Staats­opernchor, deren Einstu­dierung Jörg Hinnerk Andresen besorgte, weiß ebenfalls mit einer sehr ausge­gli­chenen Leistung zu punkten.

Am Pult der Wiener Philhar­mo­niker steht Franz Welser-Möst. Gemeinsam trifft man immer den richtigen Pulsschlag und Farben­reichtum Puccinis feinsin­niger und genialer Musik. Im bestens dispo­nierten Klang­körper erlebt man schat­tie­rungs- und stimmungs­reiche Detail­zeich­nungen, aufre­gende Spannung und plappernde Vitalität.

Als Glücksfall erweist sich auch die Insze­nierung von Christof Loy im Großen Festspielhaus, der mit feiner Klinge Regie führt und bei Gianni Schicchi verhindert, dass die komische Oper allzu sehr ins Klamauk­hafte abgleitet, wenngleich Tempo und Inten­sität der Perso­nen­führung in dem nüchternen Raum, den ein riesiges Bett dominiert, trotzdem beachtlich sind und dem den ganzen Abend begeis­terten Publikum viele Lacher entlocken. Die Bühnen­bilder stammen alle von Ètienne Plus, die passenden Kostüme von Barbara Droshin. Bei Il tabarro wird vor einem Schlep­perkahn vor allem die männliche Bruta­lität gezeigt, wenngleich man den Mord an Luigi durch Michele schon drasti­scher und packender gesehen hat. Mit veris­ti­scher Schärfe zeigt Loy hier das Elends­milieu der Fischer auf der Seine und das triste, nüchterne Kloster­milieu bei Suor Angelica. Gerade hier zeichnet er die Figur der harther­zigen Zia Principessa, der Fürstin und Tante, der unerbitt­lichen Gegen­spie­lerin von Schwester Angelica intensiv. Angelica ist hier eine raffi­nierte Mischung aus Idylle und Depression. In Trance hallu­zi­niert Angelica über ihr Kind, der als süßer Bub in kurzen Hosen barfuß seinen Auftritt hat. Loy zeigt am Schluss schlicht und daher ergreifend – den Liebestod einer Mutter.

Großer Jubel im Publikum.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: